BRÜSSEL/BOCHUM
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EU geht weiter gegen Billigimporte aus China vor - ThyssenKrupp-Chef wirbt für Stahlfusion

Zum Schutz vor Billigimporten hat die EU zusätzliche Strafzölle gegen China und Taiwan verhängt. Auf Rohre aus nicht rostendem Stahl sowie auf Formstücke zum Einschweißen aus China werden künftig Aufschläge von bis zu rund 64,9 Prozent des Preises fällig, wie die EU-Kommission gestern mitteilte. Für entsprechende Produkte aus Taiwan werden zusätzliche Strafzölle von bis zu 12,1 Prozent erhoben. Sie werden unter anderem im Schiffsbau, bei Energieinfrastruktur-Projekten und Bauten sowie Industrieanlagen gebraucht.

Nach Angaben der Brüsseler Behörde sind in der Europäischen Union mittlerweile 39 Antidumping-Maßnahmen in Kraft. 17 davon richten sich gegen Billigeinfuhren aus China. Die europäische Stahlindustrie klagt seit geraumer Zeit über Überkapazitäten und hohe Subventionen in China.

China hatte sich in der Vergangenheit bereits gegen Vorwürfe der EU gewehrt, den Weltmarkt mit billigem Stahl zu überschwemmen. Aus Sicht der Volksrepublik handelt es sich um ein weltweites Problem, gegen das protektionistische Maßnahmen keine Lösung sind. Im Ringen um die Zukunft der Stahlsparte hat Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger derweil erneut für eine Fusion geworben. „Ob, wann und mit wem ein Konsolidierungsschritt kommen wird, ist aber weiterhin offen“, heißt es in einem am gestrigen Freitag zur Hauptversammlung des Konzerns in Bochum verbreiteten Redetext des Konzernchefs. Bei den seit Monaten laufenden Gesprächen mit dem Konkurrenten Tata müsse eine tragfähige Lösung für die Pensionsverpflichtungen des Unternehmens in Großbritannien gefunden werden, betonte Hiesinger. Ziel sei es, ein „zügiges“ Ergebnis zu erzielen. Nach Informationen des Handelsblatts (Freitag) aus konzernnahen Kreisen könnte ein möglicher Zusammenschluss mit Tata frühestens in diesem Sommer über die Bühne gehen.

Betriebsrat will keinen Zusammenschluss mit Tata Steel

Der Betriebsratschef der Thyssenkrupp-Stahlsparte, Günter Back, warnte dagegen vor einer Fusion der Traditionssparte mit dem Konkurrenten Tata. Dadurch könne der gesamte Konzern ins Wanken geraten, sagte Back bei einer Protestveranstaltung vor rund 200 Stahlkochern.

Hiesinger verwies dagegen auf strukturelle Überkapazitäten in der europäischen Stahlbranche. Zudem belaste ein enormer Preisdruck durch Importe aus Asien die europäischen Hersteller. „Seit Jahren verdienen wir unsere Kapitalkosten nicht“, beklagte er. Und das sei so, obwohl das europäische Stahlgeschäft von Thyssenkrupp zu den zwei profitabelsten Herstellern in Europa gehöre. Sparprogramme verschafften nur kurzfristig eine Atempause, so Hiesinger. „Ohne grundlegende Änderungen würden wir unweigerlich ein Restrukturierungsprogramm nach dem anderen anstoßen müssen.“