LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Wie das Fliegen demnächst abläuft - Luxair und lux-airport erklären, was Passagiere erwartet

Die ersten Flüge der Luxair starten heute Richtung München, Hamburg und Stockholm, aber das Fliegen wird etwas anders sein. Wie, das stellten gestern Luxair und lux-airport bei einem gemeinsamen Rundgang durch den Flugplatz und die Flieger vor. Diese stehen seit dem 23. März am Boden. Doch wenn jetzt die elf De Havilland Q-400 und acht Boeing 737 starten, dann im neuen Modus, der vor allem eines soll. Fluggästen die Angst nehmen.

Die Flüge von Luxair und LuxairTours starten mit zwei Formularen, die beim Boarding abzugeben sind: Sie betreffen den Gesundheitszustand. „Wir haben umfangreiche Gesundheits-Richtlinien umgesetzt, die über die Vorschriften hinausgehen, damit unsere Passagiere so sicher wie möglich reisen“, erklärt Joe Schroeder, Kommunikations-Chef der Luxair-Group.

Neu ist auch die Desinfektion des Fluginnenraumes. Dafür werden spezielle, umweltfreundliche Chemikalien eingesetzt. „Wir haben extra neue Maschinen angeschafft, die nach der normalen Reinigung und Desinfektion noch einen desinfizierenden Dunst im Flieger verbreiten“, berichtet Schroeder. Sämtliche Flächen wie Armlehne, Tabletts oder Gurte und Toiletten würden extra desinfiziert. Im Fall eines vermuteten oder tatsächlichen COVID-19-Falls erfolgt noch eine Extra-Desinfektion nach strengen, internationalen Standards.

Alle drei Minuten wird die Luft gewechselt

In den Flugzeugen selbst werden so genannte HEPA-Filter eingesetzt. „Die Luft besteht zu 60 Prozent aus Frischluft. „Die Filter halten Staub, Allergene und auch virale Organismen wie COVID-19 draußen“, versichert Schroeder. „Sie ist sauberer als draußen und wird alle drei Minuten gewechselt“.“

Die Kabinenbesatzung trägt FFP2-Masken. Auch für die Passagiere herrscht Maskenpflicht, wobei neben Einmalmasken auch Stoffmasken oder Schals akzeptiert sind. Im Zweifel kann die Crew Masken austeilen. Jeder Reisende erhält eine eigene Desinfektionslösung samt Tuch. Durchsagen erinnern an die Gesten für Sauberkeit.

Das Ein- und Aussteigen erfolgt in kleinen Gruppen, vorzugsweise via Luftbrücke. Die Passagiere werden so weit wie möglich auseinander gesetzt. „Wir sind nicht verpflichtet, einen Platz frei zu lassen, weil die Luftfilter so effizient sind, machen das aber, wenn es denn möglich ist“, sagt der Luxair-Kommunikations-Chef. Zeitschriften an Bord gehören ebenso der Vergangenheit an wie Decken und Kissen. Spezialmenüs oder ein Begleitservice für allein reisende Kinder gibt es in der ersten Phase des neuen Fliegens nicht. Und Snacks werden ebenso wie Menüs der neuen Situation angepasst. Damit alles richtig klappt, wurde das Personal speziell geschult.

Runden über dem Findel

Die Flugzeuge selbst wurden während des Lockdowns nach den Vorgaben der Hersteller gewartet, Schutzvorrichtungen an den Reifen angebracht, die Fenster zugeklebt und sämtliche Öffnungen geschlossen. Im Inneren wurden Schutzvorrichtungen gegen Feuchtigkeit und Staub installiert. Damit die Piloten fliegen können, drehten sie Runden über dem Findel. Denn um seine Lizenz zu behalten, muss ein Pilot innerhalb von 90 Tagen mindestens drei Starts und drei Landungen durchführen. Aufgrund der Coronavirus-Krise wurde die Frist auf 120 Tage verlängert.

„Wir öffnen für das Pfingstwochenende, damit die Menschen ein wenig Abstand gewinnen können“, sagt Schroeder und verweist auf Ziele wie Faro an der Algarve, das ebenso wie Porto, Lissabon und Berlin zu den ersten angeflogenen Zielen zählt. Ab 99 Euro geht also in sieben europäische Städte. Den Reisenden empfiehlt Luxair, sich vor Ort über die Situation zu informieren.

In der kommenden Woche übernimmt Gilles Feith als neuer CEO das Steuer der Luxair. Auf ihn warten schwierige Zeiten, denn in der internationalen Luftfahrt fehlen die Fluggäste, während die Kosten durch Hygienemaßnahmen steigen. Im April flogen in Deutschland täglich gerade einmal 10.000 Menschen, das sind weniger als sonst. Das hat Folgen. Viele Gesellschaften wollen Mitarbeitern kündigen, unter anderem American Airlines, Easyjet und Ryanair. SAS meldete am Donnerstag für das zweite Geschäftsquartal einen Umsatzrückgang von knapp 47 Prozent. Bei der norwegische Airline Norwegian ging der Umsatz von 8 Milliarden norwegischen Kronen im Vorjahr auf 6,5 Milliarden (598 Millioen Euro) zurück.