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JEFF KARIER

„Confédération des brasseries et des brasseurs du Luxembourg“ mit klaren Zielen

Luxemburg blickt auf eine lange Bierbrautradition zurück. Doch ein Verband, in dem die Brauereien Luxemburgs vertreten sind, gab es lange Zeit nicht mehr. Denn 2006 musste die bis dahin bestehende „Fédération des brasseurs luxembourgeois“ aufgelöst werden. Grund war der Aufkauf der „Brasserie de Luxembourg“ durch „Interbrew“, heute „AB InBev“, und dem damit verbundenen Austritt aus dem Verband. Da aber mindestens drei Mitglieder vorausgesetzt sind, kam es zu Auflösung des Verbands.

Am 8. März 2017 wurde dann die „Confédération des brasseries et des brasseurs du Luxembourg“ gegründet. Im Interview erklärt Verbandspräsident Mathias Lentz, warum es gerade jetzt zu einer Neugründung kam und was die Ziele des Verbands sind.

Herr Lentz, warum hat sich nun nach der langen Zeit ein neuer Verband gegründet?

Mathias Lentz In den letzten Jahren ist die Zahl der Brauereien in Luxemburg wieder angestiegen. Neben der „Brasserie nationale“ und „Brasserie Simon“ sowie „Den Heischter“ und der „Brasserie Béierhaascht“ kamen viele Mikro-Brauereien hinzu. In unserem Verband haben wir aktuell 20 Mitglieder versammelt, zu denen bereits viele dieser kleineren Brauereien zählen. Gegenüber der „Fédération des brasseurs luxembourgeois“ haben wir nämlich die Statuten so angepasst, dass etwa auch kleine Betriebe Mitglied werden können. Außerdem unterscheiden wir zwischen „Membres Effectifs“ und „Membres d’Honeur“.

Wie unterscheiden sich diese beiden Arten der Mitgliedschaft?

Lentz „Membres Effectifs“ sind Brauereien, die in Luxemburg ihren Sitz haben und auch produzieren. Als Beitrag bezahlen diese dann zehn Cent pro Hektoliter, den sie brauen. Die Brauereien, die zwar hier in Luxemburg sitzen, allerdings im Ausland brauen, können „Membres d’Honeur“ werden. Hierzu zählt aktuell „Fox Beer“ und „Micro-Brasserie Nowhere Brewing“. Aber auch das „Musée National d’Art Brassicole“, das „Musée Brassicole des deux Luxembourg“ sowie die „Confrérie Gambinus“ sind bei uns „Membres d’Honeur“, da sie sich intensiv mit der Geschichte des Biers befassen.
Von den großen drei Brauereien Luxemburgs ist bislang nur die „Brasserie nationale“ dem Verband beigetreten. Die „Brasserie Simon“ und die „Brasserie de Luxembourg“ nicht. Warum?

Lentz Die „Brasserie de Luxembourg“ ist über ihren Mutterkonzern „AB InBev“ bereits Mitglied in einem nationalen Bierverband und somit auch in „Brewers of Europe“ vertreten. Wenn sie aber weiterhin in Luxemburg bleiben und mitreden wollen, wäre es trotzdem von Vorteil für sie, wenn sie auch bei uns Mitglied wären. Sie sind jedenfalls immer bei uns willkommen.

Die „Brasserie Simon“ ist aktuell zum Teil im Verband vertreten, da sie einer der drei Aktionäre der „Micro-Brasserie Château de Wiltz“ ist. Als solche scheint die „Brasserie Simon“ aber noch etwas zu zögern und abwarten zu wollen, wie sich unser Verband entwickelt. Aber auch sie sind stets willkommen.

Warum sollten besonders kleine Brauereien Mitglied in Ihrem Verband werden?

Lentz Ein Teil der Mikro-Brauereien in Luxemburg brauen zwar auch aus Spaß und Freude am Bier, produzieren aber auch sehr gute Produkte, die sie auch verkaufen wollen. Aufgrund der Lizenzierung und dem mit dem Verkauf verbundenen Verwaltungsaufwand ist dieser Schritt aber nicht ganz einfach. Als Verband versuchen wir diesen Brauereien zu helfen, ihre Biere auf den Markt zu bringen. Wir wollen außerdem eine gemeinsame Stimme für das luxemburgische Bier sein sein, um etwa Anpassungen und Vereinfachungen bei Gesetzen und Vorschriften durchzubringen.

Eine Idee ist es als Verband ein gemeinsames Bierfest zu organisieren, auf dem jeder seinen Stand hat und die Menschen sich ein Bild von der Vielfalt der luxemburgischen Biere machen können. Denn das Interesse am Bier ist da. Es wird wieder mehr Bier getrunken. Allerdings wird heute anders als noch vor zehn oder zwanzig Jahren getrunken. Beim Lokalbesuch werden nun verschiedene Biere getrunken, es wird experimentiert, Biere werden wie Wein verkostet.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Markts und wo gibt es in Luxemburg noch Potenzial?

Lentz Sehr lange wurde in Luxemburg fast nur Pils gebraut. Die Bofferding-Brauerei hat zum Beispiel rund 240 Jahre nur ein einziges Bier gebraut, eben Pils. Das hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Jetzt gibt es mit den Battin-Marken zusammen neun verschiedene Biere der Brauerei. Und das gilt auch für andere. Mit dem Aufkommen der Craft Beer-Szene hat sich diese Entwicklung nochmals beschleunigt. Dadurch sind die Kunden auch weniger markentreu, sondern wollen Verschiedenes probieren.

Als den luxemburgischen Markt darf man aber nicht nur das Großherzogtum verstehen, sondern die Großregion. Das ist der Markt für luxemburgisches Bier, denn auch dort wird unser Bier getrunken und viele von den im nahen Ausland lebenden Personen arbeiten hier. Sie haben also einen luxemburgischen Bezug. Dort gilt es zu wachsen, denn in der Großregion ist nicht zuletzt durch die steigende Vielzahl an Biersorten noch viel Potenzial.