CINQFONTAINES
CLAUDE KARGER

Gedenkzeremonie für jüdische Nazi-Opfer am Kloster Fünfbrunnen -

Bewegende Zeremonie gestern Morgen beim Kloster Cinqfontaines bei Ulflingen, wo an die Juden erinnert wurde, die im Zweiten Weltkrieg von hier aus in die Konzentrationslager von Theresienstadt und Auschwitz abtransportiert wurden. Am 17. Juni 1943 verließ der siebte und letzte Konvoi Luxemburg mit neun jüdischen Bürgern. Nur einer von ihnen sollte die Nazi-Gräuel überleben. Insgesamt wurden in sieben Konvois ab Oktober 1941 659 Juden deportiert. Lediglich 44 überlebten die KZs. Im Juni 1943 war die jüdische Gemeinschaft in Luxemburg fast ausgelöscht.

Von den 3.900 Juden, die sich zum Zeitpunkt der Nazi-Invasion am 10. Mai 1940 in Luxemburg aufhielten - darunter rund 3.000 Flüchtlinge vorwiegend aus Deutschland, Polen und Österreich - konnten 1.650 über Frankreich fliehen. Etwa 1.300 wurden bei ihrem Fluchtversuch aus Europa festgenommen und deportiert. Von ihnen kamen nur etwa 50 nach der Befreiung der Konzentrationslager zurück.

300 waren in Cinqfontaines interniert

In dem damals stillgelegten Kloster von Cinqfontaines waren zwischen 1941 und 1943 rund 300 Juden interniert, meist Kranke und Alte und das unter schwierigen Bedingungen, ohne ausreichende Versorgung. Seit 1969 erinnert dort ein Monument des Bildhauers Lucien Wercollier an den Horror und die Leiden, welche die Juden im Zweiten Weltkrieg ertragen mussten. Hier, am Weg zu den Bahngleisen, den die Insassen des Klosters gehen mussten um in Waggons zu steigen, die die meisten von ihnen in den Tod fuhren, hatten sich an diesem ersten Sonntagmorgen im Juli, wie bereits seit fast 50 Jahren, Angehörige der Familien der Opfer, KZ-Überlebende, Resistenzler, Vertreter der jüdischen Gemeinschaft, der Gemeinde Wintger, der Vereinigungen Memoshoah und „Témoins de la 2ième Génération“, Botschafter und eine Reihe Politiker aus dem Landesnorden sowie Gäste aus dem Ausland versammelt, um ihnen zu gedenken. „Es ist wichtig zu wissen, was geschehen ist, damit man die Zukunft bewusst mitgestalten kann“, sagte der Präsident des „Comité Auschwitz“, Marc Schoentgen vor allem der Jugend zugewandt. Schülerinnen aus dem Wiltzer Lyzeum lasen übrigens bewegende Texte über die Shoah vor.

Bildung als Waffe gegen Extremismus

Großrabbiner Alain Nacache ging auf die Aufarbeitung der Geschichte der Juden vor und nach der Nazi-Besatzung ein. Im Juni 2015 hatten sich Parlament und Regierung für die Rolle der Luxemburger Verwaltungen bei der Behandlung der jüdischen Bürger entschuldigt und vor ein paar Wochen wurde unweit der Kathedrale in der Hauptstadt ein Monument für die Opfer der Shoah errichtet. Mit Sorge blickt Nacache aber auf Entwicklungen wie die Zunahme von Rechtsextremismus und Antisemitismus in Europa. Das tut auch Charles Goerens. Der Europaabgeordnete und Vorsitzende der „Témoins de la 2ième Génération“, die seit mehr als 20 Jahren vor allem Reisen mit Schülern ins KZ Auschwitz organisiert, unterstrich die Rolle der Bildung im Kampf gegen Populismus und Extremismus. Die Regierungen müssten sich vor Augen halten, dass es nicht reicht zu sagen: „Nie wieder“. Es erfordere auch die notwendigen Mittel, um es in der Praxis zu verhindern.