LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Marianne Donven hat sich mit dem Coronavirus infiziert und ist fast gesund - wundert sich aber über die Ideen, die manche zum Thema haben

Marianne Donven fühlt sich seit Dienstag besser. Die 54-Jährige hatte sich mit dem Coronavirus infiziert. Wie die Krankheit bei ihr verlief und was sie mit ihrem Umfeld erlebte, schildert sie hier.

Frau Donven, wie geht es Ihnen jetzt?

Marianne Donven Seit Dienstag geht es mir deutlich besser. In den ersten zwei Tagen hatte ich Fieber, aber nur etwas über 38 Grad Celsius. Dann habe ich meine Lungenflügel gespürt. Dazu kamen Gliederschmerzen, insbesondere Schulterschmerzen. Husten hatte ich keinen. Eigentlich wäre mir das recht gewesen, damit das, was da noch festsitzt, rausgeht. Aber mein Arzt gibt mir nichts. Darüber hinaus ist es offenbar auch nicht gut, zu inhalieren oder kortisonhaltige Sprays zu nehmen. Also bleiben nur Lutschtabletten.

Wie haben Sie sich infiziert?

Donven Ich stehe im Restaurant „Chiche!“, das Flüchtlinge integriert, an der Rezeption. Der Partner, mit dem ich das „Chiche!“ betreibe, kam vor rund zwei Wochen aus Italien zurück. Er war vom Flughafen Treviso abgeflogen, von dem auch viele Chinesen, die in Venedig waren, abgeflogen sind. Das war natürlich schon so eine Sache. Im „Chiche!“ kommen pro Woche rund 2.000 Gäste vorbei. Viele begrüßen mich sehr persönlich. Wir hatten zwar schon Regeln eingeführt wie, sich nicht mehr die Hände zu geben oder sich Küsschen zur Begrüßung zu geben. Doch viele Kunden hatten Probleme, das zu respektieren.

Sobald ich mich nicht mehr so gut gefühlt habe, bin ich daher zu Hause geblieben. Mental hatte ich mich auf etwas sehr Schlimmes vorbereitet. Jetzt bin ich positiv überrascht, denn der Verlauf war nicht so schlimm. Das mag auch daran liegen, dass ich sportlich bin und normalerweise jeden Tag laufen gehe. Nur jetzt nicht natürlich nicht. Meine Tochter, die Medizin studiert, hat mir das Laufen untersagt, weil sonst das Virus wohl noch tiefer ins körpereigene System rutscht.

Haben Sie einen Test gemacht?

Donven Ja, ich hatte vor rund elf Tagen die ersten Symptome. Am Freitag habe ich mich testen lassen, nachdem mein Hausarzt mir eine Verschreibung zugeschickt hatte. Den Test habe ich im Drive-in von Junglinster gemacht. Einen Tag später hat mein Arzt angerufen und gesagt, ich solle zu Hause bleiben, der Test sei positiv.

Haben Sie andere infiziert?

Donven Ich weiß es nicht. Mein Geschäftspartner zumindest hat vor zwei Tagen einen Test gemacht, der negativ verlief. Er weiß aber nicht, ob das so ist, weil er eventuell immun ist. Tests zur Immunität gibt es ja noch nicht. Sonst habe ich nicht den Eindruck. Eine Dame vom Gesundheitsministerium hat mich angerufen und gefragt, mit dem ich noch in Kontakt war. Sie hat viele Fragen gestellt und betont, keinen Kontakt nach außen zu haben, sei sehr wichtig.

Mit wem leben Sie zusammen?

Donven Bei mir wohnen vier junge Flüchtlinge aus Afghanistan, mit denen ich ständig Kontakt habe. Deshalb haben wir nach dem Test keine strikte Abgrenzung gemacht. Sie sind jung und stark und wenn es einer gehabt hätte, wüssten wir es schon. Also haben wir normal weitergelebt. Im Haus habe ich keinen Mundschutz getragen, nur wenn ich rausgehe. Denn einmal am Tag gehe ich mit den Hunden raus.

Gibt es ein Stigma? Wie hat Ihr Umfeld reagiert?

Donven Ja, es gibt ganz klar ein Stigma. Viele Freunde haben mir mitgeteilt, dass sie das Virus auch haben. Aber sie wollten das nicht öffentlich sagen. Ich hingegen habe einen Post auf Facebook gemacht. Das habe ich vor allem auch wegen der Flüchtlinge getan, mit denen ich in Kontakt bin. Viele von ihnen wohnen in Gemeinschaftsunterkünften mit sehr vielen anderen zusammen. Eine große Zahl unter ihnen ist sehr schlecht oder falsch informiert. In den vergangen Tagen habe ich zahlreiche Nachrichten von Flüchtlingen erhalten. Das sind oft Videos oder Dokumente mit den merkwürdigsten Wundermitteln, teils mit dem Logo der Weltgesundheitsbehörde, obwohl die sicher nichts damit zu tun hat.

Es gibt Videos, wie man sich mit dem Föhn die Nasengegend austrocknet oder Filmchen aus Afghanistan über Heilmittel mit Zitrone und Salz. Das ist natürlich Humbug. Ich hoffe, ich habe dazu beigetragen, dass jetzt viele Flüchtlinge besser informiert sind.

Es gibt zahlreiche Informationen. Warum erreichen diese die Flüchtlinge nicht?

Donven Viele der Afrikaner haben sehr starken Glauben an Heilmittel. Das ist ihrer Kultur näher als ein Zettel mit Vorschriften. Natürlich wird sehr viel gemacht, die Informationen wurden ja in fast alle Sprachen übersetzt. Doch ob die Flüchtlinge das auch alle lesen oder doch eher den Whatsapps aus ihrer Heimat glauben, sei dahingestellt. Bei mir hat sich auch ein früherer Mitbewohner aus Kenia telefonisch gemeldet und war außer sich. Ich habe gesagt, das ist keine Katastrophe. Seine Haltung liegt vielleicht auch daran, dass im Fernsehen immer nur Menschen mit Beatmungsgeräten gezeigt werden. Aber 80 Prozent der Infizierten haben wenig oder zumindest keine schlimmen Symptome. Es wäre vielleicht gut, das Traumahafte wegzunehmen und zu erklären, dass man sich nicht zu Tode ängstigen soll, weil es in vielen Fällen harmlos ist und die Menschen wieder gesund werden.