LUXEMBURG
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Schulsystem: Vom neuen BTS-Studiengang zur Technikerausbildung „Smart Technologies“

Seine traditionelle Pressekonferenz zur Rentrée hält Unterrichtsminister Claude Meisch zwar bereits am morgigen Freitag ab, doch für die Kinder und Jugendlichen geht der sogenannte Ernst des Lebens erst in der kommenden Woche wieder los: am Montag für die Grundschüler, am Dienstag für die Septimaner und ab Mittwoch dann auch für alle anderen Schüler.

„Stage“-Verkürzung

Dabei gibt es bei dieser Rentrée eine Reihe von Neuerungen zu verzeichnen. So wird beispielsweise im „Maacher Lycée“ ein neuer BTS-Studiengang angeboten. Der „Assistant médico-administratif“ soll die Studenten auf einen administrativen Beruf im medizinischen Sektor vorbereiten. „Der Arzt-Verwaltungsassistent ist der Verwaltungsarm des Arztes und ist für die Entgegennahme und Bearbeitung der Patientenakte zuständig“, wird das Berufsbild auf beruffer.anelo.lu vorgestellt. Die Zulassung zu diesem BTS erfolgt auf der Grundlage eines Bewerbungsdossiers, eines Vorstellungsgesprächs und möglicherweise auch Sprachprüfungen. Voraussetzung ist ein Sekundarschulabschluss (allgemein oder klassisch), ein Technikerdiplom („division administrative et commerciale“, unter Umständen auch die „division hotelière et touristique“) oder ein gleichwertiges ausländisches Diplom.

Auch soll das Referendariat verkürzt werden, wie die Abgeordnetenkammer vor der Sommerpause beschlossen hat. Der „Stage“ für angehende Lehrer wird damit auf zwei Jahre festgelegt. Wenn angehende Grundschullehrer allerdings vor „Stage“-Antritt nachweisen können, dass sie über eine Gesamtdauer von mindestens 16 Wochen praktische Erfahrung gesammelt haben, dann kann das Referendariat auf ein Jahr verkürzt werden. Auch für Berufsanfänger im Sekundarschulwesen sind gewisse Freistellungen und eine Reduzierung der „Stage“-Zeit möglich.

Neues gibt es außerdem bei der Ausbildung der Techniker. So haben fortan fünf Lyzeen die Technikerausbildung „Smart Technologies“ im Angebot: das „Lycée des Arts et Métiers“, das „Lycée technique d’Ettelbruck“, das „Lycée Guillaume Kroll“, das „Lënster Lycée“ sowie das „ Lycée privé Emile Metz“. Von Robotik über intelligente und grüne Energie, das vernetzte Zuhause, die Elektromobilität bis zum Internet der Dinge oder Kommunikationsnetzwerken soll diese Ausbildung die Schüler auf die Zukunft vorbereiten.

Vier öffentliche Europaschulen

Auch gibt es inzwischen vier öffentliche Europaschulen. Wenngleich sie im vergangenen Jahr bereits Schüler hatten, können aber erst seit Mai dieses Jahres drei weitere Schulen des Landes eine offizielle Zertifizierung als öffentliche europäische Schulen nachweisen. Zusammen mit der internationalen Schule Differdingen und Esch gibt es damit vier solcher öffentlicher Europaschulen in Luxemburg: die internationale Schule in Mondorf, die „International School Junglinster“ sowie die internationale Schule in Clerf. Eine fünfte öffentliche europäische Schule ist indes in der Hauptstadt geplant.

Mit dem bereits seit Mai operationellen und dem im September in Düdelingen eröffnenden „Guichet“ verfügt das Nationale Kinderbüro in diesem Jahr über zwei neue regionale „Guichets“. An das „Office national de l’enfance“ können sich Kinder, Jugendliche, Familienmitglieder wie auch Berufstätige aus dem Sektor wenden, wenn sie Hilfe benötigen. Das kann etwa der Fall sein, wenn Eltern es nicht mehr schaffen, die täglichen Aufgaben in der Familie zu bewältigen. Das ONE bietet ebenfalls eine Familienhilfe in psychischen, sozialen und erzieherischen Fragen an.

Lëtzebuerger Journal

Auf ein Neues | Ab Montag wird wieder gebüffelt

Über 100.000 Schüler und ihre Eltern, rund 11.000 Lehrer, rund 25.000 Erwachsene in der „Formation des adultes“, rund 15.000 Kursteilnehmer am „Institut des Langues“, Tausende, die eine Weiterbildung aufnehmen oder fortführen...: Am Montag ist allenthalben „Rentrée“, und die geht bekanntlich immer auch mit einem gewissen Ausnahmezustand einher. Und das nicht nur auf den Straßen: Nach zwei Monaten Sommerpause gilt es für viele Kinder und ebensoviele Eltern wieder einen Lebensrhythmus aufzunehmen, der von der Schule geprägt ist.

Sie müssen wieder früh aufstehen, manchmal rennen, um zeitig im Unterricht zu sein, Abends müssen sie sich vorbereiten für den nächsten proppenvollen Schultag oder für die Prüfungen, die da kommen. Aber keine Angst, jeder gewöhnt sich schnell wieder an den neuen Rhythmus, die nächste „Vakanz“ kommt bestimmt und außerdem: bringt die Schulzeit nicht dauernd spannende Entdeckungen, viel Abwechslung und einer Menge neuer Freunde?

Rückblickend dürfte die Mehrzahl der heutigen Schüler in einigen Jahren eine positive Bilanz ihrer Schulzeit ziehen. Die Erinnerungen und die Freunde aus der Zeit behält man oftmals ein Leben lang.

Nun ist das Schulsystem eine Dauerbaustelle, auf der in den letzten Jahren vieles passiert ist. Minister Claude Meisch, der morgen zur traditionellen „Rentrée“-Pressekonferenz lädt, auf der er sicher auch auf den ebenso traditionellen Schuss vor den Bug der Lehrergewerkschaft SEW/OGBL reagieren wird, hat eine Menge Reformen durchgezogen, respektive auf den Weg gebracht, die mitunter viel Kritik ernteten.

Nun soll eine Phase der Konsolidierung beginnen: „Wir haben in dieser Legislatur keine so großen strukturellen Reformen wie in der vorigen. Es gilt jetzt, sie umzusetzen und zu begleiten. Ich werde in den nächsten Jahren verstärkt bei den Bildungsakteuren sein, um mit ihnen über die Herausforderungen zu sprechen, denen sie im Alltag begegnen. Ich möchte darüber hinaus auch öfter breite öffentliche Debatten über die Bildungspolitik veranstalten“, erklärte der DP-Politiker im vergangenen Februar im Gespräch mit dem „Journal“ über die großen Prioritäten der Schulpolitik. Die großen Linien der Anpassung des Schulsystems im mehrsprachigen Luxemburg will er übrigens an einem „Bildungsdësch“ mit allen betroffenen Akteuren diskutieren. Dieser Bildungstisch soll sich jedes Jahr um ein zentrales Unterrichtsthema versammeln. Wobei die Diskussion gründlich vorbereitet werden soll, sprich durch wissenschaftliche Studien untermauert. Der erste Bildungstisch steht allerdings noch aus.

Zu diskutieren gibt es freilich genug und wer jedem die gleichen Startchancen ins Leben ermöglichen und die bestmöglichen Perspektiven für eine erfolgreiche Berufslaufbahn schaffen möchte, muss selbstverständlich weit über den Schulbetrieb hinaus denken.

Das fängt bei der Kleinkindbetreuung an und hört beim Renteneintritt auf. Was aber nicht ganz richtig ist, denn auch Rentner haben natürlich einen „lifelong learning“-Bedarf. Deshalb hat etwa die „Chambre des Salariés“ nun ein spezifisches Kursprogramm für Menschen über 60 aufgelegt. Ausgelernt hat man schließlich nie. Das gilt natürlich auch für die Aus- und Weiterbilder, die ständig am Ball bleiben müssen, was die Entwicklungen in ihrem Bereich anbelangt, sich aber auch stets an neue pädagogische Erkenntnisse und gesellschaftliche Entwicklungen anpassen müssen. Auf den Lehrern lastet eine enorme Verantwortung, vor der wir unseren Hut ziehen. Ihnen, den Schülern und allen Akteuren des Bildungsystems - den Eltern natürlich auch - wünschen wir einen gelungenen Start ins neue Schuljahr. Und hoffen, dass die Informationen, die wir in unserem „Rentrée“-Special zusammengetragen haben, von Nutzen sind. (Claude Karger)

Photo: Editpress - Lëtzebuerger Journal
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Toutes générations | La Chambre des Salariés offre une énorme panoplie de formations

