CLAUDE KARGER

Schock: „Luxemburg ist das zweitunglücklichste Land der Welt“, berichtete dieser Tage das Online-„Essentiel“ aus dem „Happy Planet Index“. Zwar sei das Ländchen in punkto Lebenserwartung, Gleichheit und Wohlbefinden topp, doch dann fällt wie weiland bei „Monty Python“ eine Riesenquadratlatsche namens „ökologischer Fußabdruck“ aus dem Himmel und zertrampelt das schöne Glücksbarometer. Schuld ist das Nischenprodukt Tanktourismus. Aber Souveränitätsnischen sind ja Auslaufmodelle, woran gestern auch der „Tageblatt“-Leitartikler erinnerte. Aktueller Anlass dafür ist das Verdikt der EU-Regierung, die Iren hätten dem Moloch mit dem angebissenen Apfel zu wenig Steuern abverlangt und müssten die gigantische Fehlsumme nun eintreiben. Was des Apfelkonzerns Chefkoch „totaler politischer Mist“ schalt, löst auch Applaus aus. „Die Kommission habe endlich wieder gezeigt, wofür sie eigentlich da sei“, hat das „T“ vielerorts gelesen. Sogar „Libération“ freut sich über die Entschlossenheit des Kommissionsbosses, dem „LuxLeaks“ im November 2014 den Amtsantritt verhagelte: „l’homme qui avait si bien promu la place fiscale luxembourgeoise pendant vingt cinq ans comme ministre des Finances puis comme Premier ministre du grand-duché allait être le Vidocq de la fiscalité, ce truand devenu le père de la police judiciaire moderne“. Klingt nach starkem Romanstoff.