NIC. DICKEN

Der Regierungswechsel, der nach dem Wahlergebnis vom 20. Oktober zustande kam, liegt noch nicht mal eine Woche zurück, und doch muss man kein intimer Kenner des Politgeschehens sein, um einwandfrei einen neuen Stil sowohl innerhalb der Regierungsmannschaft als auch in ihrer Außendarstellung feststellen zu können.

Selbst wenn das Durchschnittsalter der Regierungsmitglieder nur unwesentlich unter dem der früheren Exekutive liegt, so fühlt man doch instinktiv den frischen Wind, eine über den gebotenen Respekt hinaus reichende kollegiale und freundschaftliche Atmosphäre, eine offen gezeigte Lust am Gestalten, eine echte Aufbruchstimmung.

Eine Stimmung, die eigentlich nicht so recht ins bedrückende Bild einer Krise zu passen scheint, die Luxemburg wohl erst spät, dafür jetzt aber umso ernsthafter in ihren Bann gezogen hat.

Dem langjährigen Beobachter fällt auf, dass hier weniger argwöhnisches Beschnuppern des politischen Konkurrenten, mit dem man nunmehr ein Stück des Weges gemeinsam wird beschreiten müssen, als vielmehr interessierte Neugier und partnerschaftliches Miteinander den Ton angeben.

Gut spürbar wird auch das Bewusstsein, dass man, ganz gleich zu welcher der drei politischen Familien man gehören mag, nur im erfolgreichen Zusammenspiel Erfolg haben kann.

Für die etwas reiferen Jahrgänge unter uns werden zwangsläufig Erinnerungen wach an die siebziger Jahre, als sich nach dem erklärten Verzicht der CSV die Sozialisten und die Liberalen problemlos auf die Übernahme der Regierungsverantwortung hatten einigen können und allen wirtschaftlichen Widrigkeiten zum Trotz nicht nur das „Luxembuger Modell“, die in den letzten Jahren etwas unter die Räder gekommene Sozialpartnerschaft, schmiedeten, sondern darüber hinaus auch eine Reihe von gesellschaftspolitischen Reformen umsetzten, die den frischen Wind erkennen ließen, der leider nur fünf Jahre lang durch die Institutionen geweht hatte.

Der keineswegs nur gespielte unverkrampfte Umgang der neuen Akteure untereinander kann durchaus als gutes Omen für den künftigen Erfolg gesehen werden: Minister kommen in ihrem Dienst am Volk nicht dann am besten weg, wenn sie gegenüber anderen Regierungskollegen elektorale Punkte sammeln können, sondern wenn das Volk, die Menschen das Gefühl haben, dass man ihre Anliegen wirklich ernst nimmt und sich gemeinsam für die Lösung der Probleme einsetzt.

Einen nachdrücklichen und nachhaltigen Beweis für den Teamgeist der neuen Regierung bekam die Öffentlichkeit bereits am vergangenen Freitag anlässlich des ersten Pressebriefings nach dem Regierungsrat zu spüren.

Anstatt allein die gemeinsam getroffenen Beschlüsse zu verkünden, hatte Staatsminister Xavier Bettel zwei Regierungskollegen mit an den Pressetisch genommen, die selber für die von ihnen verantworteten Ressorts erläutern konnten: Partnerschaft statt Vormundschaft.