LUXEMBURG
HANNAH NEUGEBAUER

Eine 17-Jährige erklärt, warum für sie das Handy etwas ganz anderes ist als für ihre Eltern

Schon wieder vibriert mein Telefon. Diesmal ist es Anne, die gerade in San Francisco im Sommerurlaub ist. Per Instagram schickt sie mir ein Foto mit Blick aus ihrem Hotelzimmer im fünften Stock. Palmen rechts und links auf dem Balkon und im Hintergrund die goldene Sonne, die schon halb im glitzernden Wasser versunken ist. Traumhaft, ich wünschte, ich könnte jetzt auch gerade dort sein. Nochmals vibriert mein Telefon, wer will denn jetzt was von mir? Nein, diesmal ist es nicht Anne sondern Leon, ein Bild von ihm vor einem buddhistischen Tempel in Thailand. Er ist braun gebrannt, mit einem Grinsen im Gesicht und dem strahlend blauen Himmel im Hintergrund. Aber schon werde ich von meiner Mutter ermahnt, mein Telefon am Esstisch wegzulegen. Erst wollte ich mich noch verteidigen, aber ich wusste schon, dass dies keinen Zweck haben würde und deshalb ließ ich es einfach gleich.

Immer schnell und alles gleichzeitig

Manchmal verstehen meine Eltern das einfach nicht. „Warum bist du immer so lange am Computer?“, „Leg jetzt endlich mal dein Telefon weg oder ist das schon an deiner Hand festgewachsen?“ Aber Sie verstehen nicht, dass ich nicht einfach so mein Telefon weglegen kann. Ich helfe doch gerade Laura mit ihren Beziehungsproblemen und jetzt hat mir Annika noch eine Nachricht geschickt, ob sie Morgen lieber die weiße oder die rote Bluse mit dem schwarzen Blazer anziehen soll. Dann will Victoria, meine Freundin aus New York, noch mit mir skypen, um mir von dem neusten Klatsch aus meiner alten Schule zu berichten und danach will ich doch eigentlich noch ein Bild von meinem letzten Wochenende in Paris auf Instagram posten. Es muss immer alles schnell und gleichzeitig gehen. Wenn ich so wie meine Eltern nur meine E-Mails checken müsste, würde ich ja auch nicht so lange am Computer sitzen!

Kontakt trotz vieler Umzüge

Kontakt halten mit Freunden oder Familie egal wo sie sind ist einer der größten Vorteile der sozialen Medien. Gerade hier in Luxemburg, in einem solch internationalen Umfeld, in dem sich die Gesellschaft ständig in Bewegung befindet und meine Freunde andauernd wegziehen, sind soziale Netzwerke umso wertvoller. Auf Skype kann ich stundenlang kostenlos quatschen, egal ob meine Freunde fünf Kilometer oder 500 Kilometer entfernt sind. Bei Facebook kann ich sehen, wer von meinen Freunden gerade was macht. Was ich in diesem Moment unternehme, kann ich der ganzen Welt auf Twitter mit einem einfachen schnellen Tweet mitteilen.

Meine Eltern leben ganz anders. Sie haben Handys, aber damit telefonieren sie nur. Ich brauche das Telefon für mehr. Dadurch bin ich mit meinen Freunden rund um die Uhr verbunden. Ein Leben ohne soziale Netzwerke wäre für mich unvorstellbar.