LUXEMBURG
ANNETTE DUSCHINGER

„Bildung auf einen Blick“: OECD legt ihren Bericht 2014 vor - Luxemburg teuer, aber mäßig

Teuer, aber nicht unbedingt mit den besten Resultaten - das ist das immer wiederkehrende Urteil über das Luxemburger Bildungssystem. So auch dieses Jahr: Der OECD-Bildungsbericht, der sich auf die Daten des Schuljahres 2011-2012 bezieht zeigt keine neuen Tendenzen aus.

In Luxemburg schließen im OECD-Vergleich weniger Schüler mit einem Sekundarschuldiplom ab, der Sprachenunterricht nimmt mehr Raum ein, es gibt wenig Schüler pro Lehrkraft und deren Gehälter sind absolut gesehen sehr hoch.

Zu viele schaffen ihr Diplom erst mit zwei Jahren Verspätung

Aus 150 Indikatoren kommentierte das Bildungsministerium in seiner Mitteilung gestern die Punkte, die signifikativ für Luxemburg sind. So schließen 69% der Schüler die Sekundarschule mit Diplom ab, während es 84% im OECD-Schnitt sind und 40% schaffen es in der vorgegebenen Zeit, während es 72% im OECD-Schnitt sind. Der Anteil der Klassenwiederholer ist demnach vergleichsweise hoch: Gibt man den Luxemburger Schülern zwei Jahre mehr Zeit, so steigt die Abschlussquote im klassischen Unterricht von 64% auf 90% und im technischen und Berufsunterricht sogar von 29% auf 64%.

Den technischen und Berufsunterricht besuchen in Luxemburg 61%, den klassischen Unterricht 39% der Schüler. Im OECD-Mittel sieht es mit 54% und 44% dagegen ausgeglichener aus.

Doppelt so viel Zeitaufwand für moderne Sprachen in der Grundschule

8.079 Pflicht-Unterrichtsstunden müssen die Schüler Luxemburgs ableisten, bis sie die Grundschule und die ersten drei Jahre im weiterführenden Unterricht hinter sich gebracht haben - 7.433 Stunden sind es im Schnitt in den anderen Ländern.

Damit platzieren sich die Luxemburger auf Rang 10 von 32 Ländern.

Vor allem der moderne Sprachenunterricht nimmt viel Zeit in Anspruch. Die Grundschüler widmen ihm 18% des Unterrichts, während Spanien, Italien und Polen mit 9% folgen. 6% sind es in Frankreich. Unter den 34 Ländern der OECD investiert Luxemburg bei weitem am meisten in sein Bildungssystem:

Sind es dort im Schnitt pro Grundschüler 8.296 US-Dollar pro Jahr und pro Sekundarschüler 9.280 USD, liegen wir hier hierzulande bei 23.871 bzw. bei 16.182 USD. Das Ministerium relativiert aber, indem es die Bildungsausgaben in Relation zum BIP sieht: Die 3,4%, die Luxemburg einsetzt liegen unter dem OECD-Schnitt von 3,8%. Und auch der erste Anschein der exorbitant hohen Gehälter der Lehrkräfte wird vom Ministerium relativiert. Denn setzt man sie ins Verhältnis zu den anderen Akademikergehältern in Luxemburg, so ähnelt dieses Verhältnis mit 1,26 mal deren Gehälter in etwa dem in anderen Ländern, heißt es im Kommentar: 1,23 mal sind es in Portugal, 1,29 in Kanade und 1,35 in Spanien.

Mit mehr als 100.000 USD pro Jahr mit 15 Jahren Berufserfahrung und nahezu 140.000 USD Spitzengehalt liegt man in absoluten Zahlen allerdings weit vor Deutschland an zweiter Stelle (Spitzengehalt von rund 85.000 USD).

Europäisches Schlusslicht ist Estland mit 12.525 USD im Jahr.

Kleine Klassen, wenig Schüler pro Lehrkraft

Nicht abstreiten kann das Ministerium dagegen, dass die Schülerzahl pro Lehrkraft in Luxemburg sehr niedrig ist: neun sind es in der Grundschule (15 im OECD-Schnitt) und neun auch im Sekundarunterricht (13 im Vergleich). Dementsprechend niedrig sind auch die Klassenstärken. Zusammen mit Griechenland belegt man mit 16 Schülern pro Klasse in der Grundschule den ersten Platz, 21 Schüler sind es in anderen Ländern. Und mit 19 Schülern pro Klasse in den ersten drei Jahren des Lyzeums liegt man weit unter dem Durchschnitt von 24 Schülern in den OECD-Ländern.

 

 


www.oecd.org