LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Bildungsministerium und „BEE SECURE“ starten Kampagne „Bildschirme in der Familie“

Denn sie wissen nicht was sie tun“, heißt ein berühmter Film mit James Dean über rebellische Jugend. Es könnte sich dabei aber auch um eine Geschichte über ratlose Eltern handeln, die entweder nicht wissen, wie sie ihre Kinder an die digitale Welt heranführen sollen oder, schlimmer noch, nicht wissen, was ihre Kinder in der digitalen Welt so treiben.

Das Bildungsministerium und „BEE SECURE“ sind sich dieses Problems bewusst und haben gemeinsam nicht nur einen Elternratgeber mit dem Titel „Bildschirme in der Familie - Einstellen, Aufklären, Begleiten“ in Deutsch und Französisch herausgegeben, sondern machen auch mit einer großen Plakatkampagne im Öffentlichen Raum und in anderen Medien auf das Problem aufmerksam. Gestern Morgen stellten Bildungsminister Claude Meisch (DP) und Jeff Kaufmann von BEE SECURE die Sensibilisierungskampagne im Forum „Geesseknäppchen“ der Presse vor.

Laut Minister Meisch wenden sich viele Eltern mit der Bitte um Rat an ihn, wieviel „Bildschirmzeit“, als Sammelbegriff für alle digitalen Beschäftigungen, sie ihren Kindern an Tablet, Smartphone oder Computer einräumen sollen. Es scheint sich also um ein allgemeines Problem zu handeln. Nicht zu unterschätzen ist auch eine gewisse Suchtgefahr. Durch „psychologische Tricks der Gaming-Industrie“ würde die Hemmschwelle immer weiter sinken und am Ende steht die im negativsten Fall die Abhängigkeit, meinte der Minister. Dennoch, Kinder sollten die Welt kennen, die analoge und durchaus auch die digitale Welt. Die Digitalisierung sei nicht grundsätzlich schlecht oder isolierend, auch dort könne man in Gruppen interagieren.

Wer seine Kinder von den Bildschirmen weglocken wolle, sollte nicht mit Verboten agieren, sondern Alternativen, vor allem gemeinsame, anbieten. Schlicht formuliert, selbst etwas tun und Vorbild sein. Auch bei Bildschirmzeiten könne man das Suchtpotenzial - wie bei allen Süchten - durch eine konsequente Stärkung der Kinder verringern. Eltern die selbst immer am Smartphone hängen, liefern ein falsches Beispiel. Ganz wichtig ist für Meisch eines: „Ein Tablet ist kein Babysitter“.

Eltern sollten, wie in allen anderen Lebensbereichen Regeln aufstellen und Grenzen ziehen. Mit der Ratgeberbroschüre wolle man den Eltern eine Anleitung an die Hand geben. Ein Zehnjähriger der sich nachts auf der Straße herumtreibt, sei für alle Eltern inakzeptabel, aber was ist mit den Ausflügen ins Digitale? Da sind viele ratlos.

Vier Alterskategorien

Jeff Kauffmann, der die Kampagne bei BEE SECURE koordiniert, erklärte dass der Aufbau des Ratgebers nicht sehr einfach war. Man habe auf vielfache wissenschaftliche Unterstützung zurückgreifen müssen, um auf dem neuesten Forschungsstand zu sein.

Mit dem Ratgeber konzentriert man sich auf Kinder unter dreizehn Jahren. Dabei gibt es eine Viererteilung nach Alter: 3-6-9-12. In diesen Alterskategorien sollen die Kinder stufenweise die digitalen Instrumente nützen lernen. Unter Dreijährige sollten sich überhaupt nicht mit Bildschirmen beschäftigen, sondern ihre eigenen fünf Sinne fortbilden.

Kinder unter sechs dürfen beim Spielen an Tablet und Computer nicht alleine gelassen werden und bei unter 13-Jährigen sei die Fähigkeit Risiken im Netz erkennen zu können, einfach noch nicht vorhanden.

Der Ratgeber enthalte drei generelle Botschaften: Die Eltern sollen sich fragen, was machen meine Kinder?

Die Eltern müssen eine Vorbildfunktion haben und einen festen Rahmen für bildschirmfreie Zeiten setzen.


Die Broschüre in deutscher und französischer Sprache wird mit einer Auflage von 90.000 Stück ab dem 16. März an den Grundschulen verteilt, sie steht ab sofort unter www.bee-secure.lu zum Herunterladen bereit.