LUXEMBURG
MARCO MENG

Standardbrief der Post Luxembourg wird zum 1. September teurer - Unternehmen setzt auf E-Commerce

Die Post Luxembourg wird ihre Tarife ändern. Im postalischen Geschäftsbereich werden erstmals seit fünf Jahren einige Gebühren wie die für Standardbriefe erhöht; andere werden gesenkt, wie das Postunternehmen gestern mitteilte. Auch werden neue Produkte und Dienstleistungen eingeführt.

Wenn sich normalerweise Änderungen der Tarifstruktur auf Preiserhöhungen reduzieren würden, so habe man dieses Mal eine Reihe guter Neuigkeiten, erklärte gestern Postdirektor Claude Strasser. „Die letzte Preiserhöhung fand statt, als noch das Postmonopol bestand, das für Briefe 2013 abgeschafft worden ist“, betonte Strasser dabei. Nachdem nun unlängst die Regulierungsbehörde ILR der neuen Tarifstruktur für den Standardbrief zugestimmt hat - dem Institut muss nachgewiesen werden, dass kostendeckend gearbeitet wird - treten die neuen Preise ab 1. September in Kraft. Ab dann werden auch die neuen Services angeboten. Post Courrier hatte trotz Paketboom im letzten Geschäftsjahr einen Umsatzrückgang um drei Millionen Euro zu verzeichnen.

Nun wird die Gebühr für einen Standardbrief von bislang 0,60 Euro auf 0,70 Euro für den nationalen und europäischen Versand angehoben. Für einen weltweiten Versand steigt der Preis um 20 Cent. Im europäischen Vergleich läge der neue Preis für einen Standardbrief Inland damit zwar leicht über dem EU-Durchschnitt, sei aber immer noch günstiger als in den Nachbarländern Frankreich und Belgien, betonte Strasser.

Und auch von Deutschland gehe man davon aus, dass dort die Posttarife anziehen werden. „Für einen Standardbrief Europa liegt Post Luxembourg mit 0,95 Euro sogar 14 Cents unter dem EU-Durchschnitt.“ Ein Großteil der Briefsendungen hierzulande geht ins Ausland.

„Simpler und moderner“

Mit dem Ziel, die Preisstruktur für Brief- wie auch Paketsendungen einfacher und verständlicher zu machen, wurde einerseits eine Reduzierung der Gewichtsstufen und Empfängerzonen von 198 auf 24 Positionen und andererseits eine Zusammenlegung der Produkte „Briefe“ und „Pakete“ in ein einziges Angebot vorgenommen. Die Tarifstufe S beispielsweise (bis 500 Gramm) vereint drei frühere Tarifstufen. Bei Europa-Briefen oder darüber hinaus sind die Tarife so gestaltet, dass nun nur noch die gleichen 70-Cent-Standardmarken aufgeklebt werden müssen - mit einem Briefmarkenheft kann man alle Sendungen, je nach Gewicht und Größe, passend frankieren. Postchef Strasser bezeichnete die neue Tarifstruktur als eine der grundlegendsten Reformen, die die Post seit langem vollzogen habe. Auch die neuen Dienstleistungen, die Post Luxembourg ab September anbietet, würden den Kunden das Leben vereinfachen. Freilich geht es auch darum, auf die Konkurrenz der Paketzusteller zu reagieren und mehr vom wachsenden E-Commerce-Markt zu profitieren.

Neue Produkte

Nicht zuletzt darum hat Post Luxembourg auch ein Department Innovation, die diesen Markt analysierte. Wie Hjoerdis Stahl, Direktorin von Post Courrier, sagte: „Wir hatten kein passendes Produkt, um beispielsweise ein kleines Buch zu verschicken.“ Der neue Tarif M (bis zwei Kilogramm) hat sich darum deutlich verbilligt. „Das ist ein Bereich, der stark wächst und bei dem wir dem Kunden entgegenkommen wollen“, erklärt Stahl.

Nun bestehe der Unterschied nur noch zwischen Sendungen, die „boxable“ oder „non-boxable“ seien, also über einen der landesweit 1.168 Briefkästen weggeschickt und auch im Briefkasten zuhause zugestellt werden können.

Jetzt müsse der Kunde nicht mehr am Schalter warten, um eine Sendung in Empfang zu nehmen, die auch in seinen Briefkasten gepasst hätte. „Wir müssen dem Rechnung tragen, was der Kunde wünscht“, erklärte Strasser. Die Neuerungen, die die Post nun umsetzt, sind auch Ergebnis von Kundenbefragungen, welche die Gesellschaft durchführte. Neben erweiterter Möglichkeit der Nachverfolgung von Sendungen („FollowMe“) in Form eines aufklebbaren Stickers, ist ein neues Produkt, das aus den Kundenbefragungen resultiert, „Ready2Post“. Das sind vier Arten von vorfrankierten Briefen oder vorfrankierten Päckchen bis zwei Kilogramm mit einem Einheitstarif für Luxemburg und Europa. In diesem Gewichts-Segment herrscht zwar viel Wettbewerb, aber es ist auch ein Bereich, der weiter anziehen wird, so Strasser. Was die PackUp-Stationen angeht, kündigte Stahl an, das in den nächsten Monaten das Netz erweitert wird. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres hat sich das Volumen, das über die Paketstationen abgewickelt wird, landesweit verdoppelt.


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