LUXEMBURG
DANIEL OLY

„Guichet.lu“ feiert zehnjähriges Jubiläum - Dan Kersch wagt einen Rück- und Ausblick

Mit Online-Formularen und „MyGuichet.lu“ gegen Zettelwirtschaft; Innenminister Dan Kerschs Plan scheint aufzugehen, wie seine Zahlen belegen. Allein 2017 wurden mehr als 200.000 Verwaltungsvorgänge online auf den Weg gebracht, ein Plus von 226 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2014 explodiert der Gebrauch der 2008 ins Leben gerufenen Plattform „Guichet.lu“ und seines 2013 gegründeten „MyGuichet“-Bereiches förmlich. Gestern zog Kersch deshalb eine positive Bilanz, wenngleich er betont: „Es gibt noch viel Luft nach oben.“

Etwa im Bereich „e-Tracking“, also der Nachverfolgung eines Vorgangs. Davon profitieren noch längst nicht alle Vorgänge, so kann etwa der Fortschritt bei einer Steuererklärung nicht geprüft werden. „Das kann natürlich noch weiter entwickelt werden“, meinte Kersch. Ohnehin befände sich das System in einer ständigen Weiterentwicklung, wie auch der Direktor des „Centre des Technologies de l’Information de l’Etat“ (CTIE) Gilles Feith betonte. So setze das Portal etwa nicht mehr auf proprietäre Schnittstellen wie Javascript. Weitere Verbesserungen wie eine Mobilanwendung in Fällen, wo es Sinn macht, seien deshalb auch geplant. „Eine Steuererklärung per Handy zu machen, wäre eher unpassend“, meint Feith. Auch mit der im Mai kommenden Datenschutzregelung GDPR werde man deshalb wohl bis zum Start kompatibel sein.

Verwaltungen gelobt

In jedem Fall hänge es immer von der einzelnen Verwaltung ab, ob ihre Vorgänge über „MyGuichet.lu“ auch ausgeführt werden könnten, oder nicht. „Da leisten die Verwaltungen hervorragende, konkrete
Arbeit im Dienst der Bürger; ohne ihren Einsatz wäre diese Vereinfachung, dieses Angebot nicht möglich“, unterstrich Kersch. Unterm Strich heißt das, dass seit dem Start immer mehr neue Vorgänge auch online durchführbar werden. 170 Prozeduren werden bislang angeboten.

Seit Juli 2014 können Bürger somit etwa einsehen, ob und wann ihre Daten von der Administration eingesehen wurden, können den Zweck dieser Informationen prüfen und gegebenenfalls Beschwerde einreichen. „Das hat für mehr Transparenz gesorgt, das war schon immer sehr wichtig für mich“, unterstreicht Kersch.

„Wer sich dann nicht daran hält, kann belangt werden. Das ist für Bürger eine richtige, wichtige Handhabe.“ Dass es dementsprechend auch schon Präzedenzfälle gebe, sei ein Zeichen dafür, dass das System genutzt wird. Mit großen Nutzerzahlen: Waren es 2014 noch „nur“ etwas mehr als 24.000 Private, nutzten 2017 schon mehr als 90.000 Menschen den Dienst. Und auch Unternehmen setzen immer öfter auf die Vorzüge der Online-Formulare: 2017 waren es 18.441 Nutzer aus dem professionellen Bereich. Allein durch die Steuerreform von 2017 habe es einen großen Anstieg der Nutzerzahlen gegeben, wie Kersch meint.

Daneben gebe es viele administrative Schritte, die inzwischen äußerst beliebt seien: Die Immobilienverwaltung, die eigenen Punkte auf dem Führerschein oder die Möglichkeit, ein personalisiertes Kennzeichen für ein Auto zu reservieren. „Besonders letzteres dürfte jetzt zum Autofestival beliebt sein“, meint Kersch.

Die hohe Nutzungsrate erkläre daher auch, warum das CTIE permanent ausgebaut wird. „Unsere weiteren Verbesserungen kommen den Nutzern zugute“, meint Feith. „Dementsprechend haben wir eine sehr positive Reaktion von den Nutzern.“ Er erinnerte auch daran, dass die „Guichet.lu“-Familie nicht nur das Online-Formularportal umfasse, sondern zudem einen Helpdesk bei Fragen bietet und über 1.500 Prozeduren im Detail erklärt. „Die Digitalisierung der Verwaltungen und Vorgänge setzt sich also schrittweise durch“, meint er.