LUXEMBURG
MARCO MENG

In China zu sein bedeutet in vielerlei Hinsicht, sich global zu positionieren

Die Industrieproduktion der chinesischen Volkswirtschaft legte im Januar und Februar nur um 6,8 Prozent im Vorjahresvergleich zu, nachdem sie im Dezember noch um 7,9 Prozent gewachsen war, wie das Statistikamt am Mittwoch in Peking mitgeteilt hatte. Es ist der langsamste Start ins Jahr seit Ausbruch der globalen Finanzkrise 2008. Die Einzelhandelsumsätze stiegen nur um 10,7 Prozent - nach 11,9 Prozent im Dezember. Angesichts solcher Meldungen eines schwächer werdenden Wachstums in China verweist Nicolas Mackel, Geschäftsführer der Promotionsagentur Luxembourg for Finance, darauf, dass China mit einem Wirtschaftswachstum von sieben Prozent zwar deutlich weniger als in den Vorjahren mit den zweistelligen Raten wächst. „In realwirtschaftlichen Zahlen bedeutet das aber“, erklärt Mackel, „dass China in einem Jahr um die Gesamtwirtschaft der Schweiz zulegt - oder zweimal die Gesamtwirtschaft Malaysias.“ Gegenwärtig sei China in der Phase angekommen, wo sich die Wirtschaft normalisiere, und so zeigten sich auch Herausforderungen wie der Immobilienmarkt, das Älterwerden der Bevölkerung und so weiter.

Am Mittwochabend hatte die Chinesisch-Luxemburgischen Handelskammer ein Seminar zum Thema „Doing Business in China“ veranstaltet, wobei effektive Geschäftsbeziehungen und kulturelle Besonderheiten im Mittelpunkt standen.

Internationaler Wirtschaftsknotenpunkt

Die Nützlichkeit solcher Veranstaltungen liegt für Mackel auf der Hand, helfen sie doch, Länder und Märkte besser zu verstehen. „China ist ein komplexes Land“, erklärt Mackel, „und wir Westler müssen manchmal auch umdenken, um zu verstehen, dass Geschäfte und Traditionen anders sind.“ China sei dabei in mehreren Hinsichten ein wichtiger Markt, nicht zuletzt deswegen, weil die ganze Welt an eben diesem Markt interessiert sei. Weil Luxemburg als Finanzplatz in Europa eine Führungsrolle innehat, hilft es laut Mackel, sich global zu positionieren. „Da geht es ja nicht nur um die Beziehung zwischen Luxemburg und China, wenn wir von Renminbi reden.“ Wenn Unternehmen an der luxemburgischen Börse Anleihen in Renminbi listen, seien das ja zumeist nicht chinesische, sondern große internationale Firmen wie BMW, Air Liquide oder Samsung - „unsere traditionellen Kunden, die sich auf dem chinesischen Markt bewegen“. Genauso verhalte es sich bei Investmentfonds, die in Luxemburg in Renminbi aufgelegt werden. Man sei stolz, auch einige chinesische Akteure ins Land gezogen zu haben, zumeist würden diese Renminbi-Fonds indes von den traditionellen Instituten aufgelegt, und gekauft würden sie von großen internationalen Investoren. „Unsere traditionellen Kunden“, erklärt Mackel. Die luxemburgische Expertise auf diesem Gebiet trägt also Früchte. Nicht zuletzt auch kurbeln chinesische Investoren die europäische Wirtschaft an, indem Chinesen in Europa investieren.

Mackel war von 2011 bis 2013 Generalkonsul und Direktor des Luxembourg Trade and Investment Office in Shanghai. Er spricht davon, dass das eine sehr faszinierende und lehrreiche Zeit gewesen sei.

„Das Leben in China beeindruckt“, sagt er. Eine Reise dorthin lohne immer.