ETTELBRÜCK
CORDELIA CHATON

Lee Baumann ist Preisträgerin des diesjährigen Françoise-Folmer-Preises

Lee Baumann hat viele Pläne. Die 24-Jährige aus Ettelbrück würde am liebsten alles auf einmal: Master machen, in die USA reisen und ein Unternehmen gründen. Vor allem aber hat sie sich während ihrer Ausbildung in Projekten und Gruppenarbeit hervorgetan. Dafür schlugen sie ihre Lehrer für den Françoise-Folmer-Preis vor, der junge Nachwuchsunternehmerinnen anspornen soll. Baumann erklärt, was sie macht, wovon sie träumt und wer ihre Vorbilder sind.

Frau Baumann, was machen Sie zur Zeit?

Lee Baumann Momentan habe ich einen Vertrag mit der Gemeindeverwaltung von Ettelbrück. Ich kümmere mich um die Organisation von Festen und die Vermietung von Sälen.

Sie haben gerade den Françoise-Folmer-Preis von der „Fédération Femmes Cheffes d´Entreprises“ erhalten. Wie kam es dazu?

Baumann So genau weiß ich das auch nicht! Wir haben sehr viel gearbeitet für das BTS, und dann haben meine Lehrer angedeutet, sie hätten mich für einen Preis vorgeschlagen. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich den bekomme. Sowieso hatte ich den Kopf voll mit anderen Sachen und wusste auch erstmal nicht genau, was dahinter steckt. Das war natürlich super, als dann im Forum Geesseknäppchen die BTS-Diplome überreicht wurden und ich den Preis bekam. Da war ich total überrascht. Meine Eltern waren auch sehr stolz! Der Preis macht Mut, als Unternehmerin aktiv zu werden.

Wie geht es weiter mit Ihnen als Unternehmerin?

Baumann Ich weiß es noch nicht. Erstmal muss ich arbeiten und Geld auf die Seite legen. Ich wohne allein und möchte noch so viel: Ein Auto, weil man das für viele Jobs hier im Land braucht. Reisen, denn ich war noch nie in den USA. Außerdem würde ich gern meinen Master machen. Und im Ausland arbeiten. Unternehmerin - warum nicht? Aber ich möchte erstmal arbeiten und schauen, wie es läuft. Ich habe Freunde, die sind selbstständig, haben einen Hundesalon oder schminken professionell oder sind Innenarchitektin; die sind ganz schön aktiv.

Eigentlich wird ja immer gesagt, Luxemburger wollten alle zur Gemeinde oder zum Staat…

Baumann Nein, ich denke meine Generation ist da schon viel selbständiger. Mich interessieren jedenfalls viele Sachen. Ich hätte mir auch gern ein Jahr Zeit für einen humanitären Einsatz genommen. Ich bin einfach neugierig auf das Leben. Entweder probiere ich noch mehr aus oder ich studiere. Dann mal sehen…

Was haben Sie bis jetzt gemacht?

Baumann Ich war am Lycée classique, da habe ich Latein und Sprachen erlernt. Dann habe ich am Lycée Hotelier einen Abschluss im Tourismus erworben und einige Monate beim Office National du Tourisme gearbeitet. Zuletzt habe ich das BTS in Commerce und Marketing gemacht. Dazu gehörten auch viele Projekte.

Haben Sie eigentlich Vorbilder?

Baumann Meine Eltern haben auch viel ausprobiert. Sie sind selbstständig und haben ein Café hier in Ettelbrück. Ich sehe, wie schwierig das ist, welche Probleme und Risiken das mit sich bringt. Da habe ich schon viel erlebt. Mein Vater ist schon mein Vorbild, wenn ich sehe, was er alles gemacht hat, wie er sich nicht unterkriegen lässt und schuftet; manchmal zwei Schichten hintereinander. Ich habe das versucht, aber nicht geschafft. Wie er immer weiter kämpft, das finde ich toll.

Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten und Preise entgegen nehmen?

Baumann Ich liebe Tätowierungen und gehe regelmäßig bei einem Freund vorbei, der mir auch schon viele gemacht hat. Das sind Erinnerungen, Talismane, da wird der Körper zum Kunstwerk. Und ich kümmere mich natürlich auch um meine Freunde. Mit dem Unternehmerinnenverband gehe ich übrigens demnächst noch essen. Das finde ich super, dass die noch mit mir sprechen wollen.