LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Telefon-, Mail- und „Whatsapp“-Terror landen vor Gericht

Beziehungen enden nicht immer friedlich. So auch bei einer 41-jährigen Frau, die ihren Ex-Freund, einen Polizisten aus Mondorf, zwischen Oktober 2015 und Juni 2016 massiv mit SMS, „Whatsapp“ und Mails belästigte. Allein vom 28. November bis zum 4. Dezember 2015 soll es sich um 206 Nachrichten auf „Whatsapp“ handeln. Im September 2015 hatte er die Frau angezeigt. In seiner Nebenklage beantragt der Polizist eine materielle Entschädigung von 21.850 Euro. Die 41-jährige Rosa Maria M. musste sich am gestrigen Donnerstag wegen Nachstellung vor dem Strafgericht verantworten. Krankheitshalber war die Beschuldigte nicht anwesend. Sie wurde von ihrer Verteidigerin vertreten.

Rosa M. ist angeklagt, dem Polizisten und dessen Freundin unbefugt nachgestellt zu haben, indem sie beharrlich unter Verwendung von Telekommunikationsmitteln Kontakt aufzunehmen versuchte und dadurch die Lebensgestaltung der Opfer schwerwiegend beeinträchtigte. Beide fühlten sich in ihrem Alltag vom SMS-Terror bedroht.

Schwerwiegende Beeinträchtigung für den Lebensalltag

Der Mann hatte sie 2007/2008 kennen gelernt. Die Beziehung hätte ungefähr acht Jahre gedauert. Als sich der Ex-Freund 2014 von ihr trennte, wollte sie die Trennung nicht akzeptieren und bombardierte ihn mit Mails, „Whatsapp“ und SMS. Auch dessen neue Freundin fühlte sich ständig bedroht und konnte aus Angst das Haus nicht mehr alleine verlassen. Die Frau sagte vor Gericht aus, dass ihre Lebensgestaltung „schwerwiegend beeinträchtigt“ sei. Sie hätte innere Unruhe erlebt, Ängste entwickelt, Schlafstörungen und Depressionen. Sie hätte der Beschuldigten im September 2015 gesagt, sie solle sich aus ihrem Leben heraus halten. Die Sache hätte sich aber verschlimmert. Die Beschuldigte ignorierte alle Hinweise und belästigte den Mann und seine Freundin weiter.

Auch der Familie und Freunden der Frau soll die Beschuldigte mit Nachrichten über Facebook nachgestellt haben. Außerdem soll die Beschuldigte gegenüber der neuen Freundin pikante Details aus ihrer Beziehung mit dem Ex-Freund (zwischen 2013 und 2015) enthüllt haben. Dazu habe die gestalkte Freundin einen Briefumschlag mit Fotokopien mit all den Dialogen in den sozialen Medien in ihrem Briefkasten gefunden.

Schlimm sei, dass die Frau über seine und die Familie seiner Freundin ermittelt hätte. Da wäre Privates publik geworden, was sehr deprimierend war, sagte der Polizist. Durch die Situation habe sich seine neue Freundin im März 2016 kurz von ihm getrennt. Aus Respekt vor ihren beiden Kindern habe er sich dann von ihr fern gehalten. Mit einem ihrer Söhne hätte sie seit der Affäre gar keinen Kontakt mehr, beteuert die Frau vor Gericht.

Die Geschädigte fordert in einer Nebenklage eine materielle Entschädigung von 5.500 Euro. Für ihren moralischen Schaden beantragt sie 20.000 Euro.

Erst nach ihrer polizeilichen Vernehmung stellte die Stalkerin jeden Versuch zur Kontaktaufnahme ein. In einem Gutachten erläuterte der Psychiater Dr. Marc Gleis eindeutig, was mit der Frau passierte. Nach Einschätzung des Experten leidet die Frau unter einer psychosomatischen Krankheit („troubles de symptomes indifférenciés“). Für den Experten ist der Fall der Frau nicht ungewöhnlich: Sie kann nicht loslassen.

Die Staatsanwaltschaft hatte keinen Zweifel daran, dass die Frau den Tatbestand der Nachstellung erfüllt hat, indem sie ihren ehemaligen Lebensgefährten und seine neue Freundin monatelang und in massiver Weise mit Mails und SMS belästigt hatte. Die Moral würde die Staatsanwaltschaft nicht interessieren, sagte der Strafverfolger Laurent Seck.

Das Vergehen sei, dass beide Opfer sich in ihrem Alltag vom SMS-Terror bedroht fühlten. Der Anklagevertreter beantragte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Der Strafverfolger ist aber auch mit einer Aussetzung des Urteils oder mit Sozialstunden einverstanden.

Das Urteil fällt am 26. April 2018.