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Nach Untergang eines Bootes vor Libyen werden 97 Menschen vermisst

Vor der Küste Libyens ist wieder ein Flüchtlingsboot gesunken. 97 Menschen würden vermisst, ihr Flüchtlingsboot sei auseinandergefallen, teilte die libysche Küstenwache gestern mit. Das Boot mit Afrikanern an Bord habe einen Notruf abgesetzt, sagte Sprecher Ajub Gassim. Etwa zehn Kilometer vor der Küste seien 23 Menschen gerettet worden. Unter den Vermissten seien 15 Frauen und fünf Kinder.

Libyen gilt als eines der Hauptdurchgangsländer für Menschen, die auf der Flucht vor Armut, Hunger und Krieg aus Afrika nach Europa wollen. Schlepper setzen sie in oft kaum seetüchtige Boote, die sie dann meist nach Sizilien oder Malta bringen sollen. Viele Schiffe verunglücken jedoch. Nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex kamen im vergangenen Jahr mindestens 4.597 Menschen ums Leben. Die tatsächliche Zahl könne aber wesentlich höher sein. Die EU versucht, dem Flüchtlingszuzug über das Mittelmeer durch Vereinbarungen mit nordafrikanischen Staaten zu begegnen. Libyen spielt dabei eine Schlüsselrolle. Doch ist es dem zerrütteten Staat bisher nicht gelungen, wie vereinbart die Schlepperbanden aufzuhalten.

Auch verstärkte Patrouillen-Fahrten helfen wenig. Frontex-Chef Fabrice Leggeri sagte im Februar, je mehr Retter die internationale Gemeinschaft in die Gewässer vor Libyen sende, desto voller packten Schmuggler die nicht seetüchtigen Boote, weil sie davon ausgehen könnten, dass die Insassen vor der Küste von Frontex-Schiffen gerettet werden. Laut Leggeri schickten Schlepper im Jahr 2015 noch rund 100 Menschen pro Boot aufs offene Meer, 2016 waren es dann schon 160, ohne dass die Boote größer geworden wären.

Viele Migranten in Griechenland angekommen

Auf den griechischen Inseln der Ostägäis sind von Mittwoch- bis gestern Morgen indes ungewöhnlich viele Migranten aus der Türkei angekommen. Insgesamt setzten 205 Menschen über, teilte der griechische Flüchtlings-Krisenstab gestern mit. In den vergangenen zehn Tagen waren im Durchschnitt täglich nur 31 Menschen angekommen. Die griechische Küstenwache führt die erhöhten Ankunftszahlen auf das fast sommerliche Wetter zurück, das zurzeit in der Ägäis herrscht.

Polen erwägt bewachte Containercamps für Migranten

Die polnische Regierung zieht ihrerseits nach Angaben von Innenminister Mariusz Blaszczak die Einrichtung von Containercamps für Asylbewerber an der Grenze mit Weißrussland in Erwägung. Ein ähnliches System in Ungarn funktioniere gut, sagte Blaszczak in einem gestrigen Interview von Radio Zet. Die Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ hatte am Mittwoch berichtet, dass das Ministerium Asylbewerber in Containern hinter Stacheldraht unterbringen wolle. Blaszczak bestritt diese Details nicht. Er sagte: „Wenn es eine Notfallsituation gibt, müssen wir für alle Szenarien vorbereitet sein.“ Ungarn hat Containercamps an seiner Grenze mit Serbien gebaut, die von Stacheldraht und hohen Zäunen umgeben sind. Asylbewerber aus Tschetschenien und anderen Orten bemühen sich seit vielen Monaten um Einreise nach Polen. Doch werden den meisten eine Einreise und Asyl verwehrt.