LUXEMBURG
PAUL HAMMELMANN

„Die Straße ist keine Rennstrecke“ – ein klares Signal, das da auf der Kampagne für mehr Verkehrssicherheit prangt. Die Botschaft ist simpel: Die Regeln sind für alle gleich, und ein  Unfall ist schnell passiert. Die vom  Nachhaltigkeits- und Infrastrukturministerium Anfang April vorgestellte  neue Sensibilisierungskampagne in Zusammenarbeit mit der „Sécurité Routière“ ist nur ein Teil der neuen Verkehrssicherheitsstrategie bis 2023. Das Ziel: Null Verkehrsopfer. Dies, nachdem 2018 36 Menschen ihr Leben auf Luxemburgs Straßen lassen mussten. Unter den Opfern sind auch neun Motorradfahrer – diese stehen deshalb aber nicht mehr und nicht weniger im Fokus als andere Verkehrsteilnehmer, wie  „Sécurité Routiére“-Präsident Paul Hammelmann betont.

„Ich denke es ist unangebracht, angesichts der neuen Kampagne zu behaupten, die ,Sécurité Routière‘ oder die Verantwortlichen des Ministeriums hätten mit der neuen Kampagne eine bestimmte Gruppe an Verkehrsteilnehmern wie die Motorradfahrer besonders im Visier. Auch will die Kampagne keinesfalls eine bestimmte Gruppe besonders in Verantwortung ziehen oder benachteiligen – im Gegenteil, wir sorgen uns sogar eher um bestimmte Gruppen.

Es ist nun einmal trauriger Fakt, dass gerade Motorradfahrer in den Statistiken zu Toten und Schwerverletzten überdurchschnittlich oft auftauchen. Besonders im Sommer, aber auch zu Beginn und zum Ende der Saison, wenn das Wetter nicht so prächtig ist, steigt das Unfallrisiko. Dabei ist durchaus gewusst, dass unter den Opfern auch sehr viele Fahrer aus dem Ausland dabei sind, sodass es selbstverständlich töricht wäre, alle Motorradfahrer des Großherzogtums über einen Kamm zu scheren oder ihnen Verantwortungslosigkeit vorzuwerfen. Umso wichtiger jedoch, dass wir solche Sensibilisierungskampagnen schalten, die eben alle Fahrer auf Luxemburgs Straßen erreichen, und nicht nur die Bürger des Großherzogtums.

Dieses Phänomen des ,Geschwindigkeitsrausches‘, des ,Kicks‘ beim schnellen Fahren, steckt potenziell in allen Verkehrsteilnehmern. Es ist also keinesfalls ein isoliertes Problem für Motorradfahrer. Nur: Sie sind viel stärker gefährdet. Zudem wird der ,Kick‘ auch zu oft von den Motorradherstellern explizit beworben – und damit bei Motorrad mitgekauft. Und wenn zu den schönen Sommermonaten explizit mit den ,guten‘ Strecken geworben wird, auf denen es sich besonders gut fahren lässt, dann ist das ebenfalls nicht sonderlich hilfreich. Motorradfahrer sind auf keinen Fall allesamt verantwortungslose Raser. Aber schwarze Schafe finden sich in ihren Reihen trotzdem. Und genau die hoffen wir, mit der Kampagne anzusprechen.

Wogegen wir uns auf jeden Fall verwehren, ist hier mit zweierlei Maß zu messen; dieselben Regeln müssen für alle Verkehrsteilnehmer gelten – das heißt, dass Tempolimits für alle dieselben sind, und das heißt auch, dass es keine Sonderregelungen, zum Beispiel beim Verhalten im Stau, geben darf. Nicht für Fahrrad-, nicht für Auto- und natürlich auch nicht für Motorradfahrer. Die integrale Einhaltung des ,Code de la Route‘ muss für alle gelten.“