LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Geoffroy Bazin leitet seit acht Monaten die „BGL BNP Paribas“ - Wir haben das erste Interview mit ihm geführt

Der Mann ist groß, größer als die meisten um ihn herum. Er empfängt uns mit einem Lächeln. Sein Büro ist nicht das alte seines Amtsvorgängers Carlo Thill, sondern eines auf der Sonnenseite des Gebäudes, kleiner und heller. An der Wand hängen Fotos von teuren Segelyachten, die zu den modernsten der Welt gehören. Auch Banker dürfen träumen. Bazin bietet Kaffee an. Er ist konzentriert und diskret. Es ist sein erstes großes Interview in Luxemburg. Damit hat sich der neue Chef der „BGL BNP Paribas“ Zeit gelassen - denn er war erst mal im Land unterwegs, wie er erzählt.

Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante - Lëtzebuerger Journal
Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Herr Bazin, Sie haben am ersten Juli 2018 Ihre Funktion hier in Luxemburg übernommen. Wie fühlen Sie sich jetzt, acht Monate später?

Geoffroy Bazin Sehr gut! Ich bin stolz, für einen solch´ verantwortungsvollen Posten ausgewählt worden zu sein. Es ist eine große Ehre, auf Carlo Thill in diesem Amt zu folgen und eine der größten Banken hier in Luxemburg zu leiten. In den vergangenen Monaten habe ich viel Zeit damit verbracht, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen zu lernen. Dabei sind mir ein sehr persönlicher Empfang und viel Wohlwollen zuteil geworden. Ich habe alle 41 Filialen der „BGL BNP Paribas“ besucht und auch die 2.500 Mitarbeiter aller Abteilungen getroffen. Das hat mir ein besseres Verständnis der Kultur und der Kompetenzen ermöglicht.

Sind Sie aufgrund Ihrer Erfahrung in der Schweiz für diesen Posten ausgewählt worden?

Bazin Ja, teilweise. Aber über 30 Jahre Erfahrung in der gleichen Gruppe in ganz unterschiedlichen Funktionen spielen natürlich auch eine Rolle. Ich war auch schon zuvor sieben Jahre in Luxemburg, als ich die Wertpapier-Gesellschaft „BNP Paribas Securities Services“ geleitet habe. Darüber hinaus war die Schweiz eine gute Vorbereitung. Das war zwar ein etwas kleineres Geschäft, aber ähnlich wie hier ging es um Beweglichkeit, Innovationen und Erfahrungen im Bankenbereich. Daher weiß ich nur zu gut, wie Banken mit den neuen Regeln, digitalen Innovationen und im aktuellen konjunkturellen Umfeld funktionieren. Die Direktion kam für diesen Posten auf mich zu. Und ich habe nicht lang gezögert, wirklich nicht (lacht)! Alle Wege führen nach Luxemburg!

Sie haben von 2003 bis 2010 schon in Luxemburg gearbeitet. Welche Entwicklungen stellen Sie heute bei der „BGL BNP Paribas“ fest?

Bazin Ja, meine drei Mädchen waren hier in der Schule und sind zum „Lycée Vauban“ gegangen, als es noch im alten Gebäude war. Wir wussten nicht, dass wir so lange bleiben würden, aber es wurden dann doch sieben wundervolle Jahre. Jetzt haben die Kinder das Nest verlassen.

In Richtung Bank?

Bazin Nein, keine ist in den Finanzen. Eine ist Tierärztin, eine studiert Medizin, und eine hat sich für den Bereich „Marketing und Events“ entschieden. Aber zurück zu Ihrer Frage: Ich bin zu einem Zeitpunkt gegangen, als Europa und die Finanzplätze alle Ängste und Sorgen hatten. Die „BNP Paribas“ hatte in der Finanzkrise die Fortis gekauft, deren Wertpapiere ich eineinhalb Jahre lang in das Geschäft der „BNP Paribas“ eingegliedert habe. Ich war stolz auf meine Arbeit. Doch die Konjunktur war damals schwierig und niemand wusste, wie es für die Banken weitergehen würde. Jetzt, acht Jahre später, bin ich beeindruckt, wie Luxemburg seine Führung und Stellung als Bankenplatz und insbesondere im Fondsgeschäft ausgebaut hat und verteidigt. Es gibt weniger Arbeitslose und höheres Wachstum, alles entwickelt sich. Es reicht, sich den Immobilienmarkt anzusehen, um zu wissen, wie gut sich die Wirtschaft entwickelt. Ich bedaure übrigens, dass ich hier damals keine Immobilie gekauft habe. Die Kontinuität des Aufschwungs insgesamt ist beeindruckend.

