Man mag schon gar nicht mehr spotten, zu latent und zu verrückt ist die Entwicklung. Luxemburgs Immobilienmarkt kennt seit Jahren nur einen Weg - nach oben. Jeder Versuch gegenzusteuern ist bisher gescheitert. Das zeigt eine aktuelle Statec-Veröffentlichung. Auch wenn die CSV-Opposition reflexartig wie der Hahn auf dem Mist krähen wird, der erst seit etwas mehr als einem Jahr amtierenden Wohnungsbauministerin Maggy Nagel (DP) ist kein Vorwurf zu machen. Der Supertanker Wohnungsmarkt dampft seit mindestens zwanzig Jahren in die falsche Richtung. Der Versuch ihn zu bremsen und auf neuen Kurs zu bringen, wird erst nach Jahren sichtbar werden - wenn überhaupt.
Die gestern veröffentlichte Statistik über die Preise im Immobilienbestand zeigt, dass der Wahnsinn immer noch kein Ende hat. Die Preise für bestehende Einfamilienhäuser sind im Vergleich zum Vorjahr um rund sieben Prozent geklettert, auf durchschnittlich 574.287 Euro für ein Haus. Hierzulande hat man sich ja an die verrückten Preise gewöhnt, aber die Realität sieht anders aus. In der Eifel oder im Saarland gibt es für eine halbe Million Euro eine stattliche Villa mit Pool, in Wallonien und in Lothringen ein kleines Schloss. Ausnahmen bilden nur das kleine Perl und das große Trier, deren lokale Immobilienmärkte direkt von Luxemburg abhängen. Soll heißen, aus Luxemburger Sicht ist das Wohnen dort noch preiswert und erstrebenswert, obwohl die Preise deutlich über dem deutschen Durchschnitt liegen.
Selbst wer sich im Großherzogtum in die sprichwörtliche Middle-of-nowhere, also in die sehr ländliche Region der Ardennen flüchtet, muss mehr als 409.948 Euro für ein „gebrauchtes“ Haus auf den Tisch legen und lange Bahn- oder Autofahrten in Kauf nehmen. Damit kommt der Hauskäufer im Norden aber um 46 Prozent billiger weg, als sein Kollege in Luxemburg-Stadt und Umgebung, der im Durchschnitt 762.423 Euro für ein Haus bezahlt. Wenn eine Dreiviertel Million der Durchschnitt ist, dürften die statistischen Ausreißer nach oben schwindelerregende Höhen erreichen. Noch verrückter ist, dass diese Preise gezahlt werden.
Offenbar gibt es kein Rezept gegen anhaltendes Preisfieber. Gebaut wird auf Teufel komm raus. Dank des, mit Verlaub, bescheuerten Wohnungsbaupaktes sogar munter bis ins letzte Dorf. Ohne Einfluss auf die Preise.
Die Frage angesichts der ungebremsten Kosten muss lauten: Bauen wir richtig?
Die Idee der Regierung, auf dem Wege des Bereichsplan „Wohnen“ das Wachstum und dessen Förderung auf einige Ortschaften zu konzentrieren, war und ist im Grundgedanken richtig, ist aber schwer vermittelbar. Konzentriertes und verdichtetes, also urbanes Bauen ist hierzulande immer noch unpopulär. Der Ruf nach der Eigenheimidylle überwiegt, auch wenn sie ganz weit draußen liegt. Ließe man dem Immobilienmarkt freien Lauf, wäre bald das letzte Bauernhaus abgerissen und die letzte Weide bebaut. Pflegeleicht und modern, aber bitte mit Aussicht in die Natur.
Da gleicht der Luxemburger dem Berliner, über dessen Wohnungswünsche Kurt Tucholsky schon in den 1920ern schrieb: Vorne der Ku-Damm und hinten die Ostsee!


