PEPPINGEN
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75 Jahre nach Atombombenangriffen: Gedenkzeremonie in Peppingen

Auch in Luxemburg wurde gestern den hunderttausenden Opfern der Atombombenabwürfe über Hiroshima (6. August 1945) und Nagasaki (9. August 1945) gedacht und gleichzeitig ein Zeichen gegen Kernwaffen und für den Frieden gesetzt. Genauer im Klostergarten in Peppingen, wo sich bereits gegen 8.00 Schöffen- und Gemeinderäte aus Roeser, Bürgermeister aus anderen Kommunen, Mitglieder der „Friddens- a Solidaritéitsplattform Lëtzebuerg“ (FSPL) sowie der japanische Botschafter in Luxemburg, Jiro Okuyama eingefunden hatten.Um 8.15, der Zeit, an der vor 75 Jahren das Atomwaffenzeitalter mit der Ausradierung einer ganzen Stadt begann, hielten die Teilnehmer inne, währen die Glocke des Klosters schlug.

Der Roeser Bürgermeister Tom Jungen  - Lëtzebuerger Journal
Der Roeser Bürgermeister Tom Jungen

Erste Unterzeichner-Gemeinde des ICAN Appells

Weshalb die Zeremonie ausgerechnet in der Gemeinde Roeser stattfand erklärte der Bürgermeister anschließend: Roeser war im Frühjahr 2019 die erste Kommune in Luxemburg, welche den Appell der „International Campaign to Abolish Nuclear weapons (ICAN)“ an die Gemeinden der „Mayors for Peace“-Vereinigung (siehe Rahmen) unterzeichnete, den Vertrag der Vereinten Nationen für ein Verbot der Nuklearwaffen gut zu heißen.

„Die Gemeinde Roeser ist zutiefst besorgt wegen der ernsthaften Bedrohung welche die Nuklearwaffen für die Gemeinschaften der ganzen Welt darstellen. Der Gemeinderat ist fest davon überzeugt, dass die Einwohner der Gemeinde Roeser das Recht auf ein Leben ohne diese Bedrohung haben. Jeder Gebrauch, beabsichtigt oder unbeabsichtigt, von Nuklearwaffen hätte langwierige katastrophale Folgen in großem Umfang für die Bevölkerung und die Umwelt. Folglich, unterstützt der Gemeinderat der Gemeinde Roeser den Vertrag für ein Verbot von Nuklearwaffen und ruft die Regierung Luxemburgs dazu auf diesem beizutreten“, heißt es in einem Beschluss.

Raymond Becker von der „Friddensplattform“  - Lëtzebuerger Journal
Raymond Becker von der „Friddensplattform“

USA und Russland in der Pflicht

Raymond Becker von der FSPL forderte die Nationen dringend auf, sich dem Vertrag von 2017 anzuschließen. Auch Luxemburg, denn wie alle NATO-Partner hat das Großherzogtum das Abkommen bislang nicht unterzeichnet.

„Zurzeit haben 82 Staaten den Vertrag unterzeichnet, 40 Staaten den gesamten Ratifizierungsprozess (Unterzeichnung und Ratifizierung) abgeschlossen. Es ist davon auszugehen, dass in den nächsten Stunden weitere Länder unterzeichnen oder ratifizieren. Bei 50 Ratifizierungsstaaten tritt der Vertrag rechtsverbindlich in Kraft“, erklärte Becker, der sich entrüstet darüber zeigte, dass die USA kurz vor dem 75. Gedenktag der Atombombenabwürfe auf japanische Städte eine Interkontinentalrakete testeten. „Eine solch nuklear bestückte Waffe richtet ein Vielfaches an Zerstörung der Bomben von 1945 an“, wie der Redner erläuterte. Er nahm besonders die USA, aber auch Russland in die Pflicht: „Knapp 14.000 dieser Atombomben gibt es noch weltweit. Allein die USA und Russland besitzen 91 Prozent von diesem Arsenal. China, Frankreich, Großbritannien, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea sind mit ihren  neun Prozent des gesamten Arsenals wahrlich keine „Unschuldslämmer“. Aber die Verantwortung für die ersten Schritte einer atomaren Abrüstung liegen eindeutig bei den USA und Russland“.

„Wir wissen, dass die atomaren Abrüstungsverhandlungen schwierig und kompliziert werden, aber wir müssen diesen Weg gehen. Der in Kraft tretende Atomwaffenverbotsvertrag wird ohne jeden Zweifel die Abrüstungsverhandlungen entscheidend voranbringen“, schloss Becker seine Rede, verneigte sich vor den Opfern der „Barbarei“ von 1945 und erneuerte das Versprechen des Kampfes für eine atomwaffenfreie Welt, das am Ende der Zeremonie junge Leute aus Roeser in mehreren Sprachen vorlasen.

Der japanische Botschafter Jiro Okuyama   - Lëtzebuerger Journal
Der japanische Botschafter Jiro Okuyama

Japan als Vermittler

„Die Pandemie hat uns neu über den Wert des Lebens nachdenken lassen“, sagte seinerseits der japanische Botschafter Jiro Okuyama. Er hoffe, dass die Nationen sich vor diesem Hintergrund auch dazu verpflichten, die nukleare Bedrohung abzuschaffen. Japan werde jedenfalls stets seine Rolle als Vermittler spielen, um das Ziel einer kernwaffenfreien Welt zu erreichen. 

Das Versprechen

„Für ein Verbot und die Abschaffung der Atomwaffen“

Bei der Zeremonie wurde eine Plakette enthüllt, auf der in Luxemburgisch und Französich ein Versprechen zu lesen ist. Frei übersetzt: „Wir gedenken der Opfer des Anbruchs des Atomwaffenzeitalters in Hiroshima und Nagasaki und wir ehren die Überlebenden, die sich nach Untergang dieses Zeitalters sehnen, indem wir ihnen versprechen, uns ihnen und ihrem Kampf für ein Verbot und die Abschaffung der Atomwaffen anzuschliessen”. Die Plakette wird im Klostergarten neben einem Gingko-Baum angebracht.
Engagement für Friedensarbeit

„Mayors for Peace“

Die Organisation wurde 1982 auf Initiative des damaligen Bürgermeisters von Hiroshima, Takeshi Araki, gegründet. Ziel ist das Engagement der Städte- und Gemeindeoberhäupter die Sicherheit ihrer Mitbürger zu fördern. Dazu gehört auch das Engagement gegen die größte menschengemachte Bedrohung für eine Bevölkerung: Kernwaffen. Bis zum 1. August 2020 waren der Initiative 7.921 Städte und Gemeinden aus 164 Ländern und Regionen beigetreten. In Luxemburg haben sich bislang 56 der 102 Kommunen angeschlossen. Tom Jungen kündigte an, für mehr Beitritte werben zu wollen und auch für mehr Unterschriften für den Appel der ICAN an die Gemeinden, den UN-Atomwaffenverbotsvertrag von 2017 zu begrüßen und Parlament und Regierung dazu aufzufordern, ihn zu ratifizieren.