LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Dass Diversität im Betrieb sich auszahlt, weiß Larissa Best, die Unternehmen dabei berät

Larissa Best ist eine gefragte Frau, wenn es um das Thema Diversität geht. Sie wird von Unternehmen in Luxemburg und im Ausland engagiert, um sie in diesem Sinne umzustrukturieren. Warum die Unternehmen das wollen und wie die Trainerin vorgeht, erklärt sie hier.

Warum wollen Unternehmen Beratung zum Thema Diversität?

Larissa Best Meine Kunden wollen den Bereich Personalwesen entwickeln. Oft stellen sie bei einem Audit fest: Wir haben hier gar keine Diversität. Dabei geht es nicht nur um Frauen in Unternehmen, sondern auch um Individualität allgemein. Die findet statt im Hinblick so unterschiedliche Faktoren wie den sozioökonomischen Status, Religion, Bildung und vieles mehr. Dahinter steckt die Überzeugung, dass das andere Denken abseits ausgetretener Pfade wichtig ist, um eine Firma weiter zu bringen. In den letzten rund 20 Jahren gab es viel Recherche, die gezeigt hat, dass Diversität für mehr Talente, mehr Innovationen und bessere Kundenkontakte sorgt. Auch die Bilanz ist besser. Wenn Diversität schlecht gemanagt wird, ist das jedoch destruktiv.

Kann Diversität destruktiv sein?

Best Ja, denn dieser Ansatz beruht auf dem Respekt für die Ansichten der anderen. Die Firmenkultur muss dem entsprechen. Das ist häufig ein Problem. Viele Unternehmen wissen, was sie wollen, aber nicht, wie sie dahin kommen. Es gibt aber auch Bereiche, wo Diversität unsinnig ist: Insbesondere Bereiche mit gleichbleibenden Kunden und Tätigkeiten. Da ist es vielleicht nicht sinnvoll, sehr viel Arbeit in Diversität zu stecken, weil das Ergebnis sich nicht wirklich in den Zahlen niederschlagen wird.

Wäre es nicht viel einfacher, einen Mix aus Mitarbeitern einzustellen?

Best Häufig geht das schon deshalb nicht, weil nur Absolventen von den gleichen drei Universitäten genommen werden. Oft ist auch die Art der Ausschreibung nicht inklusiv oder die dort verwendeten Formulierungen führen dazu, dass sie potentielle Adressaten gar nicht interessieren. Es kommt auch regelmäßig vor, dass ein Senior Manager Diversität will, aber das mittlere Management nicht. Wenn man dann eine Person einstellt, reicht das nicht, denn ein roter Apfel unter 100 braunen fühlt sich nicht gut. Daher ist auch die Kommunikation entscheidend. Der allgemeine Respekt in den Abteilungen muss existieren. Damit geht die Frage einher, wie man die neu rekrutierten Leute halten kann. Das Unternehmen muss den Talent-Pool vergrößern. Das ist oft einfacher mit externen Trainern.

Wirkt die aktuelle Krise als Katalysator für Diversität?

Best In den USA ist der Verlauf nicht der gleiche wie in Europa. Hier ist die Krise kein Katalysator, weil die meiste Zeit, die die Leute mit Kindern zu Hause geblieben sind, sich die Mütter um die Kinder gekümmert haben. Covid-19 wird da weder schaden noch helfen. Wer vorher schon schlecht dran war, ist jetzt noch schlechter dran und umgekehrt. Klar ist: Diversität ist ein wichtiges Thema. Das zeigen Studien: Ein Prozent mehr Diversität im Unternehmen über alle Bereiche bringt neun Prozent mehr Umsatz. Ein Prozent mehr Diversität nur bei der Geschlechterverteilung bringt nur drei Prozent. Das sind Fakten. Sie zeigen: Diversität bringt vor allem etwas, wenn sie auf breiter Front umgesetzt wird.