NIC. DICKEN

Als im November 2005, auf Initiative des damaligen BCL-Gouverneurs Yves Mersch, der in den letzten Jahren eine enge Zusammenarbeit mit Gremien der islamischen Finanzwelt gepflegt hat, ein erstes Treffen von Spezialisten des Islamic Finance in Luxemburg abgehalten wurde, zeigten die damaligen Regierungsvertreter kaum bis kein Interesse für diese, zugegebenermaßen, noch wenig bekannte Form der den moslemischen Moralgrundsätzen verpflichteten Finanzgeschäfte.

Allenfalls Vertreter von privaten Berufsvereinigungen wie ABBL und ALFI bekundeten durch ihre Teilnahme an jener Tagung, dass sie offen waren für neue Aktivitäten, die den Finanzplatz weiter diversifizieren und bereichern könnten. Erst Jahre später setzte sich auch auf Regierungsebene die Erkenntnis durch, dass man hier ein durchaus entwicklungsfähiges neues Geschäftsfeld erschließen könnte, das sich zu diesem Zeitpunkt für den europäischen Raum vorwiegend auf die Londoner City konzentrierte.

In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts musste die damals schon sehr rege Fondsvereinigung ALFI mehrere Jahre lang den zuständigen Finanzminister beknien, im Interesse einer Belebung des Fondsgeschäftes - heute der dynamischste und unverzichtbare Pfeiler des Finanzplatzes - die „taxe d’abonnement“ auf ein erträgliches Maß herunter zu schrauben, um für die Branche attraktivere Bedingungen zu schaffen. Die nachfolgende regelrechte Explosion zeigte, dass die Zauderer mit ihrer „vorsichtigen Abwägung“ nicht unbedingt recht gehandelt hatten. Diese beiden Beispiele belegen, das es nicht immer die institutionellen Begleiter des Finanzplatzes waren, die dessen Aufschwung begünstigt haben, sondern vor allem die in- und ausländischen Akteure mit dem nötigen Stehvermögen die Entwicklung des Platzes voran zu treiben wussten und die Politik bisweilen eher als Bremser wirkte.

Als im Laufe der vergangenen Woche das 75-jährige Jubiläum der Bankenvereinigung ABBL gefeiert wurde, beschränkte man sich rückblickend auf die positiven und gemeinschaftlichen Anstrengungen von Akteuren und Behörden und ließ punktuelle „accidents de parcours“ wohlweislich außer acht.

Ganz offenkundig wurde im Verlauf der ABBL-Feierstunde aber auch, dass man gewillt ist, schneller und gezielter als bisher auf neue Chancen zu reagieren, die durch den Wegfall von (zu?) lange verteidigten Souveränitätsnischen noch effizienter genutzt werden wollen, wenn die Dynamik des Platzes erhalten werden soll. Genau so konsequent, wie die Finanzbranche neue Möglichkeiten für den Platz nutzen will, ist auch die Regierung entschlossen, diese Bemühungen finanziell und reglementarisch zu begleiten und zu unterstützen. Man setzt sich nicht an die Stelle, sondern an die Seite der Akteure, die am besten einschätzen und umsetzen können, worauf es in den nächsten Jahren in den verschiedenen Bereichen vorrangig ankommt. Die Zeit zum Zögern früherer Zeiten kann man sich heute nicht mehr leisten. Dass das aber letztendlich nicht zum Schaden von Luxemburg sein wird, dürfte den interessierten Bürgern und Politikern mittlerweile hinlänglich bekannt sein.