LUXEMBURG
JAN SÖFJER

Eine Replik gegen Hasskommentare gegen Flüchtlinge

Nachdem ein sechs Monate altes Kind ertrunken ist, kommentiert ein Leser die Nachricht wie folgt: „Wann begreifen diese ‚Flüchtlinge‘ endlich, dass es hier kein ‚besseres Leben‘ gibt?“ Was bringt einen Menschen dazu, so etwas zu schreiben? Ich weiß es nicht. Diese Meldung ist nur ein Höhepunkt. Die Ablehnung gegen Flüchtlinge kommt in vielen Facetten daher. Mal unterschwellig. Mal offen menschenverachtend. Wie die Kommentare unter diesem Text. Sie wurden unter Artikeln von Luxemburger Nachrichtenseiten beziehungsweise auf deren Facebookseiten veröffentlicht. Die Kommentatoren benutzen dafür zumeist ihren normalen Account, ihren vollen Namen. Oft sieht man daher, wo die Menschen arbeiten. Bei einem Sicherheitsdienst etwa. Oder bei einer Gemeinde. Man schämt sich nicht mehr, seine fremdenfeindliche Haltung zu verbergen. Selbst, wenn man dafür strafrechtlich belangt werden kann. Aber das ist nicht der Punkt.

Der Ton muss nicht so schlimm sein, dass die Staatsanwaltschaft aufmerksam wird. Es geht subtiler. Schließlich gebe es im eigenen Land genug Arme und die bekämen keine Hilfe. Das stimmt natürlich nicht, wird aber immer wieder gesagt. Was befürchten die „besorgten Bürger“ eigentlich? Dass der Flüchtling ihnen den Fernseher klaut, wie neulich eine Bloggerin formulierte? Es geht doch niemandem schlechter, weil Menschen in Not geholfen wird. Und niemand bekäme mehr, wenn keine Flüchtlinge kämen. Aber selbst wenn: Möchte man Geld bekommen, mit dem eigentlich Menschen in Not hätte geholfen werden sollen?

Was ist so schwer daran, sich in die Lage eines Flüchtlings zu versetzen? Stellen wir uns es dennoch vor: In unserer Straße explodieren Bomben. Wir hören Maschinengewehrfeuer. Nachbarn werden erschossen. Die Tochter weint. Die Ehefrau steif vor Angst. Was würden Sie machen, lieber Leser? Ihre Familie zurücklassen, um auch ein paar Menschen zu erschießen? Oder wie Flüchtlingsgegner schreiben: „Das Land zu verteidigen“? Ernsthaft? Die Menschen flüchten also mit dem, was sie tragen können – vor Krieg und Terroristen. Dann landen sie in einem Nachbarland in einem Lager, wo sie nicht gewollt sind, nicht arbeiten dürfen, keine Perspektiven haben. Wie viele Jahre würden Sie dort bleiben? Und selbst, wenn man nicht Tod und Verderben fürchtet, sondern einfach nur keine Arbeit in der Heimat findet: Was ist verwerflich daran, endlich einen Job finden zu wollen, um sich ein eigenes Leben aufzubauen?

Viele von uns haben noch nie mit einem Flüchtling gesprochen. Stattdessen denken wir, dass alle Terroristen sind und hier einen islamistischen Gottesstaat etablieren wollen – selbst, wenn die Flüchtlinge Christen sind. Dass es sowieso nicht „den Flüchtling“ gibt: geschenkt! Wir befürchten das Schlimmste und schüren Panik. Denn eigentlich sind wir die Opfer, nicht wahr? Wir hätten einen größeren Fernseher verdient oder was auch immer. Und Schuld an allem sind die Politiker, die Medien und die anderen Gutmenschen. Es ist nicht kompliziert, wenn man sich selber die Welt so malt, wie man möchte. Es hat nur nichts mit der Realität zu tun. Wer sehen möchte, was wirklich für Menschen zu uns kommen, muss zu ihnen gehen und mit ihnen reden. Dafür muss man allerdings für einen Moment aufhören, Angst zu haben, vor dem, das man nicht kennt.

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Kommentare gegen Flüchtlinge, die unter Artikeln von luxemburgischen Nachrichtenseiten beziehungsweise auf deren Facebookseiten veröffentlicht wurden:

"Elo kréien mer der CIA hier ausgebilden ISIS TERRORISTEN eran an Europa, an gin hinnen nach Allokatiounen amplaaz den Leit op der Plaaz ze hellefen an do Flüchtlingslager opzeriichten."

