CLAUDE KARGER

10.000.000.000.000.000 Rechenoperationen pro Sekunde. Die kaum vorstellbare Leistung des Supercomputers, den Luxemburg im kommenden Jahr im Rahmen der EuroHPC-Initiative erhalten wird. Es handelt sich dabei um ein Milliarden teures Netzwerk aus Hochleistungsrechnern, von denen jeder einzelne bereits in der Lage ist, hochkomplexe Aufgaben zu bewältigen - im Zusammenschluss wird es noch weit schneller gehen. So können zahlreiche Prozesse simuliert werden - von der Wirkung von Arzneien über Materialeigenschaften bis hin zum Wetter -, es können aber auch in Echtzeit Unmassen von Daten gemanagt werden, wie es etwa bei autonomen Fahrzeugen verlangt wird. Die EU macht es möglich, dass sie sich mit der EuroHPC-Initiative der Weltspitze der Rechenleistung nähert.

Hier wird ordentlich in Anlagen investiert, die nicht nur der Forschung vorbehalten sind, sondern auch der Privatwirtschaft zur Verfügung stehen. Unternehmen sollen schnell und billig auf die gigantische Rechenleistung zurück greifen können. Dass Luxemburg nach einem Ausschreibungsverfahren als Standort für einen Superrechner zurück behalten wurde, verwundert eigentlich nicht. Seit mehr als 15 Jahren investiert das Land konsequent in seine Telekom- und IT-Infrastrukturen. Das Großherzogtum ist topp, was die Konnektivität anbelangt, wie der diese Woche veröffentlichte „Digital Economy and Society Index“ (DESI) 2019 bezeugt. Das Land ist längst eine Referenz für Hochsicherheitsdatenzentren. „Digital Lëtzebuerg“, die föderative Initiative der Regierung zur Vorbereitung der nächsten Etappen der alle Bereiche umkrempelnden Digitalisierung hat die Wege vorgezeichnet in Richtung 5G oder Künstliche Intelligenz, um nur einige der „heißen“ Dossiers zu nennen, die dabei sind, die die Zukunft bestimmen werden. Dass sich die alt/neue Koalition im Dezember 2018 entschloss, erstmals ein Digitalisierungsministerium zu schaffen mit dem Premier als zuständigem Regierungsmitglied und Marc Hansen als beigeordnetem Minister, war ein Zeichen, dass die Regierung noch einen Gang höher schalten will. In manchen Bereichen gibt es nämlich noch ordentlich Luft nach oben, wie dem DESI-Index zu entnehmen ist, bei dem Luxemburg insgesamt auf Platz 6 unter den 28 EU-Mitgliedstaaten landet.

Unter EU-Durchschnitt liegt Luxemburg vor allem bei den öffentlichen digitalen Dienstleistungen für Bürger und Unternehmen. Kein Zufall, dass der Minister für die öffentliche Funktion auch beigeordneter Digitalminister ist. Doch die beste Strategie bleibt unerfüllt, wenn man nicht über ausreichend Kompetenzen verfügt, um sie umzusetzen. Nach IT-Spezialisten sucht nicht nur Luxemburg händeringend. Die Konkurrenz ist international und zu wenige Schüler schlagen den Weg in die IT-Richtung ein. Äußerst gefragt sind auch Fachleute in Digitalberatung und Transitionsmanagement. Wie bekommt man einen Handwerksbetrieb in die digitale Sphäre? Vor allem, wie schult man Menschen um, die den Großteil ihres Arbeitslebens nichts mit IT am Hut haben? Mit der Technologieentwicklung Schritt zu halten ist ein Feld. Die Antworten auf die oben gestellten Fragen ein weit komplexeres, für das auch viele „Soft Skills“ benötigt werden, Die können Maschinen bislang nicht liefern. Und das wird wahrscheinlich auch so bleiben.