LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte zustande kam

Wir schreiben den 10. Dezember 1948. Im Pariser Palais de Chaillot, einen Steinwurf entfernt vom Eiffelturm treffen sich seit Anfang Oktober die Mitgliedstaaten der Vereinen Nationen zu ihrer dritten Plenarversammlung. Auf der Tagesordnung steht eine Entschließung 217/A zur Internationalen Charta der Menschenrechte, deren 30 Artikel vorgelesen werden. Letztere wurden ab 1946 von einem hochkarätigen Redaktionskomitee unter dem Vorsitz von Eleanor Roosevelt, der ehemaligen US-Präsidentengattin und Präsidentin des UN-Menschenrechtsausschusses ausgearbeitet. Bereits die Gründungsakte der Vereinten Nationen vom Juni 1945 hatte die Bekräftigung der Grundrechte unterstrichen. Die Gräuel des Zweiten Weltkriegs hatte damals noch jeder vor Augen. So heißt es in der Präambel der Menschrechtserklärung etwa: „Da die Nichtanerkennung und Verachtung der Menschenrechte zu Akten der Barbarei geführt haben, die das Gewissen der Menschheit mit Empörung erfüllen“. Aber es war auch eine Zeit, in der sich der Ost-West-Konflikt verschärfte. Bald sollte die Welt für Jahrzehnte in zwei ideologische Blöcke geteilt sein, die sich in einem atomaren Gleichgewicht des Schreckens die Balance hielten, sich allerdings in Stellvertreter- und Spionagekriegen heftig bekämpften.

Aber die Aussicht, einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag zu den Menschenrechten zu erzielen, war auch aus anderen Gründen getrübt. In den USA und in Südafrika herrschte Rassentrennung, eine Reihe europäischer Staaten behandelten die Menschen in ihren Kolonien als Bürger zweiter Klasse. In anderen herrschten religiös bestimmte Gesellschafts- und Rechtssysteme. So einigten sich die Staaten am Ende auf eine allgemeine unverbindliche Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 trotzdem nicht von allen unterzeichnet wurde. Zwar gab es keine Gegenstimmen, aber acht Länder enthielten sich: die Sowjetunion, Jugoslawien, Tschechoslowakei, Ukraine, Weißrussland, Polen, Saudi-Arabien und Südafrika.