LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Dritter Verhandlungstag im Mordprozess „Schléiwenhaff“

Im Mordprozess „Schléiwenhaff“ war am Donnerstag die professionelle Erfahrung und das physikalische Hintergrundwissen eines französischen Blutspuren-Forensikers vor Gericht gefragt. Die Staatsanwaltschaft hatte den Sachverständigen Philippe Espérança vor die Kriminalkammer bestellt.

Seine Aufgabe: Die Blutspuren genau zu erfassen, die im Zusammenhang mit dem Tod der beiden Opfer entstanden. Seine Hauptaufgabe war es, die Täter-Opfer-Position am Tatort zu rekonstruieren. Bekanntlich waren der nigerianische Staatsbürger und die Rumänin in einem Mercedes mit Kopfschüssen getötet worden.

Der Experte war beauftragt worden, latente Spuren an zahlreichen Kleidern, der Pistole, dem Abfalleimer und anderen Gegenständen aufzudecken. Der Autoteppich war quasi mit dem Blut des Nigerianers durchtränkt. Die Wunde des Opfers musste direkt mit dem Teppich in Kontakt gewesen sein.

Dass der Nigerianer geschlagen wurde oder etwas Schweres auf ihn gefallen sein muss, ist für den Experten evident. Allerdings sei der Wagen nach dem Mord am Nigerianer gereinigt worden. Bestätigt wurde auch, dass die Rumänin im Sitzen erschossen wurde.

Einige Fragen blieben trotzdem in der Expertise unbeantwortet

Deshalb herrschte am Donnerstag quasi Waffengleichheit zwischen Anklage und Verteidigung. Normalerweise genießen vom Gericht bestellte Sachverständige Deutungshoheit. Doch dieses Mal wurde der Experte arg hinterfragt - jedesmal vom Staatsanwalt, der kritische Fragen zu stellen begann und versuchte, speziell eine Passage des Gutachtens in Zweifel zu ziehen: Die Täter-Opfer-Position am Tatort.

Dem schlossen sich die Vorsitzende Richterin Sylvie Conter und die beiden Verteidiger Rosario Grasso und Pim Knaff an. Die Expertise des Sachverständigen trifft nämlich einen neuralgischen Punkt, der heiß diskutiert wurde. „Wie ist es möglich, dass Blut vom Opfer auf dem Beifahrersitz auf die rechte Seite des Fahrers gelangen konnte?“, fragte Staatsanwalt David Lentz. „Das passt einfach nicht. Ist es möglich, dass eine Person den Platz gewechselt hat?“ Und man hinterfragte: „Was heißt vorne?“

Es verstehe sich von selbst, dass man alles tun müsse, um die Wahrheit zu erfahren. Es sei aber in diesem Fall schwer, a priori eine Entscheidung zu treffen. Me Rosario Grasso meinte: „Wir sollten das Ganze noch einmal testen, bevor das Gericht zu einer Entscheidung kommt.“ Die beiden Verteidiger Knaff und Grasso beantragten „une nouvelle reconstitution d’expertiser le véhicule.“ Der Experte erklärte sich dann auch zu einer neuen Inspektion des Wagens bereit. Die Kriminalkammer ordnete eine Wiederaufnahme der Untersuchung des Wagens für Mittwoch, 16. Oktober, um 11.00, an.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.