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Deloitte-Experte Pascal Eber im Interview

Neue Vorschriften wie der Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA) ändern einen Sektor, der sich in den letzten Jahren zu einem wenig bekannten, aber florierenden Stützpfeiler der Luxemburger Finanzwirtschaft entwickelt hat: Dienstleistungen rund um Konzerne und Unternehmungen (Trust & Corporate Services). Laut Branchenverband LIMSA wuchs diese „Nische“ von 2008 bis 2012 um 11,5% pro Jahr. Wird es damit nun vorbei sein? Dazu im Gespräch mit Pascal Eber, Partner beim Beratungsunternehmen Deloitte.

Was genau bedeutet Trust & Corporate Service?

Pascal Eber Der Luxemburger Trust & Corporate Dienstleistungssektor wird im Gesetz vom 31.05.1999 definiert und ist demnach eine natürliche oder legale Person, die ein registriertes Büro für eine oder mehrere Unternehmen betreibt, auf deren Geschäft sie wiederum keinen Einfluss ausübt. Zusätzlich zum Eintragen der Firma ins Unternehmensregister und der Bereitstellung einer Adresse kann die Trust & Corporate-Branche weitere Dienstleistungen anbieten: Repräsentation, Buchhaltung, Unternehmenssekretariat, Finanzverwaltung, Steuern, Personalbeschaffung und Gehaltsmanagement, Büroverwaltung, unterstützende Dienstleistungen bei Bankgeschäften.

Was bedeutet die FATCA-Vereinbarung mit den USA für den Sektor?

Eber Die vereinbarten FATCA-Regeln sollen verhindern, dass US-Steuerpflichtige Finanzvermögen in nicht US-Finanzinstituten oder Offshore-Konten vor den amerikanischen Finanzbehörden verstecken, um so ihrer Steuerpflicht in den USA zu entkommen. Dieses Ziel wird in erster Linie durch den automatischen Informationsaustausch zwischen den lokalen Finanzinstituten und Steuerbehörden mit denen der USA erreicht.

FATCA muss in einem breiteren Kontext gesehen werden, als internationaler Schritt Richtung mehr Steuer-Transparenz, das von verschiedenen vorhandenen oder noch kommenden Vorschriften und Empfehlungen (OCDE, Neue Spardirektive, gemeinsame Offenlegungsstandards, etc.) in den nächsten Jahren die Akteure der Trust & Corporate-Branche (T&CS) beeinflussen werden. T&CS-Akteure werden dabei von FATCA auf dreierlei Weise betroffen sein: als Unternehmen, Kunden und Investoren. Die Komplexität von regelkonformem Verhalten wird dabei erhöht durch die grenzüberschreitende Natur der Aktivitäten, bei denen FATCA berücksichtigt werden muss, hinzu kommen die länderspezifischen rechtlichen Rahmenwerke, die für jeden einzelnen Kunden und dessen jeweilige Gerichtsbarkeit, der er unterliegt, beachtet werden müssen.

Wie beeinflussen die regulativen Änderungen den Sektor?

Eber Die Vorschriften ändern sich schneller denn je. Die Kosten, diesen Regularien gerecht zu werden, werden zu einer strategischen Herausforderung, der man gerecht werden muss.

Outsourcing und gemeinsame Marktlösungen werden von vielen Akteuren als Mittel verstanden, den sich ändernden Regulatorien entsprechen zu können, vom Einhalten der vorgeschriebenen Bestimmungen bis endlich zur pflichtgemäßen Berichterstattung an die Regulatoren.

Wie sehen Sie die Perspektiven?

Eber FATCA und die operationellen Änderungen, die sich daraus ergeben, stellen für viele eine Herausforderung dar, aber es bietet auch Möglichkeiten für die T&C-Dienstleister, ihren Kunden neue Dienstleistungen anzubieten. Neben einer zusätzlichen Einnahmequelle ermöglicht es dem Luxemburger Markt auch, sein Können unter Beweis zu stellen dadurch, indem man die Anforderungen meistert und die Professionalität dem Ausland unter Beweis stellt. Damit erhöht man letztendlich die Attraktivität des Luxemburger Marktes, um bei grenzübergreifenden Aktivitäten unterstützende Dienstleistungen anzubieten.