SANEM
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Steckbrief Sanem

Starkes Wachstum

Die Gemeinde Sassenheim mit den Ortschaften Sanem, Zolver, Beles und Ehleringen erstreckt sich über eine Fläche von 2.442 Hektar und zählt 16.136 Einwohner, gegenüber 14.470 bei den vergangenen Gemeindewahlen im Jahr 2011. Damals kam eine LSAP/„Déi Gréng“-Koalition zustande, die von „député-maire“ Georges Engel (LSAP) angeführt wird. Ihm zur Seite stehen Simone Asselborn-Bintz (LSAP), Marco Goelhausen (LSAP) und Myriam Cecchetti (déi gréng). Letztere kandidiert nun für die Gemeindewahlen auf der Liste von „déi Lénk“ nach internen Zerwürfnissen mit den Grünen, deren Parteispitze ein Parteiausschlussverfahren gegen sie angestrengt hat und fordert, dass sie den Schöffenposten an den nächstgewählten auf der grünen Liste von 2011 abgibt. Was sie aber ablehnte. Auch bei der LSAP gab es Zerwürfnisse: Nachdem die Sozialisten Jos Piscitelli nicht mehr als Präsidenten des Sozialamts gesetzt hatten, hatte dieser seiner Partei den Rücken gekehrt und war ebenfalls zu den „déi Lénk“ gestoßen. Auch er lehnte die Abgabe seines Gemeinderatsmandats an einen LSAP-Politiker ab. Nach den Wahlen 2011 sah das politische Kräfteverhältnis im 15-köpfigen Sanemer Gemeinderat wie folgt aus: sieben Mandate für die LSAP, drei für die Grünen, drei für die CSV und jeweils eins für DP und „déi Lénk“. Insgesamt treten bei den Wahlen sieben Kandidatenlisten an: LSAP, CSV, „déi Gréng“, „déi Lénk“, DP, ADR und KPL.

Nicht ohne Spannung dürfte die Gemeindewahl in Sanem am kommenden 8. Oktober über die Bühne gehen. Nicht nur steigt die Zahl der Gemeinderatsmandate kraft Bevölkerungsentwicklung von 15 auf 17, wegen dem Wechsel der Schöffin Myriam Cecchetti und des Gemeinderats Jos Piscitelli zu „déi Lénk“, gehen letztere mit einer relativ starken Liste ins Rennen. Was sich die DP bei diesem Urnengang erhofft und was sie in Sanem ändern will, darüber sprachen wir mit Gemeinderätin und Spitzenkandidatin Patricia Speck-Braun.

Frau Speck-Braun, was sagen Sie zu den Zerwürfnissen bei „déi gréng“ und LSAP?

Patricia Speck-Braun Sie sind ein Zeichen der mangelnden Geschlossenheit in diesen Parteien, die unsere Gemeinde führen. Das mag auch dem Umstand geschuldet sein, wie der Schöffenrat Entscheidungen trifft.

Das heißt, die Opposition wird kaum eingebunden?

Speck-Braun Information und Transparenz werden von diesem Schöffenrat jedenfalls nicht gerade großgeschrieben. Es ist aber die Grundlage des demokratischen Entscheidungsprozesses, alle politischen Kräfte im Gemeinderat umfassend ins Bild zu setzen und ihnen Gehör zu schenken. Schließlich vertreten auch sie einen gewissen Wähleranteil in Sanem. Wir setzen jedenfalls auf Partizipation und Transparenz, vor allem gegenüber den Bürgern.

Ein großes Thema in Sanem ist bekanntlich der Verkehr und da stand besonders der Streit um die Käerjenger Umgehungsstraße im Vordergrund, die über Sanemer Territorium laufen soll...

Speck-Braun Auch die DP Sanem ist gegen dieses Projekt, das auch noch durch eine EU-geschützte Grünzone verlaufen soll. Die vorgeschlagenen Lösungen bringen nur noch mehr Verkehr nach Sanem, wo die Verkehrslage bereits jetzt äußerst angespannt ist. Wir brauchen eine regionale Lösung und keine lokale, die nur eine Gemeinde entlastet.

Welche Lösungen schlägt die DP vor, um die Mobilität zu verbessern?

Speck-Braun Wir wollen ein kohärentes Verkehrskonzept mit nur noch Tempo 30-Zonen und Vorfahrtsstraßen mit Tempo 50. Wir wollen verschiedene Kreuzungen sicher machen, wie etwa die unterhalb des Interventionszentrums in der Scheuerhof-Straße. Natürlich setzen wir auf den Ausbau des öffentlichen Transports mit unter anderem der Schaffung einer kostenlosen stündlichen Busverbindung zwischen den vier Ortschaften und dem Uni-Pol in Belval. Das Radwegenetz gehört indes ausgebaut und sichere Abstellmöglichkeiten wie zum Beispiel sogenannte „m-Boxen“ sollen geschaffen werden.

Wie steht es mit der Parkraumlage?

