LUXEMBURG
FABIO GIUSTI

Jedes Jahr am 23. September wird der Internationale Tag der Gebärdensprachen begangen. Ein solcher Tag wurde bereits 1951 von der „World Federation of the Deaf“ ins Leben gerufen, 2017 bestätigte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 23. September als Welttag der Gebärdensprache. Wir sprachen in diesem Kontext mit Fabio Giusti, dem Vorsitzenden von Daaflux, des 2003 gegründeten Vereins für Gehörlose und Schwerhörige in Luxemburg. 

„Wie viele hörgeschädigte Menschen es in Luxemburg gibt, können wir leider nicht genau sagen. Aus der Fachliteratur geht allerdings hervor, dass es unterschiedliche „Hörgeschädigten“-Gruppen gibt, die sich mit Bezug auf die Gesamtbevölkerung grob so aufteilen: 50 Prozent sind leichtgradig schwerhörig, 30 Prozent mittel- und 8 Prozent hochgradig schwerhörig. Etwa ein Prozent der Bevölkerung ist taub.  
Es würde natürlich helfen, wenn wir mehr über die reale Lage in Luxemburg wüssten. Deshalb hat sich der Dachverband der Hörgeschädigtenvereinigungen, die Solidarität mit Hörgeschädigten asbl bereits mit Sozialversicherungsminister Romain Schneider getroffen, der versprochen hat eine interministerielle Arbeitsgruppe zum Thema Statistiken über die hörgeschädigten Menschen in Luxemburg aufzubauen. Leider haben wir bis jetzt nichts mehr von ihm gehört. Wir hoffen jedenfalls, dass das Kommunikationszentrum für Hörgeschädigte in Beggen wie geplant im kommenden Jahr öffnen wird.

Hörgeschädigte befinden sich derzeit in einer besonders schwierigen Situation. Durch das Coronavirus sind sie oft noch isolierter und die Kommunikation fällt noch schwerer mit der Verallgemeinerung der Mundschutzmasken. Denn wir brauchen das ganze Gesicht, also auch Mund und Mimik, um „lesen“ zu können, was unser Gegenüber uns sagen möchte. Das Gesicht zu sehen ist wichtig, auch wenn ein Hörgeschädigter sich etwa einen Film anschaut. Um alles verstehen zu können, sind hier Untertitel unverzichtbar, Gebärdensprachdolmetscher-Einblendungen sind natürlich ein Plus. Aber das alles ist noch zu selten, wie auch Untertitel bei den RTL Lëtzebuerg-Programmen.

Aber vieles wendet sich auch zum Positiven. Seit im September 2018 die deutsche Gebärdensprache in Luxemburg gesetzlich anerkannt wurde, wurden zahlreiche Projekte bei der Hörgeschädigten-Beratung beantragt. Immer wieder kommen Anfragen auf Unterstützung für die Übersetzung von Filmen in Gebärdensprache, was sehr aufwendig ist. Aber leider sind wir nur Ehrenamtliche und es fehlt uns die Zeit, alle Projekte zu begleiten. Freuen tut uns indes, dass immer mehr Hörende Gebärdensprache lernen möchten. In Luxemburg und Esch gibt es auch ein Kursangebot. Dolmetscher sind extrem wichtig, denn sie sind auch ein Schlüssel zu einer besseren Bildung und einer stärkeren gesellschaftlichen Partizipation von Hörgeschädigten. Für uns wäre es optimal, wenn es eine Landesdolmetscherzentrale gäbe, und die Profis, die derzeit auf verschiedene Einrichtungen verteilt sind, für vielfältige Einsatzgebiete herangezogen werden könnten. Ein großes Problem ist etwa, im Notfall auf Gebärdendolmetscher zurück greifen zu können. Wir wünschen uns mehr von ihnen. Und dass auch Hörgeschädigte stärker in politische Entscheidungen mit eingebunden werden, nach dem Motto: „Nicht über uns, sondern mit uns“.