Und wie beurteilen Sie den Finanzplatz?

Bazin Ich bin beeindruckt, nicht nur vom Platz, sondern auch von den Neuheiten wie FinTech, Start-ups und vielem mehr. Luxemburg ist ganz vorn dabei. Die „BGL BNP Paribas“ war übrigens mit ihrem „Lux Future Lab“ einer der Vorreiter bei den Start-ups. Da sind wir in unserer Rolle. Schließlich sehen wir es als unseren Auftrag an, alle unsere Kunden bei ihren Projekten zu begleiten.

Wie lange wollen Sie dieses Mal in Luxemburg bleiben?

Bazin Die Zeit, die es braucht (lacht)! Ich habe hier eine Plattform mit allem, was die Bank macht. Wir haben ein großes Potenzial und eine gute Zukunft vor uns. Die Entwicklung im Digitalen zwingt uns, zu investieren und zu modernisieren. Das Umfeld ist allerdings schwierig; Stichwort Reglementierung. Heute reden wir oft von Dauerhaftigkeit. Das ist mir wichtig. Ein Zitat, das ich sehr schätze, besagt: Einer, der seinen Weg schon kennt, kommt nicht weit. Mir gefällt das. Ich bin jedenfalls nicht nur kurzfristig hier.

Wie ist der Ruf des Finanzplatzes Luxemburg in Paris?

Bazin Innerhalb der Gruppe ist Luxemburg stark, denn es ist einer der vier Heimatmärkte von „BNP Paribas“, neben Frankreich, Italien und Belgien. Luxemburg ist wie ein Mini-„BNP Paribas“-Konzern - quasi alle Geschäftsbereiche unserer Gruppe sind hier vertreten, vom Retail- und Unternehmensgeschäft über Vermögensverwaltung, Versicherungen und Immobilien bis hin zu „Asset Management“ und „Securities Services“, um nur die zu nennen. Für ein kleines Land ist das ein großes Angebot. Wir beschäftigen über 3.900 Mitarbeiter und setzen mehr als 1,2 Milliarden Euro jährlich um. Das ist viel. Wir sehen die Zukunft positiv und haben die ABN Amro in Luxemburg zugekauft. Das beschreibt unsere Stellung innerhalb der Gruppe. Was den Finanzplatz angeht: Luxemburg gilt als kleines Land mit einem dynamischen Finanzplatz. Für Unternehmer ist das attraktiv, weil hier viel angeboten wird. Das macht auch das „Private Banking“ attraktiv. Eine der besten Entscheidungen, die Luxemburg getroffen hat, war es, den automatischen Informationsaustausch einzuführen. Jetzt ist es anderen Ländern juristisch gesehen gleich gesetzt und kann seine Vorteile ausspielen.

Wie wichtig war es für die Spitze der französischen „BNP Paribas“, dass ein Franzose die Bank leitet?

Bazin Ich glaube nicht, dass meine Staatsbürgerschaft die ausschlaggebende Rolle gespielt hat. Eher waren es die mehr als 30 Jahre Erfahrung in verschiedenen Positionen und verschiedenen Ländern. Ich habe zuvor in Frankreich, England, der Schweiz und Luxemburg gearbeitet. Daher habe ich auch Verständnis für die Herausforderungen auf lokaler und internationaler Ebene. Unsere Stärke als Bank ist es, den Kunden eine breite Palette an Dienstleistungen anbieten zu können, auch in anderen Ländern.

Warum würde ein Schweizer Privatbankkunde nach Luxemburg kommen?

Bazin Ein Kunde muss seine Risiken diversifizieren. Daher sollte so jemand Eigentum in mehreren Ländern haben. Wir sind als Gruppe in der Schweiz und in Luxemburg präsent und können daher beides anbieten, ganz nach dem Profil des Kunden. Die Bank selbst hat es immer geschafft, Situationen richtig einzuschätzen. Das zeigt ihre Geschichte. So etwas ist den Kunden wichtig. Darüber hinaus haben wir viel Expertise in Sachen Strukturierung und Beratung, da ist das Angebot wirklich breit. Wir haben sehr gut ausgebildete Mitarbeiter, das wird geschätzt. Und schließlich sind wir nicht nur lokal solide aufgestellt, sondern können den Kunden auch in über 70 Länder begleiten. So finden große Privatkunden in allen EU-Ländern Lösungen.

Ihr Amtsvorgänger Carlo Thill war auch beim Bankenverband ABBL sowie in der Handelskammer aktiv. Wollen Sie in seine Fußstapfen treten?

Bazin Ja, ich bin Mitglied in der Handelskammer und bin auch im Verwaltungsrat des Bankenverbands.

