NEW YORK
LAURA SHIN (SPARKNEWS)

TransActive Grid nutzt Blockchain-Technologie, um einen direkten Energiemarkt zu ermöglichen

New York Im Frühling 2015 klingelte es an der Tür von Bob Sauchelli in der President Street des Brooklyner Park Slope Viertels (USA). Als er öffnete kam die Frage, ob er nicht Solarenergie seines Nachbarn kaufen möchte. Sauchelli, 68 Jahre alt, ist nun Rentner, hat aber die letzten 20 Jahre seiner Karriere als Manager des Energy Star Programms für Gebäude in der amerikanischen Umweltschutzbehörde (United States Environmental Protection Agency) gearbeitet und sogar ein Buch darüber geschrieben, wie Energieoptimierung von Gebäuden den Klimawandel positiv beeinflussen kann.

Sein Haushalt wurde zwar schon durch grüne Energie versorgt, jedoch kam diese nicht von lokalen Erzeugern. Er beteiligte sich also an einem Pilotprojekt von TransActive Grid, welches Mikronetzwerke mit Blockchain kombiniert, der Technologie, die Bitcoin-Transaktionen möglich macht. So wurde ein lokaler Markt für erneuerbare Energie geschaffen und Sauchelli konnte schon bald Solarstrom von der nächsten Straßenecke kaufen. „Mich hatte vor allem gereizt, dass es hier in Brooklyn sehr von Nutzen sein könnte“, meinte er. „Wenn man zu einem lokalen Energiehersteller wechselt, wobei es sich um meinen eigenen Nachbarn handelt, dann kommt das Geld der Gemeinde zu Gute. Der positive Einfluss auf die Umwelt ist vor Ort spürbar und indem ich umweltfreundliche Energie von meinem Nachbarn kaufe, motiviere ich damit auch andere Menschen aus der Nachbarschaft dazu, Solarzellen aufs Dach zu setzen.“ Während der Anteil erneuerbarer Energien in den USA lediglich zwei Prozent am Stromabsatzmarkt beträgt, sind dem amerikanischen National Renewable Energy Laboratory zufolge gemeinschaftliche Solarprojekte der am schnellsten wachsende Teilbereich der Branche. TransActive Grid ist ein Joint Venture zweier Unternehmen: LO3 Energy und Consensus Systems, Inkubator der Blockchain App. Das System nutzt durch Blockchain-Technologie einen speziellen Zähler mit Funktionen, die bisher nicht auf dem aktuellen Strommarkt existieren. Zum Beispiel wird den Besitzern von Solarmodulen direkt angezeigt, wie viel Energie sie produzieren, ohne dass sie dafür auf örtliche Energieversorgungsunternehmen vertrauen müssen. Durch Blockchain ist es außerdem möglich direkt mit Energieguthaben zu handeln, so wie zwischen Sauchelli und seinem Nachbarn, was die Kosten solcher Transaktionen drastisch reduziert.

Auch der Solarstromerzeuger verdient besser

„(Blockchain) ist es völlig gleich ob es Transaktionen für eine Solarzelle oder ein 500 mW- Modul ausführt. Der Energie- und Kostenaufwand ist für das System buchstäblich genauso hoch“, erklärt Lawrence Orsini, Gründer und Inhaber von LO3. Das könnte institutionelle Anleger veranlassen, die lokale Erzeugung erneuerbarer Energie zu unterstützen. „Mit Blockchain kann man genauso einfach kleinere wie auch große Summen in Projekte investieren“, erläuterte Orsini.

Des Weiteren, verdient dadurch auch der Solarstromerzeuger besser. Versorgungsunternehmen rechnen Verbrauchern mehr für umweltfreundliche Energie ab, zahlen aber Solarenergieerzeugern den Normalpreis. „Wenn man grünen Strom kauft, bedeutet dies nicht, dass der Strom direkt vom Windpark in den Haushalt geleitet wird“, erklärt Christian Lundkvist von ConsenSys. „Man erhält weiterhin Strom aus dem herkömmlichen Netzwerk, nur zahlt man einen Aufschlag dafür, dass umweltfreundliche Energie erzeugt wird.“ Indem ein Erzeuger der President Street seinen Solarstrom direkt Sauchelli verkauft, bekommt er dafür auch wirklich so viel wie Sauchelli dem nationalen Anbieter umweltfreundlicher Energie ohnehin zahlen würde. Seine monatliche Stromrechnung beträgt ca. 80 Dollar (72€) und er zahlt einen Aufschlag von 15-20 Dollar (13€-18€) pro Monat für grünen Strom. Das Projekt gehört zu Orsinis Lösungsvorschlägen für Versorgungprobleme, die seit dem Stromausfall 2012 in New York nach Hurricane Sandy deutlich wurden. Damals waren sogar Besitzer von Solarmodulen betroffen, da diese auch an das allgemeine Stromnetzwerk angeschlossen waren. „Sobald das nächste große Unwetter ansteht und das herkömmliche Netzwerk versagen sollte, müsste mindestens dieser Teil des Stromnetzes intakt und für die Menschen hier verfügbar bleiben,“ sagte Orsini.

TransActive Grid ist zurzeit dabei, alle behördlichen Hürden zu überwinden, um ein legaler Energieanbieter (ESCO) zu werden und damit den 230 Personen zu dienen, die darauf warten am Projekt teilnehmen zu können. Dieses wird letztendlich aus zwei Aspekten bestehen: Einem angelegten Mikronetzwerk für zehn Häuserblocks und der virtuellen Marktteilnehmergemeinschaft, welche sich eines Tages auf ganz Brooklyn ausweiten könnte. Das System wird auch für ähnliche Projekte in Europa, Afrika und Australien in Erwägung gezogen. Laura Shin (Sparknews)


transactivegrid.net