"Wären die Europäer massenweise 40-45 geflohen, hätten keinen Widerstand gegen die Nazis geleistet, wie wäre die Geschichte dann verlaufen.Ist es Feigheit wegzulaufen? Warum können diese jungen Männer und Frauen nicht mit der Waffe in der Hand gegen den IS kämpfen? Ehre jenen jungen Kurden und Kurdinnen die für ihre Freiheit kämpfen, den Tod nicht scheuen, für ein freies Kurdistan und dies gleich gegen drei Gegner. Erdogan, IS, Assad. Sollten wir Europäer diese Kämpfer nicht finanziell unterstützen?"

"Die Flüchtlinge sollen hier ohne Arbeit in den Alltag rein träumen während sie dringenst in ihren Ursprungsländer gebraucht werden zwecks Wiederaufbau. Anstatt diesen Leuten die Möglichkeit zu geben bei sich eine neue Existenz aufzubauen (während die Russlandkoalition die IS bekämpft) und sie dabei zu unterstützen werden sie hier zu sozialen Fällen umerzogen .... ! Wem ist damit gedient ?????"

"War es nicht letzten Winter wo ein Srummert auf der Strasse erfroren und gestorben war? Diese Mitmenschen sind auch Flüchtlinge, leider wird für sie kein Containerdorf gebaut!"

"Mir durfen jo näicht soen..soss sin mir Rassistische. .!!"

"Et ass wierkleg schein a gudd wann deenen leit gehollef gett. Mee weifill mamen oder papen mat kanner breichten och dei helef oder weivill obdachloser hun mier hei... deenen gett net geholef! A wann se dann mol bis randaleieren sou wei se an deitschland oder deenen aaneren länner maan, obwuel se iwwerall gehollef kreien, hun se kee dank fier neischt! Si sin flait net all sou, mee et muss net sin!! Maer sin e land mat ganz vill aarmen leit no deenen net gekukt gett... ech well just all dei leit gesin dei sou gudd helefen an se mat oppenen aerm begreissen wann se op eemol ufänken hier gesetzer hei wellen duech setzen!!! Well eis kanner gin och na grouss, huelt se hei eran mee ech färten fier meng kanner!!!"

"ich bin luxemburger, und war selbst mal in einer notlage, musste BETTELN bei caritas und co um einen gutschein zu bekommen, 100 € für arbeitskleidung, irgendwo ist da wohl etwas nicht in ordnung"

"Wie lang wird es dauern bis unsere Kinder solche Bilder malen? [Anm. d. Redaktion: dieses Bild, welches ein Flüchtlingskind einem deutschen Grenzpolizisten geschenkt hat] Und wer wird sie dann aufnehmen, bzw. wohin können sie dann noch flüchten, dass sie solche Bilder wie auf der rechten Seite malen können? Denn sollte es stimmen, dass bereits 4000 Terroristen mit den Flüchtlings-Strömen unkontrolliert nach Europa eingereist sind, dann ist das nur noch eine Frage der Zeit... Dazu kommt der Unmut der armen Bevölkerung, die sich vom Staat und seinen Entscheidungen verarscht fühlt. Macht euch das keine Angst???"

"Es gibt genug Menschen in unserem Land, die unverschuldet in Not geraten sind. Die kriegen einen feuchten Händedruck. Und jetzt noch mal; viele Luxemburger müssen mit einer Wohnung im Ausland vorlieb nehmen, weil sie sich trotz geregelter Arbeit in ihrem Mutterland keine Bleibe leisten können. Mit dem Betrag von 450 € müssten diese ihr Land villeicht nicht verlassen. Es kann in einem das flaue Gefühl aufkommen, dass es gewollt ist, wenn Luxemburger in ein Nachbarland ziehen müssen. So ist Platz gewonnen ......................"

"Wann begreifen diese "Flüchtlinge" endlich dass es hier kein "besseres Leben" gibt? Das wird ihnen nur von verbrecherischen Schleusern vorgegaukelt und wenn sie die Realität sehen gehen ihnen die Augen auf! Wohlstand, Reichtum und dolce vita gibt es nirgends ohne Arbeit!"

"Auch von verbrescherischen Medien. Diese Berichte wo die Gutmenschen mit Welcome Refugees Schildern zu sehen sind und die Refugees reichlich beschenkt werden, werden auch in den Herekunftslaendern dieser Leute gesehen und ermutigen die Zurueckgebliebenen sich auch auf den Weg zu machen. Und wenn die Begeisterung in der Bevoelkerung nachlaesst berichted man schnell ueber ein umgekommenes Kleinkind. Taeglich sterben zahlreiche Kleinkinder ueberall wegen mangel an medezinischer Versorgung, Hunger usw. Aber zur Zeit bringt das keine Einschaltquoten. Man hebt das also fuer spaeter auf."

"ALLES ABSCHAUM!!!"