ESCH/ALZETTE
PATRICK WELTER

Escher Verein zeigt, dass Kreislaufwirtschaft technisch, künstlerisch und sozial machbar ist

Erst haben die Leute dumm gekuckt, jetzt schauen sie begeistert. Aus einer Idee ist ein Hingucker geworden. Schon Ende November berichtete das „Journal“ über das ungewöhnliche BENU-Gebäude in Esch, dem ersten wichtigen Element des BENU-Village.

Gestern wurde das Haus offiziell seiner Bestimmung übergeben. Nachdem schon vor einigen Wochen eine Schneiderwerkstatt und Büros des SNJ, des nationalen Jugenddienstes, ihren Betrieb aufgenommen hatten, wurde das Projekt zwischenzeitlich noch um eine Siebdruckwerkstatt ergänzt.

Allen zeigen das nichts „wertlos“ ist

Was steht hinter dem Begriff „BENU“? Georges Kieffer, der Vorsitzende des Trägervereins, erläuterte gestern vor zahlreichen Gästen, darunter Bildungsminister Claude Meisch und Energieminister Claude Turmes, das Konzept. Wobei er die Unterstützung durch die Stadt Esch und durch das Bildungsministerium, via SNJ, hervorstrich, aber auch die zahlreichen anderen Hände, die auf die ein oder andere Weise mitgeholfen haben, nicht unerwähnt ließ. Der gemeinnützige Verein „BENU Village Esch“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, zu zeigen, dass Kreislaufwirtschaft kein abgehobener Begriff ist und sowohl technisch, als auch künstlerisch und vor allem sozial funktioniert. Motto: So gut wie alles kann wiederverwendet werden. Auch
im Hinblick auf „Esch2022“ soll die Errichtung eines „Village“ mit Raum für Start-ups, Begegnungen, bildende Kunst und Musik auf einer Brachfläche zwischen den Escher Stadtvierteln „Grenz“ und „Brill“ durch Mitmachen und Einfallsreichtum möglich werden.

Alles außer Schrauben

Um die Machbarkeit eines durchgängigen „Up-cycling“ zu beweisen, entstand das Pilot-Haus von „BENU“ auf dem „Place de la frontière“, nur wenige Schritte entfernt vom zukünftigen Standort des „Village“. Ein Haus aus „Abfall“, das zeigt, dass es nur ganz wenig echten Abfall gibt. Das dreigeschossige Haus besteht im Kern aus neun ausgemusterten 40-Fuß-Seecontainern. Auf der Außenseite kommt Miscanthus und im inneren unbehandelte Schafwolle als Dämmmaterial zum Einsatz. Während das Gebäude im Kern von Profis errichtet wurde, haben Künstler jeden Alters aus dem ganzen Land und der Grenzregion die Außengestaltung übernommen. Bauhölzer, ausgemusterte Türen, nicht mehr gebrauchte Fenster, selbst alte Kabel kamen beim Bau zum Einsatz. Was sich wie „Gewurschtel“ anhört, ist solide Handwerksarbeit, die von der Bauaufsicht ein volles „Okay“ erhalten hat. Georges Kieffer betonte auch gestern wieder, mit der ihm eigenen Begeisterung, dass im ganzen Haus einzig und allein die Schrauben neu sind. Zum Einsatz kamen weder Silicon, Bauschaum noch andere Bau-Chemikalien. Dennoch „Eine Sache die Hand und Fuß hat“.

SNJ im Süden

Mit dem BENU-Haus hat jetzt auch der SNJ nicht nur ein Büro in Esch sondern auch ein Standbein um Jugendlichen in schwierigen Verhältnissen einen Einblick in das Arbeitsleben zu geben - durch schlichte Mitmachen in der jetzt eröffneten Siebdruckwerkstatt.

Energieminister Claude Turmes formulierte sein Urteil druckreif: „Von der Überflussgesellschaft zum ‚Zero waste‘ braucht Pioniere, BENU ist ein Pionier.“

www.benuvillageesch.lu