LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Ab Oktober einheitliche Kennung von Brennstoffen - Kerosin-Verkauf nimmt zu

Ab Oktober können sich Autofahrer auf neue Symbole an den Zapfsäulen in Europa einstellen. Sie bestehen generell aus einem Buchstaben und einer Zahl sowie einer umgebenden Form. So steht „E5“ für Benzin mit bis zu fünf Prozent Ethanol. Benzin-Kraftstoffe sind generell von einem Kreis umgeben. Ein von einem Quadrat umgebenes „B7“ hingegen steht dann für Diesel mit bis zu sieben Prozent Biodieselgehalt. Eine Raute hingegen umgibt die Bezeichnungen für Gas, wie „LPG“, „CNG“ oder „LNG“. Damit sollen Verwechselungen an den Tankstellen vermieden werden. Die europaweite Richtlinie soll den Autofahrern das Leben vereinfachen. Langfristig soll den fossilen Brennstoffen mehr Biokraftstoff beigemischt werden. Diese Mischung können jedoch nur Autos verarbeiten, deren Motor ab etwa dem Jahr 2000 gebaut wurde, ältere Modelle haben sonst Schwierigkeiten. Zur Zeit liegt der maximale Gehalt von 95er Benzin in Luxemburg bei fünf Prozent Bioethanol und von Diesel bei sieben Prozent. Auf dem Markt wird das Benzin 95 E10 neu eingeführt, es enthält maximal zehn Prozent Ethanol und ist bereits seit langem in den Nachbarländern erhältlich. Durch diese Maßnahme soll Luxemburg seine Ziele im Hinblick auf erneuerbare Energien, die bis 2020 zehn Prozent ausmachen sollen, erreichen. Der Staat plant dazu noch eine Kampagne, mehr Info gibt es unter www.95e10.lu. Die Neuerung ist eine von mehreren Entwicklungen, auf die das „Groupement Pétrolier Luxembourgeois“ (GPL) auf seiner gestrigen Pressekonferenz in den Räumen des Industrieverbands FEDIL hinwies.

„Tanklager notwendig für das Land“

Ein weiteres Thema sind die Tanklager im Land. Erst in der vergangenen Woche war dies wieder diskutiert worden. „Als Sektor halten wir das für sehr wichtig, um normal arbeiten zu können“, betonte Romain Hoffmann, Präsident des GPL. „Wir brauchen sie, um normal arbeiten zu können.“ Für Hoffmann ist es unvorstellbar, die notwendigen Mengen an Erdöl per Lkw ins Land zu bringen. Bislang würden große Mengen per Schiff und Schiene angeliefert. „In einem einzigen Zug befinden sich leicht 100.000 Liter. Mit Lkw ist das praktisch nicht zu realisieren.“ Darüber hinaus würden die Lager eine gewisse Flexibilität erlauben; beispielsweise wenn Bahngesellschaften streiken oder der Wasserstand eine Schiffslieferung verzögern würde. „Laut Gesetz sind wir verpflichtet, einen Vorrat von acht Tagen zu halten“, erklärte Hoffmann. Tatsächlich reichten die Reserven in den Lagern für rund 20 Tage und böten so Flexibilität.

Wenn darüber hinaus ein privater Betreiber die Kapazität eines Lagers in Mertert steigern wolle, würde das dem Sektor nicht schaden. „Vor zwei Jahren mussten wir auf die bestehenden Lager zurückgreifen, damit hier im Land überhaupt etwas läuft“, ermahnte Hoffmann. „Wir haben ein sensibles Gleichgewicht im Land.“ Fossile Brennstoffe bleiben nach Überzeugung der GPL-Verantwortlichen in den kommenden zehn Jahren noch dominant. „Wir sind uns des Klimaproblems bewusst und wollen eine ganzheitliche Produktion“, betont auch Paul Kaiser, Vizepräsident des GPL. Doch die Realität sei, dass es sehr viele Autos mit Verbrennungsmotor gebe, deren Zahl sich nicht so einfach reduzieren lasse. Neben dem E-Antrieb experimentiert die Automobilindustrie auch mit Wasserstoff und anderen Antriebsformen. Doch dies seien kostspielige Lösungen.

Leichter Anstieg beim Verbrauch

Wie viel Brennstoff verbraucht Luxemburg denn nun? 2017 gab es eine leichte Zunahme um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch der Verkauf lag deutlich - nämlich um - 6,9 Prozent - unter den Zahlen von 2005. Diese Zunahme erklärt sich zum einen aus der anziehenden Konjunktur, zum anderen damit, dass 2005 viel verkauft wurde, weil durch den Eintritt von neuen Ländern in die EU deren Bürger nicht mehr den Restriktionen für eine Obergrenze beim Tanken unterlagen. Das nutzten insbesondere Fernfahrer aus den östlichen EU-Ländern. Da in einen Lkw-Tank bis zu 1.000 Liter passen, macht sich das in der Statistik bemerkbar. Gleichzeitig sank der Verbrauch für Heizöl, weil viele Häuser 2017 deutlich besser isoliert sind als 2005. Er nahm vom 2016 auf 2017 auf -1,6 Prozent ab, von 2005 bis 2017 hingegen um - 23 Prozent. Gestiegen ist hingegen der Verbrauch an Kerosin. Der Verkauf des Flugbenzins stieg zwischen 2016 und 2017 um 12,9 Prozent und zwischen 2005 und 2017 sogar um 33,2 Prozent. Mit rund 62 Prozent bleibt Erdöl die dominierende Energiequelle vor Gas (16,8 Prozent) und Strom (13 Prozent). Der Idee, den Benzinpreis zu erhöhen, erteilte Hoffmann eine Absage. „Dabei geht es weniger um den Tanktourismus, der laut einer Studie etwa zehn Prozent des Verkaufs ausmacht, sondern eher um eine strategische Entscheidung“. Rund die Hälfte des Treibstoffs würde auf dem Autobahnen verkauft. „Wenn wir die Akzisen anheben, erfolgt wahrscheinlich nur eine Verlagerung, denn unsere Preise liegen nah an denen der Belgier“, warnte der GPL-Präsident.