Speck-Braun Wir sehen den Ausbau von Park&Ride Möglichkeiten außerhalb der Dörfer als kapitales Element der Reduzierung des Verkehrsflusses. Hier muss auch mehr mit den Nachbargemeinden zusammengearbeitet werden. Das „Parking résidentiel“ mit Vignettensystem macht Sinn, aber nur dann, wenn die Gemeindeführung den Anwohnern nicht nur eine reduzierte Zahl, sondern genügend Vignetten zur Verfügung stellt. Man muss der reellen Situation der Haushalte hier besser Rechnung tragen. Und darüber hinaus soll beim Ausbau oder der Ausweisung neuer Aktivitätszonen auch intelligent genügend Parkraum eingeplant werden.

Aber reicht das alles aus, um die Verkehrslage in den Griff zu bekommen in einer Gemeinde, die rasant wächst?

Speck-Braun Wir sind der Meinung dass jedes neue Wohnungsbauprojekt ein intelligentes Verkehrskonzept mitbringen muss. Das reicht über die Straßenplanung und die Verkehrsregelung hinaus. Wenn jetzt wie etwa in Ehleringen „An der Walerwiss“ 36 neue Wohnungen entstehen sollen, muss gleichzeitig auch daran gearbeitet werden, wie man den Bürgern vor Ort Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungen anbietet, damit sie nicht für jede Kleinigkeit ihr Auto nutzen müssen, um sich diese in den Nachbargemeinden zu besorgen. Zudem wäre die Gelegenheit gegeben, den Dorfkern von Ehleringen ordentlich zu revalorisieren.

A propos Wohnungsbau: Was wird die DP tun, um der großen Nachfrage gerecht zu werden?

Speck-Braun Wir werden systematisch prüfen, wo neue Wohngebiete entstehen können und auch wo sie Sinn machen. Wir werden dafür sorgen, dass junge Familien sich in der Gemeinde niederlassen können, beispielsweise in dem sie per Erbpachtvertrag günstig an eine Wohnung kommen, und insbesondere auch schauen, wie der Bau von Sozialwohnungen zusammen mit den staatlichen Bauträgern angekurbelt werden kann. Das DP-Wohnungsbauministerium hat eine ganze Menge Instrumente geschaffen, um das zu tun. Davon sollte Sanem besser profitieren. Wie auch von den Subventionen für energieeffiziente Gebäude und für die Altbausanierung. Die Bürger sollen in der Gemeinde sämtliche Informationen darüber finden und auch beraten werden. Unterstützen werden wir auch alternative Wohnformen, wie etwa Mehrgenerationenhäuser. Und wir machen uns stark für ein Angebot von betreutem Wohnen für unsere älteren Mitbürger. Momentan gibt es in Sanem kein solches Angebot für Senioren, die wegen ihrer gesundheitlichen Situation nicht mehr im eigenen Zuhause leben können, aber noch nicht ins Altersheim wollen.

Bevölkerungszuwachs bedeutet ja auch Investitionen in Infrastrukturen wie Schulen und „Maisons Relais“. Wie steht es damit in Sanem?

Speck-Braun Ja, da besteht Bedarf, insbesondere bei der „Maison Relais“ in der Schule 2000 in Zolwer, die ausgebaut werden muss. Über die Frage der Infrastrukturen hinaus, ist es für uns wichtig, dass eine hohe Betreuungsqualität geboten wird. Dazu gehört natürlich ausreichend Fachpersonal, eine ausgewogene, auf regionalen Produkten basierende Ernährung, aber auch eine bessere Vernetzung mit den Schulen und den lokalen Vereinen, damit diese ihre Freizeitangebote auch in den „Maison Relais anbieten können. In punkto Kinderbetreuung wollen wir außerdem Tagesmütter fördern, Jugendlichen die Gelegenheit zu einer Babysitter Ausbildung anbieten und zuschauen, dass die Gemeinde Unternehmen, die eine Kindertagesstätte einrichten wollen, tatkräftig unter die Arme greift.

Und was muss in punkto Freizeitangebot geschehen?

Speck-Braun Ein Punkt der uns wichtig ist, ist die Neugestaltung des beliebten Fitness-Parcours am Beleser „Gaalgebierg“. Hier sollen die Fitnessgeräte erneuert, respektive wieder aufgebaut werden, die Laufwege abgesichert und besser gekennzeichnet werden. Allgemein werden wir ganz eng mit unseren Vereinen zusammenarbeiten, um ihren Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Wir finden auch die Ausweitung des Kulturangebots wichtig. Das derzeit leerstehende Sanemer Schloss könnte künftig Künstlerateliers beherbergen, aber auch Start-ups. Dieses Wahrzeichen sollte zu einem Attraktivitätspol in der Gemeinde werden.

Welche sind die Ziele der DP Sanem bei diesen Gemeindewahlen?

Speck-Braun Sie sind realistisch: Wir möchten unseren Sitz konsolidieren und mindestens einen dazu gewinnen, damit wir unsere Ideen für die Weiterentwicklung unserer Gemeinde im Rat stärker artikulieren können.