Katrin (24) hatte schon viele Beziehungen mit Männern. Dann lernte sie eine junge Frau kennen. Sie wurden Freundinnen. Irgendwann ging sie mit ihr nach Hause - danach war alles anders: Katrin hatte sich in die Frau verliebt. Im „Journal“-Interview erzählt sie mehr über diese neue Erfahrung. Da das Gespräch sehr intim ist, haben wir den Namen geändert.
Wie hast du festgestellt, dass Du dich verliebt hattest?
Katrin Am Anfang konnte ich mir selbst die Gefühle nicht eingestehen. Ich dachte immer, ich könnte nur für Männer Emotionen entwickeln. Es hat lange gedauert, bis ich selbst akzeptiert habe, dass ich auch Frauen lieben kann. Ich kam mit dieser Frau zusammen, hielt die Beziehung jedoch vor meiner Familie und meinen Freunden geheim.
Warum das?
Katrin Ich schämte mich. Mir war es immer wichtig, was andere Leute über mich sagen. Ich dachte, dass meine Freunde mich nicht verstehen könnten. Meine Familie ist streng katholisch, ich konnte es ihr einfach nicht sagen.
Wie ging es dann weiter?
Katrin Meine Freundin wollte nicht mehr mit mir zusammen sein, wenn ich sie weiter verleugnen würde. Also trennten wir uns.
Wie geht es Dir heute?
Katrin Ich habe meinen Verwandten und Freunden erzählt, dass ich bisexuell bin. Ich stehe heute dazu. Ich will nicht sagen, dass ich mich wieder in eine Frau verlieben werde, da ich mich schon eher zu Männern hingezogen fühle. Doch ich schließe es nicht aus. Und falls es wieder einmal passiert, werde ich diesmal zu dieser Frau stehen. Ich denke, ich verliebe mich in den Menschen und nicht in das Geschlecht.
Wie hat dein Umfeld auf dein „Coming-out“ reagiert?
Katrin Viel besser als ich dachte. Fast alle haben überhaupt kein Problem damit. Und diejenigen die eins haben, sind nicht mehr meine Freunde.
Wie ist der Sex mit Frauen?
Katrin Am Anfang konnte ich den Sex mit der Frau nicht genießen. Es war sehr eigenartig. Nach einer gewissen Zeit, als ich mir immer mehr eingestand, dass ich diese Frau mochte, ging es besser. Zum Schluss war der Sex besser als mit Männern.



