LUXEMBURG
SVEN WOHL

Spielekritik: „Axiom Verge“ (PS4)

Irgendwie sind Entwicklerteams, die klein genug sind, um sie in eine Besenkammer zu stecken, sympathisch. Es erinnert einen an die 90er Jahre, wo noch jedes Spiel einen eigenen Charakter hatte, meistens der ihrer Entwickler. Die Spiele besaßen etwas Persönliches, etwas Einzigartiges, das mit den heutigen Teams von 100 bis 200 Personen, wo einer der Grafiker nichts anderes macht, als Vasen zu designen, verloren gegangen ist. Umso erfreulicher ist es, dass dank des Indie-Booms kleine Teams wieder im Rampenlicht stehen können. „Axiom Verge“ stellt hier ein Extrem dar, denn es wurde von einer einzigen Person, Tom Happ, entwickelt. Herausgekommen ist dabei ein kleines Meisterwerk, das teilweise fast intim wirkt.

Versierter Klassiker

Der Wissenschaftler Trace wird bei einem Unfall im Labor an einen völlig unbekannten Ort katapultiert. Obwohl er eigentlich damit rechnete zu sterben, wacht er in einer Welt auf, die vollkommen anders als unsere aussieht. Er glaubt zunächst an einen Fiebertraum, muss jedoch feststellen, dass die Gefahren, die hier lauern, nur allzu real sind. Auf eigene Faust muss er seine Umgebung erkunden und irgendwie wieder einen Weg nach Hause finden. Während die Geschichte auf den ersten Blick sehr einfach daherkommt, wird sie mit der Zeit komplexer und beschäftigt sich mit einigen typischen Science-Fiction Themen, ohne dabei auf Klischees zurückzugreifen. Sie trägt zwar einiges zur Spannung des Spieles bei, drängt sich aber nur selten in den Vordergrund. Das ist gut, denn die Atmosphäre will einen davon überzeugen, dass man alleine auf einer fremden, feindlichen Welt ist, die sich abseits unseres Verständnisses bewegt.

Hier liegt die größte Stärke des Spieles: Sowohl das Design, als auch die Grafik und die hervorragende Musik tragen allesamt dazu bei, diese Atmosphäre zu stärken. Das passt auch, weil das Spieldesign sich am Klassiker „Metroid“ orientiert und somit ein charakterbasiertes Entwicklungssystem in den Mittelpunkt stellt. Denn durch das Erkunden findet man neue Waffen und Ausrüstungsgegenstände, die vorher abgesperrte Gebiete zugänglich machen. Dabei ist „Metroid“ nicht die einzige Zutat, die hier verwendet wird: Auch „Contra“ und ein Schuss „Bionic Commando“ machen die NES-Klassiker-lastige Mixtur perfekt. Das bedeutet, dass Action eine größere Rolle spielt. Doch auch bei den Puzzles wird auf eine interessante neue Note gesetzt: Der sogenannte „Field Disruptor“ hackt nicht nur Gegner, sondern auch die Umgebung. Damit lassen sich diese verändern und teils zum eigenen Nutzen manipulieren. Aber an dieser Stelle soll nicht zu viel verraten werden, schließlich ist das Experimentieren mit dieser „Waffe“ einer der größten Spaßfaktoren, reagiert doch jeder Gegner anders.

Wenig einprägsam

Etwas schade ist hingegen, dass die Umgebungen nicht schlüssig designt sind. „Super Metroid“ schaffte es seinerzeit, das Fremde mit dem Nachvollziehbaren zu verknüpfen. Doch die Umgebungen in „Axiom Verge“ fühlen sich stets etwas detachiert an, so als würde ihnen keine inhärente Logik zugrunde liegen. Allerdings ändert das nichts daran, dass das Spiel sein Geld und seine Zeit - etwa zehn Stunden braucht man beim ersten Mal - absolut wert ist. Für Profis wird ein Speed Run Modus angeboten, damit man Jagd auf den Weltrekord machen kann. Wer Fan des „Metroidvania“-Genres ist, sollte bei „Axiom Verge“ bedenkenlos zugreifen. Auch Retro-Enthusiasten sollten durchaus einen Blick riskieren.