LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Konflikte zwischen Menschen und Wespen sind oft mit einfachen Mitteln lösbar

Wespen gehören zu den Insekten mit einem ganz miesen Image. Bienen sind fleißig, Hummeln gelten als harmlos, Wespen dagegen als lästig und aggressiv. Allerdings scheint sich die öffentliche Meinung seit dem erkennbaren Rückgang der Insektenpopulation etwas zu drehen und nicht mehr jede Wespe  - die auch zu den wichtigen Bestäubern gehört - wird reflexartig  tot geschlagen.

Mit dem Thema „Wespen“ in seiner ganzen Komplexität hat sich jetzt François Benoy, Abgeordneter der „Gréng“, in einer parlamentarischen Anfrage an Umweltministerin Carole Dieschbourg beschäftigt. Benoy wollte es wirklich genau wissen. Sein Fragenkatalog umfasst rund anderthalb Seiten.  Benoy betont die Bedeutung der Wespen als „Hygienepolizei“, die unter anderem faule Früchte und Fleischreste beseitigt. Seiner Meinung nach sind auch nur zwei der in Luxemburg vorkommenden Wespenarten aggressiv. Andererseits gehörte es lange zu den Standardeinsätzen der Feuerwehren Wespennester zu beseitigen – damit befassen sich auch seine Fragen.

Jede Menge Detailfragen

Wie viele Wespenarten kommen derzeit in Luxemburg vor? Wie hat sich die  Wespenpopulation entwickelt? Inwieweit wurden die Rettungsdienste in den letzten fünf Jahren zur Beseitigung von  Wespen herangezogen?  Wie und wo beseitigen die Rettungsdienste Nester?  Welche anderen Einrichtungen, die den Bürgern im Umgang mit Wespen in ihrer Umgebung helfen, werden von der Regierung unterstützt? Führt die Regierung erfolgreiche  Sensibilisierungskampagnen über Wespen durch? Welche Methoden werden empfohlen, um das Konfliktpotential zwischen Mensch und Wespe zu verringern?   Wenn Menschen eingreifen wollen, um ein Nest zu verlegen oder zu beseitigen, müssen sie dann um Erlaubnis, Rat oder Hilfe bitten?  Benötigen professionelle Kammerjäger eine Genehmigung, um bei Wespenpräsenz einzugreifen? Wenn ja, welche Bedingungen müssen sie erfüllen?

296 Wespenarten

In Luxemburg gibt es 638 Arten von stechenden Hautflüglern, darunter 342 Bienenarten (vegetarische Larven) und 296 Wespenarten (fleischfressende Larven). Von den 296 Wespenarten sind 15 soziale und 281 Einzelgänger. Die sozialen Wespen leben in Kolonien. Die Sozialwespenarten Vespinae vulgaris und Vespinae  germanica verursachen die meisten Konflikte mit Menschen.

Die Ministerin erläuterte, dass jede soziale Wespenkolonie nur ein Jahr lang lebt und sich im Sommer aufbaut, und noch mehr in heißen, trockenen Sommern. Am Ende der Saison sterben alle Wespen, außer den neuen Königinnen, die ein Versteck für den Winter suchen. Wenn der Winter hart und regnerisch ist, stirbt die Mehrheit.

Da jedoch Sommer mit langen Hitze- und Dürreperioden die Entwicklung von Wespen begünstigen und milde Winter den jungen Königinnen eine bessere Winterresistenz ermöglichen, könne man nicht ausschließen, dass der Klimawandel zu einer leichten Zunahme der Wespenpopulationen führen kann, erläuterte die Ministerin die derzeitige „Wespenlage“.

Tausende Anti-Wespen Einsätze in der Vergangenheit

Laut der ehemaligen Verwaltung der Rettungsdienste wurden 2.073 Einsätze im Zusammenhang mit Wespennestern für das Jahr 2016 und 3.751 für das Jahr 2017 registriert. Für Einsätze seit der Schaffung des CGDIS liegen noch keine Daten vor. Nach den aktuellen Einsatzregeln des Rettungsdienstes evakuiert oder zerstört der CGDIS Wespennester nur bei unmittelbarer Gefahr für Personen. Andernfalls greifen ökologische Überlegungen und das  Netzwerk der Wespenberater von natur&ëmwelt wird hinzugezogen. Ein Faltblatt von  natur&ëmwelt  in mehreren Sprachen informiert über die verschiedenen Wespen und deren Verhalten. Es gibt 25 ehrenamtliche Berater, die das genannte Netzwerk bilden. In der Saison 2019 wurden sie 1.200 Mal in Anspruch genommen. Die Berater sind über eine telefonische Headline erreichbar und machen im Zweifel auch Besuche vor Ort. Eine Umsiedlung oder Zerstörung des Nestes war nur in zwanzig Prozent der Fälle notwendig. Nester unter Dächern, die oft als die problematischsten angesehen werden, erforderten keine wirklichen Maßnahmen, so Dieschbourg. Schon das Anbringen eines Fliegengitters an dem betreffenden Fenster könne den Konflikt mit  Wespennestern im Rollladenkasten lösen.

Der Kammerjäger darf ran

Schädlingsbekämpfungsunternehmen benötigen keine Genehmigung zur Bekämpfung von Wespennestern. Die Bereitstellung von Insektiziden auf dem Markt ist nach der EU-Verordnung 528/2012 genehmigungspflichtig. Die entsprechenden Genehmigungen enthalten die Zusammenfassung der Produktmerkmale (SPC), in der insbesondere die Bedingungen für die Verwendung im Einzelnen beschrieben sind. Das Produkt muss entsprechend etikettiert sein. Auf dem Etikett und gegebenenfalls in der Gebrauchsanweisung sind Anweisungen anzugeben, die für die sichere Verwendung notwendig sind, betont Dieschbourg.

Aber es lohnt sich immer, vorher die Wespenberater von natur&ëmwelt zu kontaktieren.