BERLIN
MATTHIAS VON VIERECK (DPA)

Trend zu mehr Verspieltheit: „Shazam!“ ist durchaus unterhaltsam

Längst nimmt sich das amerikanische Superheldenkino ja nicht mehr so ernst wie einst. Jüngere Filme wie etwa „Ant-Man“ und „Guardians of the Galaxy“ sind voller Ironie und Humor. Selbst bei den vermeintlich tiefgründigeren „Avengers“ darf hie und da kräftig gelacht werden. Ebenso in den jüngsten „Spider-Man“-Leinwand-Adaptionen. Nun landet ein, vom Ton her an „Ant-Man“ erinnernder Superheld in unseren Kinos: „Shazam!“ geht zurück auf einen US-amerikanischen Comic der 1940er Jahre. Zachary Levi, bekannt aus der Fernsehserie „Chuck“, schlüpft in die Hauptrolle und das damit einhergehende rote, mit einem stilisierten gelben Blitz verzierte Heldenkostüm.

Billy Batson (Asher Angel) hat eine fürwahr unschöne Kindheit hinter sich: Ausgerechnet in einem Alter, in dem niemand so wichtig ist als Bezugsperson wie die eigene Mutter, wird er von ebendieser auf einem Rummelplatz im Stich gelassen. Fortan muss er sich mit wechselnden Pflegeeltern herumschlagen; unzählige Ziehväter und Ziehmütter hat der arme Billy schon erlebt. Und immer wieder das Weite gesucht. Die Hoffnung aber, die aktuelle Adresse seiner Mutter ausfindig zu machen, die hat Billy noch nicht begraben.

Mysteriöses Zwischenreich

Dann aber ändert sich einiges im Leben des mittlerweile 14-Jährigen: Nicht nur, dass er Teil einer neuen, diesmal tatsächlich liebevollen Pflegefamilie wird. Eines Tages wird Billy zudem bei einer vermeintlich stinknormalen U-Bahnfahrt in ein mysteriöses Zwischenreich befördert - wo ihm von einem vollbärtigen Magier dessen Zauber- respektive Superkräfte überantwortet werden. Von nun an findet sich Billy, ein eher schmächtiger Teenager, immer dann in einem rot-goldenen Kostüm und im Körper eines muskulösen Erwachsenen wieder, wenn er „Shazam“ ruft.

Auch wenn es stets erfreulich ist, wenn die nicht abreißende Welle an Fortsetzungen im Action- und Superheldenbereich durch das Erscheinen einer frischen Figur durchbrochen wird, so weiß „Shazam!“ doch nicht auf ganzer Linie zu überzeugen. Teils etwa ist der Humor zu bemüht; auch nervt die aufgedreht exaltierte Ausdrucksweise unseres Superhelden ein wenig. „Shazam!“ ist ein recht geschwätziger Film, hie und da hätte es eine Dialogzeile weniger auch getan.

Kaum ein Moment, der nicht auf die eine oder andere Art ironisch gebrochen wäre - mal funktioniert dies (etwa wenn Billy sich mit all seinen Superkräften wie den „Laser-Augen“ vertraut macht), zuweilen aber verfehlt die Selbstironie ihr Ziel. Viele Witze funktionieren nur auf einer Metaebene - weniger mit dem Genre des Superheldenfilms vertraute Kinogänger könnte das abschrecken. Fast sehnt man sich bei all dem Humor und all der Ironie ein Jahrzehnt zurück. Zurück in eine Zeit, in der das Superheldenkino (man denke an Christopher Nolans Batman-Trilogie) noch ernsthafter und ja, auch verbissener war.

Mischung aus Coming-of-Age-Drama und Heldenfilm

Als Mischung aus einem Coming-of-Age-Drama und einem Heldenfilm der ungewöhnlichen Art indes funktioniert „Shazam!“ durchaus. Der Verzicht auf übertriebene Digitaltricks und 3D-Spielereien verleiht dem Film zudem einen an die 1980er erinnernden Anstrich (Filme wie „Gremlins“, „Ghostbusters“, „E.T.“). Warum die über weite Strecken jugend-, abschnittsweise auch kinderkompatible Unterhaltung an einigen Stellen durch sehr gruselige und ebenso brutale Szenen konterkariert wird, ist indes nicht ganz klar.

Momente dieser Art aber stellen eine Verbindung her zum Oeuvre des Regisseurs David F. Sandberg: Hat sich der Schwede doch bisher als Horror-Regisseur hervorgetan („Annabelle 2“). Ob es „Shazam!“ gelingt, ähnlich Humor affinen Konkurrenten wie „Ant-Man“ das Wasser abzugraben, ist noch offen.