LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Blutige Rue du Neipperg-Schlägerei: Staatsanwalt fordert zehn Jahre Haft

Im Verfahren gegen drei junge Männer, die sich wegen einer Schlägerei mit versuchtem Totschlag und schwerer Körperverletzung in der Rue du Fort Neipperg verantworten müssen, hat die Staatsanwaltschaft für den jetzt 27-jährigen Hauptangeklagten Jorge A. eine Haftstrafe von zehn Jahren wegen versuchten Totschlags gefordert. Weil der Angeklagte nicht vorbestraft sei, könne die Strafe aber auch zur kompletten Bewährung ausgesetzt werden, sagte die Anklagevertreterin Dominique Peters in ihrem Plädoyer am Donnerstag. Die Anklagevertreterin sah in dem Angriff des Kapverdianers einen versuchten Totschlag (ohne niedrige Beweggründe), dessen Verteidiger Pim Knaff eine überzogene Notwehrhandlung, die eine Körperverletzung zur Folge hatte.

„Es war reine Notwehr“, beteuerte der 27-Jährige vor Gericht. „Ich wurde angegriffen und musste mich verteidigen.“ Der Hauptangeklagte A. hatte im Verlauf der Schlägerei eine Schere gezogen und mehrere Male mit großer Wucht auf sein Opfer Ernad B. eingestochen. Ernad B. musste wenig später wegen einer gefährlichen Bauchverletzung im Krankenhaus notoperiert werden. „Das hätte tödlich enden können“, sagte der zuständige Notarzt. Die Anklagevertreterin war der Meinung, dass A. die Schere vorher so präpariert hatte, damit sie bei einem Einsatz (hier als Waffe) besonders gefährliche Folgen hervorrufen konnte.

Bewährung im Rahmen des Möglichen

Für den mitangeklagten Ernad B. (25) beantragte die Anklagevertreterin drei Monate auf Bewährung wegen Körperverletzung. Für Salmedin S. (27) schloss sich die Anklagevertreterin der Verteidigung an und forderte einen Freispruch. Falls das Gericht aber anderer Auffassung sei und eine Körperverletzung als gegeben ansehen würde, beantragte die Anklagevertreterin eine Haft von zwölf Monaten auf Bewährung. Die Anklagevertreterin Dominique Peters begründete die beantragten Bewährungsstrafen und den Freispruch damit, dass die Angeklagten nicht vorbestraft sind, von Anfang an zur Aufklärung der Tat beigetragen und die vorschriftswidrige Benutzung des Teleskopschlagstocks gleich gestanden hätten. Die Aussagen der Zeugen ergaben keine eindeutige Beweisführung. Ebenso blieb das Motiv des plötzlich ausgebrochenen Konflikts im Dunkeln. „Es war nicht feststellbar, wer angefangen und wer reagiert hatte“, stellte die Anklagevertreterin fest. Im Schlusswort zeigten die Angeklagten sich sehr reuig. Der verurteilte jugoslawische Schläger verwies sogar auf eine psychische Ausnahmesituation. Es sei kein Ausländerhass gewesen, der ihn angetrieben hatte, sagte er, denn er hätte nichts gegen Kapverdianer oder schwarze Mitbürger.

„Eines jedoch liegt klar auf der Hand. Diese Tat war so überflüssig wie viele anderen in Luxemburg erfassten Straftaten aus dem Bereich der Gewaltkriminalität, die durch Alkohol oder sonstiges befördert oder ausgelöst sind“, sagte die Vorsitzende Richterin Sylvie Conter.