Welche Mandate haben Sie?

Bazin Ich bin Präsident des Verwaltungsrats von „BNP Paribas Leasing Solutions“, die ihren Sitz hier in Luxemburg hat und in fast 20 Ländern aktiv ist. Darüber hinaus bin ich Verwaltungsratsvorsitzender von „Cardif Lux Vie“, unseres Versicherungsunternehmens. Und ich bin Mitglied im Verwaltungsrat von „BGL BNP Paribas“ und von „BNP Paribas Asset Management“. Persönlich engagiere ich mich für Straßenkinder in Kambodscha und bin in der Organisation „Pour un Sourire d’Enfant“ aktiv, bei der ich auch im Verwaltungsrat der Vereine in Luxemburg und Frankreich sitze. Einmal im Jahr versuche ich, nach Kambodscha zu fliegen und dort die Projekte persönlich zu besuchen.

Was schätzen Sie an Ihrer Laufbahn als Banker?

Bazin Ich hatte die Chance, in vielen verschiedenen Aufgabenbereichen tätig zu sein und hatte immer mit interessanten Herausforderungen zu tun. Ich habe mich nie gelangweilt, es gab immer etwas anderes zu tun.

Meine Arbeit hat sich aufgeteilt auf ein Drittel Zukunftsplanung, ein Drittel Umgestaltung/Modernisierung und ein Drittel operationelles Geschäft und Risikomanagement. Dabei waren mir der Kundenkontakt und die Qualität der Kundenbeziehung immer sehr wichtig.

Vor welchen Herausforderungen steht die Bank jetzt?

Bazin Das konjunkturelle Umfeld mit den anhaltend niedrigen Zinsen stellt die Banken vor große Herausforderungen. Gleichzeitig müssen wir im digitalen und regulatorischen Bereich investieren. Die Digitalisierung ist auch für unsere Arbeitnehmer eine Herausforderung. Deswegen haben wir einen digitalen Campus eingerichtet und im Oktober 2018 erstmals einen „I-Day“ veranstaltet mit Konferenzen und Rednern aus den Bereichen Blockchain und Fintech. Wir müssen die Leute wach halten mit Blick auf zukünftige Veränderungen, darum investieren wir sehr viel in Fortbildungsangebote.

Was für ein Chef sind Sie?

Bazin Das klingt wie eine Frage für ein Einstellungsgespräch (lächelt). Ich bin ein Manager, der sich des psychologischen Elements sehr bewusst ist und würde mich weder als reinen Teamworker noch als ausschließlich direktiv bezeichnen. Das hängt von der Situation und den Leuten ab. Wenn die Leute Verantwortung übernehmen, dann lasse ich sie. Wenn ich eher direktiv sein muss, dann werde ich sie begleiten und anweisen. Daneben spielt Kundenorientierung für mich eine wichtige Rolle. Man muss sich immer danach richten, was der Kunde will. Schlussendlich glaube ich auch an Leadership, an Haltung. Da gilt es einiges zu beachten. Ein Leader muss klar sein in dem, was er will. Aber er muss das auch umsetzen und begleiten. Am Ende muss er ein Gleichgewicht finden zwischen Vision und Umsetzung. Nur das bringt heute Zufriedenheit und Erfolg. Ich möchte die Bank von morgen mitgestalten und den Kunden Ergebnisse liefern. Dabei geht es auch um Nachhaltigkeit. Deshalb müssen unsere Handlungen langfristig sinnvoll sein. Wir müssen konkrete Aktionen vorweisen können. Ich selbst muss vor Ort sein, um mit den Kunden im Kontakt zu sein und Resultate vorweisen zu können. Übrigens lerne ich auch Luxemburgisch, das ist für Kunden und Mitarbeiter wichtig.

Und wenn Sie mal ausspannen?

Bazin Dann segele ich gern, beispielsweise in Südfrankreich!

Zur Person

Geoffroy Bazin

Der 55-Jährige leitet seit dem 1. Juli 2018 die „BGL BNP Paribas“ und folgte damit Carlo Thill nach, der 40 Jahre lang für die Bank tätig war. Der Franzose fing 1988 bei „BNP Paribas“ an. Bazin hielt verschiedene Positionen in den Bereichen Generalinspektion, Märkte und Derivate. Von 2003 bis 2010 war er Generaldirektor von „BNP Paribas Securities Services“ in Luxemburg. 2011 wurde er „Chief Operating Officer“ des Bereichs „Investment Solutions“. Von 2014 bis 2018 war der Banker in der Schweiz als CEO der „BNP Paribas (Suisse) S.A.“ verantwortlich. Bazin ist verheiratet und hat drei erwachsene Töchter.