LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Christine Dahm vom „Cercle de Coopération des ONG

Rund 90% der Nichtregierungsorganisationen (geläufige Abkürzungen: NGO oder ONG) in Luxemburg sind Mitglied im „Cercle de Coopération des ONG de développement au Luxembourg“. Dieser unterstützt die NGOs in ihrer Arbeit bzw. Organisation, setzt sich in ihrem Interesse beim Kooperationsministerium ein und hat so u. a. aktiv an der Reform des Kooperationsgesetzes mitgeholfen. NGOs leisten wichtige Arbeit in den Entwicklungsländern, und doch könnten sie noch effizienter vorgehen. Christine Dahm kennt sich aus.

Wobei hilft der „Cercle de Coopération“?

Christine Dahm Auf nationaler Ebene sind wir in gewisser Weise Sprachrohr der luxemburgischen NGOs. Manche Themen betreffen gleich mehrere Organisationen, weshalb das Kooperationsministerium natürlich froh ist, in uns nur einen Ansprechpartner zu haben. Eine kleine Organisation kann sich oft nicht um alles kümmern und auch vielleicht nicht so viel erreichen. Wir beraten die NGOs und unterstützen sie, indem wir beispielsweise Weiterbildungen organisieren, etwa zum Thema Mikrofinanzen oder auch bezüglich der Buchhaltung. Viel liegt uns auch daran, Synergien aufzubauen. In Luxemburg gibt es verhältnismäßig viele NGOs und auch viele, die im gleichen Bereich oder Land tätig sind.

Zum Beispiel?

Dahm Ganz konkret kann ich beispielsweise das Land Burkina Faso nennen. 27 luxemburgische NGOs waren zeitweise dort aktiv. Im vergangenen Jahr haben wir deshalb eine „Journée d’échange Burkina Faso“ organisiert. Die meisten wussten nicht mal voneinander. Aktuell sind es „nur noch“ 18. Wir stellen also den Kontakt zwischen den Organisationen her und versuchen eine Zusammenarbeit zu begünstigen.

Mit welchen Problemen haben die NGOs zu kämpfen?

Dahm Natürlich stoßen die NGOs immer wieder auf Schwierigkeiten in den Partnerländern, vor allem bei politischen Konflikten. Ein großes Problem ist jedoch der Mangel an Professionalität innerhalb der Nichtregierungsorganisationen. In anderen Ländern ist das aber auch so. Viele Mitglieder arbeiten auf Freiwilligenbasis. Von den 97 luxemburgischen NGOs sind es maximal 20, die mit festen Angestellten arbeiten. Die Majorität, also rund 80, setzt sich aus Freiwilligen zusammen. Das ist natürlich toll, birgt aber gleichzeitig zahlreiche Risiken, vor allem auf der Ebene der Kontinuität, aber eben auch, was die Professionalität anbelangt. Damit will ich keinesfalls sagen, dass die freiwilligen Mitglieder keine gute Arbeit leisten, jedoch sind sie nicht so verfügbar wie festangestellte Mitarbeiter. Die Forderung nach mehr Professionalität und auch der Druck, den die Öffentlichkeit oder das Ministerium auf die NGOs ausübt, wird immer größer. Um effektiver arbeiten zu können, braucht es professionelle Leute. Dies ist nicht unbedingt direkt eine Frage des zur Verfügung stehenden Geldes, sondern vor allem auch, wie das Geld eingesetzt wird. Viele NGOs werben damit, dass von 100 gespendeten Euros, deren 100 in den Zielländern ankommen. Das ist jedoch nicht immer ganz effizient. Manchmal ist es vielleicht besser, wenn von 100 Euro nur 95 an benachteiligte Kinder gehen, und 5 Euro investiert werden, um die Leitung der Projekte zu professionalisieren. Leider tun sich NGOs häufig auch gegenüber ihren Spendern schwer, die Notwendigkeit solcher Verwaltungskosten und anderer Unkosten zu rechtfertigen.