La rentrée, c’est aussi le moment ou de très nombreuses personnes entament une formation continue. La Chambre des Salariés, qui représente aujourd‘hui plus de 530.000 salariés et retraités, joue depuis ses débuts en 1924 un rôle clé tant dans la formation initiale - dans l‘apprentissage - que dans la formation continue, considérée non seulement comme essentielle pour la progression de l‘individu dans son environnement professionnel, mais encore comme un soutien à la citoyenneté et au développement de l‘Homme. Dans cet état d‘esprit, le Lifelong Learning Center de la CSL innove en continu, adaptant ses formations aux exigences dans les différents métiers, mais élargissant aussi son offre à de plus en plus de citoyens. L‘institution propose ainsi désormais une diversité de formations, de conférences et d‘activités pour les salariés âgés, respectivement les retraité. De la découverte du monde numérique, en passant par la sophrologie, la compréhension du système de pension, des démarches administratives ou encore des thèmes plus culturels ou liés à la santé: une trentaine de formations spéciales séniors est à l‘affiche d‘ici décembre. A noter que la CSL s‘adresse aussi aux élèves: en collaboration avec la Conférence générale de la Jeunesse, diverses activités sont proposées pour permettre aux élèves de découvrir principes démocratiques et système politique. Quant à la formation continue proposée aux salariés, outre cours du soir et séminaires, des formations supérieures sont proposées avec un nombre de partenaires, Ainsi deux nouveaux masters sont au programme en collaboration avec l‘Université de Lorraine: un Master en Management des Organisations du Secteur Sanitaire et Sociale et un Master Contrôle de Gestion et Audit Organisationnel. Par ailleurs, CSL et Competence Centre de l‘Université du Luxembourg viennent d‘unir leurs efforts pour développer la Cisco Networking Academy au Grand-Duché (réseautique, programmation, sécurité informatique...).

Foto: Editpress - Lëtzebuerger Journal
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Uni: Auch ein Fortbildungsakteur | Die Institution dehnt ihr Angebot immer weiter aus

Längst hat sich die Uni Luxemburg auch als Akteur der Weiterbildung positioniert, um Privatpersonen, Berufstätigen, Arbeitssuchende und Selbstständigen den Zugang zu Hochschulbildung oder eine kulturell ausgerichtete Weiterbildung zu ermöglichen. So können mittlerweile 21 Hochschuldiplome oder -zertifikate in so unterschiedlichen Bereichen wie Computerwissenschaften, Finanz- und Rechtswissenschaften, Naturwissenschaften (vor allem im Veterinärbereich), in Psychotherapie, aber auch in Geisteswissenschaften (Luxemburgische und italienische Sprache und Kultur), sowie in Sozialwissenschaften (Gerontologie, Mediation, Raumplanung...) und in Sozial- und Erziehungswissenschaften in Abend- und Wochenendkursen erworben werden. Ein Studiengang in letzterem Bereich ist der „Bachelor en sciences sociales et éducatives en cours d‘emploi“, der gemeinsam mit der „Chambre des Salariés“ angeboten wird. Der Studiengang erstreckt sich über zwei Jahre und ist in der Regel Profis im Sozialbereich mit mindestens sechs Jahren Berufserfahrung vorbehalten. Das Diplom eröffnet die Perspektive etwa auf den Zugang zum geschützten Beruf des „Assistant social“, aber auch auf ein Masterstudium im Bereich der Sozial- und Erziehungswissenschaften in Luxemburg oder im Ausland. Entstanden ist der berufsbegleitende Bachelor aus der enormen Nachfrage an Fachkompetenz im Sozial- und Erziehungsbereich, der „von der Wiege bis zur Bahre“ reicht, wie Kursdirektorin Petra Böwen unterstreicht. Denn Profis im Sozial- und Erziehungsbereich sind sowohl in der Kleinkindbetreuung wie auch in der Palliativbegleitung gefragt, ebenso wie bei der Arbeit etwa mit behinderten Mitmenschen und Drogenabhängigen. Die erste Promotion dieses berufsbegleitenden Bachelors hat eben ihr Diplom erhalten, 21 von 23 Teilnehmern haben die fordernde Weiterbildung durchgezogen. Wer mehr darüber wissen möchte, kann die Uni direkt kontaktieren oder am 24. Oktober beim „Praxis- und Kontakttag“ auf dem Campus Belval vorbei schauen. Um ihr Fortbildungsangebot besser zu strukturieren und weiter zu entwickeln, wurde durch die Reform des Uni-Gesetzes 2018 das „University of Luxembourg Competence Centre“ geschaffen, das derzeit rund 20 Weiterbildungen anbietet, die meisten davon derzeit im Gesundheitsbereich. So geht im November etwa ein neues Zertifikat für Bewegungsförderung und -erziehung in formalen und non-formalen Bildungssettings an den Start.

Mehr zur Uni und zum „Competence Centre“: www.uni.lu und www.competence.lu