INGELDORF
CORDELIA CHATON

Der „People Counter“ von IEE wird seit einem Monat erfolgreich bei Bâtiself getestet – Einsatz auch nach der COVID-19-Krise

IEE hat ein neues Kundenzählsystem entwickelt, das jetzt einen Monat lang erfolgreich bei Bâtiself in Ingeldorf getestet wurde. Es ermittelt in Echtzeit die Zahl der Kunden, die den Laden betreten. Damit erlaubt es der Geschäftsführung die Einhaltung der während der Coronakrise auferlegten Beschränkung für eine Höchstzahl an Kunden im Geschäft. Sowohl IEE als auch die Geschäftsleitung von Bâtiself sehen jedoch auch darüber hinaus zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten. IEE hat mit der weltweiten Vermarktung des in Luxemburg entwickelten „People Counter“ begonnen.
Wer das Bâtiself-Geschäft in Ingeldorf betreten will, blickt noch vor dem Eingang auf einen Bildschirm. Der zeigt die Zahl der aktuell im Geschäft vorhandenen Kunden an. Gestern Vormittag waren das 58. Darunter erscheint die Zahl der Kunden, die aufgrund der Coronaviruskrise maximal gleichzeitig im Geschäft sein können. Sie beträgt 150. Liegt die Zahl darunter, steht die Ampel auf dem Bildschirm auf grün.
Wenn die Kunden dann zwei Schritte weiter gehen, betreten sie das Geschäft. Über ihrem Kopf ist ein rundes Plastik-Element angebracht, das etwas größer ist als ein Wassersprinkler. Er beinhaltet einen Teil des neuen Kundenzählsystems.
„Darin befindet sich ein LED im Infrarotbereich, das die Kunden beleuchtet, aber nicht aufnimmt. Darüber hinaus ist ein 3D-Chip darin, der auswertet, wie weit etwas entfernt ist. Ein Algorithmus auf dem Sensor entscheidet, ob es sich bei der innerhalb einer bestimmten Fläche von 3x4 Meter aufgenommenen Silhouette um eine Person handelt und zählt sie, wenn sie als solche erkannt wird. Anders als Videosysteme nimmt unser Pilot keine Bilder von Menschen auf und anders als Lichtschranken kann er Menschen erkennen“, erklärt Kai Pabelick, der bei IEE für Künstliche Intelligenz zuständig ist und den Pilot des „People Counter“ maßgeblich mit entwickelt hat. „Das ist keine Tracing App“, unterstreicht er.

Personal-, Evakuierungs- und Marketingpläne

Dass der „People Counter“ seit einem Monat in Ingeldorf getestet wird, ist einer Vermittlung über Luxinnovation zu verdanken. Sowohl Paul Schockmel, der bei IEE als Vizepräsident die Themen Strategie, Innovation und Marketing verantwortet, als auch Claude Wagner, der CEO und Eigentümer von Bâtiself und Citabel/Intersport ist, zeigten sich sehr zufrieden darüber, dass sich hier zwei Luxemburger Unternehmen gefunden haben, die zusammen diesen Piloten testen. „Die Informationen sind nicht nur wegen der Coronaviruskrise wichtig. Wir können damit auch Evakuierungspläne, die Personalplanung für die Pausen oder Marketingmaßnahmen planen“, erklärt Malou Schmitt, die die Filiale in Ingeldorf leitet. „Als wir das System noch nicht hatten, konnten wir die Zahl der Kunden nur anhand der Einkaufswagen ermitteln“, gibt sie Einblick in die Schwierigkeiten der praktischen Umsetzung. „Wenn alle 150 Einkaufswagen im Einsatz waren, war das schwierig. Jetzt, mit der Ampel ist es viel leichter.“
IEE hat als Zulieferer in der Automobilindustrie begonnen. Tatsächlich geht auch der „People Counter“ darauf zurück. Zunächst ging es darum, für einen deutschen Hersteller ein System zu entwickeln, das feststellt, wer auf dem Beifahrersitz ist. Doch als der Hersteller sich zurückzog, dachte man bei IEE 2009 an eine kommerzielle Anwendung. Die Finanzkrise sorgte gleichzeitig dafür, dass IEE sich breiter aufstellen wollte. Kunden für ein Zählsystem sah man im Gesundheits- oder Gebäudesektor, aber auch bei der Objektbewachung in Museen.
Der „People Counter“ ist jetzt in der dritten Generation im Einsatz. Er findet sich in Luxemburg im Lycée Clervaux, bei KPMG oder der Chamber. „Aber noch nicht mit der Ampelfunktion“, unterstreicht Schockmel. Weitere Referenzen sind der Flughafen Orly, der Findel, das Kreuzfahrtschiff Aida sowie Schulen oder Ministerien. Oft ersetzt er die Zählung von Hand durch das Sicherheitspersonal.
Der Preis liegt bei einer mittleren vierstelligen Summe, erklären die IEE-Verantwortlichen. „Wir sind ein high end-Produkt.“ Daher sei der „People Counter“ auch sehr viel genauer und zuverlässiger als Produkte der Konkurrenz Bei IEE sieht man durch die Pandemie einen echten Markt. „Als die Länder alle unterschiedliche Vorgaben zur Zahl der Kunden pro Quadratmeter gemacht haben, wussten wir, dass unser System dem gerecht werden kann“, sagt Schockmel.
„Wir sind froh, dass wir mit einem weltweit führenden Unternehmen zusammen arbeiten.  Der Pilot läuft sehr gut. Wir denken daran, ihn auch in weiteren Geschäften einzusetzen“, erläutert Wagner. Er betreibt nicht nur die Bâtiself-Märkte, sondern auch Sportgeschäfte wie Intersport oder Citabel Sports sowie den Hoffmanns Heimwerkermarkt in Alzingen.

Schnell amortisiert

Laut Pabelick rechnet sich die Anschaffung schnell. „Wer drei Sicherheitskräfte an jeder Tür zum Zählen stehen hat, der weiß, was da an Gehältern zusammenkommt. Der ,People Counter‘ amortisiert sich rasch.“ Ein weiterer Vorteil sei, dass die cloudbasierten Ergebnisse in Echtzeit vorlägen.
Das System dürfte auch die Textilindustrie interessieren. H&M sowie die Unternehmen der Inditex-Gruppe wie beispielsweise Zara Massimo Dutti oder Bershka testen schon länger Systeme, die ihnen Aufschluss über den Kundenfluss geben sollen. Hier ist jedoch der Datenschutz immer wieder Thema. Ingenieur Pabelick sieht noch weitere Anwendungsmöglichkeiten. So ließe sich der „People Counter“ mit einer Barriere kombinieren. Das wird er am 13. Juli Wirtschaftsminister Franz Fayot erläutern. Pabelick ist zuversichtlich, dass der internationale Verkauf gut laufen wird. Das Pilotprojekt in Luxemburg dient dabei als gutes Beispiel.