ESCH/BELVAL
JEFF KARIER

Die luxemburgische Hip-Hop-Gruppe „De Läb“ feiert zehnjähriges Bestehen - Gefeiert wird in der Rockhal mit „Orchästra“

Mit Titeln wie „De Läbdance“, „Heeschnapp“ oder „Dat Schwuarzt Gold“ begeistern „De Läb“ bereits seit zehn Jahren die Musikliebhaber Luxemburgs und sind aus der nationalen Hip-Hop-Szene nicht mehr wegzudenken. Wobei man fast schon sagen kann, dass sie die Szene mit aufgebaut haben. Denn zu Beginn der 2000er Jahre gab es in Luxemburg praktisch keine echte Hip-Hop-Szene.

Vom Keller auf die Bühnen des Landes

Angefangen Musik zu machen haben Gilles Corbi und David „Fluit“ Galassi 2003. „Damals noch im Keller meiner Mutter“, erklärt Galassi. Dieser war lange Zeit ihr musikalisches Labor, woher auch der Namen „De Läb“ stammt. 2007 gaben sie gemeinsam mit ihrem damaligen DJ und Beatmaker Spenko auf dem Festival „Dudelange on Wheels“ ihr erstes Konzert. Von da an verselbstständigte sich das Ganze. Radios spielten ihre Musik, sie gaben Interviews und spielten in den mittlerweile zehn Jahren rund 200 Konzerte. Darunter Auftritte bei Festivals wie „Food for your Senses“, „Mess for Masses“ und „Rock a Field“. Auch auf dem Showcase Festival „Eurosonic“ in Groningen, Niederlande, traten „De Läb“ auf.

Seit ihren Anfängen hat sich für die Gruppe, die im Kern aus Corbi und Galassi besteht, einiges geändert. Der Mann an den Turntables hat mehrmals gewechselt, als Bassist stieß René Macri vor einigen Jahren hinzu und am Schlagzeug sitzt mittlerweile Benoit Martiny. Aktuell sind „déi fäin Drecksäck aus dem Minett“ zu siebt.

Vorbild einer neuen Generation

Wenn man ein Konzert der Gruppe besucht, merkt man, mit welcher Energie und Freude sie auf der Bühne stehen. Das Spiel mit dem Publikum beherrschen sie und untereinander passt die Chemie. Ihnen hoch anzurechnen ist auch, dass sie ihre Texte auf Luxemburgisch verfassen und mit ihrer Musik eine neue Generation an Rappern inspiriert haben. Und mit dem Label „De Läbbel“ unterstützen sie auch diese. Wer in „De Läb“ aber reine Spaß-Hip-Hopper sieht, der täuscht sich. Denn mit Tracks wie „Den Dag Vun Der Oppener Dier“ oder „De Schmu“ zeigen die Jungs auch ihre sozialkritische Seite. Und das mit durchaus spitzer Feder.

Auf den Geschmack gekommen

Mit einem besonderen Auftritt in der Rockhal wollen „De Läb“ nun ihr zehnjähriges Bestehen feiern, und zwar mit einem Orchester. Die Idee dazu sei ihnen bereits vor einigen Jahren gekommen. „Im Rahmen der ‚Fête de la Musique‘ 2011 hatten wir die Gelegenheit, mit dem OPL und Gast Waltzing zwei Lieder von uns auf dem ‚Knuedler‘ zu spielen.“ Diese Erfahrung hatte den beiden MCs so gut gefallen, dass sie einmal ein ganzes Konzert mit einem Orchester spielen wollten. „Vor fünf Jahren haben wir uns dann entschlossen, so etwas für unser zehnjähriges Jubiläum zu machen. Und jetzt ist es soweit.“

Als „De Läb Orchästra“ treten Corbi, Galassi und Co. heute Abend in der Rockhal auf. „Das Orchester besteht zum Großteil aus Leuten, mit denen wir bereits zusammengearbeitet haben oder zusammen arbeiten wollten, Leute die wir kennen und mögen“, erklärt Galassi. Insgesamt 19 Musiker und Sänger werden heute in der Rockhal auf der Bühne stehen. Hinzu kommen noch einige Gäste, über die Galassi im Vorfeld noch nichts verraten wollte. „Es soll schließlich eine Überraschung sein.“

Einen Vorgeschmack auf diesen besonderen Abend bekamen bereits die Besucher des „Food for your Senses“-Festivals im letzten Jahr. Damals traten „De Läb“ mit einem etwas kleineren Orchester auf. So fehlten etwa noch die Streicher. „Dabei haben wir einen ersten konkreten Eindruck erhalten, wie so ein Konzert ist und gelernt, was in der Formation gut klappt und woran wir noch arbeiten mussten.“

Schwierige Wahl

Ein solches Konzert mit so vielen Musikern vorzubereiten, „das ist schon etwas tricky“. Alleine schon die Proben. „Glücklicherweise haben wir seit Dienstag Residenz in der Rockhal und konnten so alles entsprechend vorbereiten“, erklärt Galassi, der für die Unterstützung des Rocklab und allen anderen Partner des Projekts dankbar ist.

Das Set des heutigen Abends sei eine Art Best-of. „Das Arrangement der Songs hat Georges Sadeler übernommen, der im Orchester Saxofon spielt und jetzt
auch Teil von ‚De Läb‘ ist.“ Wie Galassi betont, „kommt nichts aus der Dose. Unser DJ macht höchstens einige Scratches, der Rest ist live.“ Ausnahme seien lediglich Sprach-Samples.

Da „De Läb“ über die Jahre drei Studioalben und zwei EPs, veröffentlicht haben, war es laut Galassi auch nicht so einfach gewesen, eine Auswahl der Songs zu treffen. „Wir haben zum Beispiel zwei Lieder, die wir noch beim Auftritt auf dem ‚Food for your Senses‘ gespielt haben, wieder rausgeworfen. Die haben einfach nicht so gut funktioniert. Dafür haben wir aber wieder zwei, drei neue ins Programm aufgenommen.“ Das Publikum könne sich aber nicht nur auf Songs der drei Platten freuen. „Vielleicht gibt es sogar den ein oder anderen Track unserer frühen EPs oder gar ganz neue Titel“, meint Galassi.

„De Läb Orchästra“ tritt heute Abend in der Rockhal auf. Als Support werden unter anderem „Maka MC.“, „BC One“, „Edel Weis“, „Don Gio“, „Hotrox & Funkstar“ und „Headmasta“ zu sehen sein. Der Eintritt kostet 20 Euro an der Abendkasse. Darin enthalten ist eine EP, die extra für das Konzert und das zehnjährige Jubiläum aufgenommen wurde. Weitere Auftritte des „De Läb Orchästra“ sind bislang noch nicht geplant. Man sollte sich also diese womöglich einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen.