Ob 20.000 Festivalgänger oder 200 Clubbesucher: Für Aleksandar Jovanovic spielt es keine Rolle, vor wie vielen Jazz-Enthusiasten er und seine Combo Serbian Jazz Bre! auftreten. Wobei die Serben heute Abend ab etwa 23.00 mit Sicherheit nicht nur vor einer Handvoll Jazz-Fans auftreten werden.
Klassik-Einflüsse
Für das serbische Sextett wird es der erste Auftritt in Luxemburg sein, es bietet sich für das Publikum also die einmalige Gelegenheit, modernen serbischen Jazz auf einer luxemburgischen Bühne zu entdecken.
Die lebhafte Jazzszene der jungen Republik öffnet sich seit einigen Jahren gen Westen, auch und vor allem, weil junge, talentierte Musiker immer öfters ihr Musikstudium an europäischen Hochschulen absolvieren. Vor allem nach dem Ende des Bürgerkrieges wurden junge Musiker zu Botschaftern einer Szene, die Jovanovic irgendwo an der Schnittstelle von Ost und West
ansiedelt.
„Den serbischen Jazz betrachte ich als Fusion zwischen östlicher und westlicher Musik, als einen Mix aus traditionellen serbischen Folk-Klängen und Jazz.“ Die Einflüsse der europäischen Klassik hört man nicht auf Anhieb heraus, sie sind jedoch vorhanden.
Sprachmix
Auf ihrem aktuellen, acht Titel umfassenden Album kristallisiert sich die Violine heraus. Dieses Instrument, das ein erstes Mal vor Jahrhunderten in die Region des heutigen Serbien kam, ist seit langem ein wichtiger Bestandteil der traditionellen serbischen Musikkultur. „Im Jazzbereich wird das Instrument allerdings wenig bis gar nicht eingesetzt,“, erklärt der Klavierspieler. Des Klanges wegen und angesichts seiner musikhistorischen Bedeutung innerhalb der serbischen Musikszene hat sich die Band dazu entschieden, das Instrument für ihre Kompositionen zu nutzen.
Das Saiteninstrument ist eines der Hauptmerkmale des Serbia Jazz Bre!- Sounds. Ein weiteres, nicht minder interessantes Merkmal ist der gezielte Einsatz der serbischen Sprache.
Nichts Ungewöhnliches für ein serbisches Ensemble, mag man meinen. Angesichts der Tatsache, dass jedoch auch im Osten Europas viele Bands es vorziehen, auf Englisch zu singen, um ihre Chancen auf eine erfolgreiche internationale Karriere zu steigern, fallen die sechs Serben dann doch etwas aus dem Rahmen.
Auf den serbisch-englischen Sprachmix auf ihrer Platte angesprochen, meint Aleksandar Jovanovic schmunzelnd, dass ein serbischer Songtitel oftmals besser klingen würde als ein englischer. Die Tatsache, dass sich das Land, trotz seiner geografischen Lage, dennoch zu Europa hingezogen fühlt, verleitete die Band dazu, ebenfalls die englische Sprache zu benutzen.



