LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Carole Caspari machte Karriere - obwohl ihr ein anderer Weg nahe gelegt wurde

Sie ist die „Woman Business Manager of the Year 2015“ - so wurde Carole Caspari am Freitag Abend bei der Banque International à Luxemburg (BIL) gefeiert. Natürlich ist sie stolz. Aber eigentlich hätte die Unternehmerin es viel besser gefunden, wenn sie einen Preis erhalten hätte, an dem sich auch Männer hätten beteiligen können. Von einer Sonderbehandlung für Frauen hält sie nämlich nicht viel.

Frau Caspari, Sie haben sich gegen 69 Konkurrentinnen durchgesetzt. Was ist so besonders an Ihrer Idee?

Carole Caspari Als ich 2007 Altea gegründet habe, gab es so etwas gar nicht: Eine Vermittlung von Zimmern und Wohnungen, die komplett eingerichtet sind; inklusive Internet, TV und Zugang zum Fitness-Raum. Andererseits gab es einen enormen Bedarf. Die Big Four stellen nämlich oft erst junge Absolventen als Praktikanten oder zeitlich befristet ein. Wenn sie mit ihnen zufrieden sind, gibt es dann einen unbefristeten Vertrag. Es war also eine ganz neue Marktidee. Darüber hinaus habe ich das Unternehmen selbst gegründet. Und schließlich haben wir bis heute Angebote, die andere nicht haben. Bei uns können Sie alles online besichtigen und dann online reservieren. Wir haben 2010 mit zwölf Wohnungen nach den deutschen Vorbild der Wohngemeinschaften angefangen. Heute haben wir rund 300 Zimmer, Studios und Appartements und eine Auslastung von fast 100 Prozent.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Caspari Immobilien sind meine Leidenschaft. Das war schon früher so, als ich erst bei der KBL und dann bei Arthur Andersen und SGG gearbeitet habe. Ich liebe es, durch die Annoncen zu schauen. Sobald ich konnte, habe ich in Immobilien investiert. Mit 20 Jahren hatte ich schon meine erste Wohnung. Heute sind es ein paar mehr. An meiner Leidenschaft hat sich nichts geändert. Wenn andere Romane lesen, schaue ich mir lieber die Annoncen an. Die Geschäftsidee hat sicher auch mit den Anfragen meiner Kunden zu tun. Die fanden keine Möglichkeiten, ihre Praktikanten unterzubringen.

Lernt man so einen Unternehmergeist im Elternhaus?

Caspari Nein, im Gegenteil! Zu Hause hat es immer geheißen: Du brauchst nicht zu studieren, du heiratest ja dann. Wenn schon, dann Dein Bruder. Ich habe also ein Bac+2. Aber ich habe mir von Anfang an gesagt, dass ich niemals Hausfrau werden will, das kam gar nicht in Frage. Wahrscheinlich hat mich die Ansicht meiner Eltern erst Recht darin bestätigt, dass ich es anders machen kann und will. Bis heute ist mein Weg für sie nicht ganz einfach nachzuvollziehen, auch wenn sie stolz auf mich sind. Meine Leidenschaft für Immobilien kommt sicher auch nicht von ihnen, denn meine Eltern wohnen bis jetzt zur Miete. Ich stamme aus eher bescheidenen Verhältnissen und es war von Anfang an klar, dass wenn ich etwas schaffen will, ich es aus eigener Kraft schaffen muss.

Wie haben Sie sich Freitagabend bei der Preisverleihung gefühlt?

Caspari Ich war natürlich stolz und bin mir bewusst, dass ich auch ein Beispiel sein soll. Aber ich bin in keinem Verband für weibliche Führungskräfte und habe selbst während meiner Karriere auch nie eine Benachteiligung empfunden, weil ich Frau bin. Deswegen möchte ich nicht zu sehr Teil einer solchen Diskussion sein. Ich hätte lieber einen Preis gewonnen, an dem sich auch Männer beteiligen können. Aber es ist trotzdem toll, mit den Mitarbeitern zu feiern. Zwei meiner engsten Mitarbeiter waren dabei. Meine Stellvertreterin hat übrigens bei mir als Putzfrau angefangen. Damals kam sie aus Portugal und sprach kein Wort Französisch. Aber sie hatte immer Ideen und hat sich eingesetzt. Darauf kommt es mir an. Sie hat sich in drei Jahren fit gemacht und vertritt mich jetzt.

Haben Sie noch Hobbies?

Caspari Nicht wirklich. Ich arbeite sehr viel und zähle die Stunden nicht. Wenn ich Zeit habe, treffe ich mich mit Freunden