PASCAL STEINWACHS

Dass Luxemburg keine Insel ist, das hatte Gesundheitsministerin Paulette Lenert bereits Ende Februar bei ihrer ersten Pressekonferenz zum Coronavirus gesagt, die zu einem Zeitpunkt stattfand, als es noch keinen Fall in Luxemburg gab, aber wie die Ministerin schon damals mit Blick auf Italien betonte, stehe das Virus vor der Tür. Drei Tage später hatte das Großherzogtum dann auch seinen ersten Coronafall, wobei es sich um eine Person handelte, die aus Norditalien nach Luxemburg zurückgekehrt war.

Inzwischen hat sich die Situation dramatisch verändert, meldete das Gesundheitsministerium doch allein gestern 19 neue Infektionen, so dass die Zahl der infizierten Personen in Luxemburg (Stand: Donnerstagabend) auf 26 angestiegen ist, derweil 93 Personen in Quarantäne sind. Was besonders beunruhigend ist nicht nur, dass die Zahl der infizierten Personen binnen eines Tages um fast das Vierfache angestiegen ist, sondern dass bei zwei Fällen erstmals eine lokale Übertragung festgestellt wurde, diese sich also in Luxemburg angesteckt haben, nachdem bereits der sechste und der siebte Coronafall Personen betraf, die nicht aus einem Risikogebiet, sondern aus den Vereinigten Staaten und der Schweiz kamen.

Nachdem die Minister bereits am Mittwoch zu einem Regierungsrat zusammenkamen, der ganz im Zeichen des Coronavirus stand und bei dem verschärfte Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus beschlossen wurden, fand gestern Abend ein weiterer außerordentlicher Regierungsrat statt, in dem die Maßnahmen noch einmal verschärft wurden, und zwar drastisch. So werden ab nächstem Montag sämtliche Schulen für zwei Wochen geschlossen, werden alle Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 100 Besuchern sowie Outdoor-Veranstaltungen mit mehr als 500 Gästen verboten, wie auch die Besuche von Familienmitgliedern in Alters- und Pflegeheimen sowie die Visiten von Angehörigen im Krankenhaus, um nur die wichtigsten Maßnahmen zu nennen. Auch sollen nur noch die Menschen getestet werden, die Gesundheitskomplikationen haben. Die Grenzen werden indes nicht geschlossen, wie Premier Bettel gestern Abend unterstrich, nicht zuletzt weil 70 Prozent aller Angestellten, die im Spitalsektor arbeiten, Grenzgänger seien. Wenn also die Grenzen geschlossen würden, dann könne man die Kliniken auch gleich mit schließen. Am nächsten Dienstag, wenn die öffentlichen Parlamentssitzungen nicht doch noch abgesagt werden, werden der Premierminister und die Gesundheitsminister zudem noch eine Erklärung zum Coronavirus in der „Chamber“ abgeben. Glaubt man der Ministerin, dann ist allerdings davon auszugehen, dass sich bis zu 70 Prozent der Menschen mit dem Coronavirus infizieren werden. Der Leiter der Virologie der Berliner Charité sprach dann auch im Zusammenhang mit der weltweiten Ausbreitung des Virus von einer Naturkatastrophe, die in Zeitlupe stattfinde, wobei aber gewusst sei, dass wir das Virus nicht mehr aufhalten könnten, sondern nur verzögern...