FRANKFURT/MAIN
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Juncker: Helmut Kohl ist ein europäischer Patriot

Ausgerechnet an seinem ersten richtigen Arbeitstag betätigte sich der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gestern als Laudator, nämlich für seinen alten Freund und Weggefährten Helmut Kohl. So würdigte Juncker den deutschen Altkanzler in Frankfurt/Main bei einer Laudatio während der Vorstellung von Kohls neuem Buch „Aus Sorge um Europa“ als deutschen und europäischen Patrioten. Kohl habe Europapolitik immer aus Überzeugung gemacht.

Euro: „Friedenspolitik mit den Mittelnunserer Zeit“

Kohl habe stets Ressentiments gegen andere Länder abgewehrt. Als „Gegner des negativen Denkens“ habe Kohl auch die kleinen Länder geachtet, sagte der ehemalige Luxemburger Regierungschef. „Zu wissen, was den anderen umtreibt, gehört zu seinem Rüstzeug.“ Und ohne Kohl wäre Junckers Ansicht nach „die gelungene deutsch-deutsche Wiedervereinigung“ so nicht möglich gewesen.

Juncker sagte, Kohl stehe dafür, dass der Euro „Friedenspolitik mit den Mitteln unserer Zeit“ sei. Es sei eine glückliche Fügung, dass er - Juncker - an seinem ersten Amtstag als neuer Kommissionspräsident das Buch seines Vorbildes Kohl vorstellen könne.

„Mein Mann hat das im Kopf“

In diesem Buch gehe es für Kohl darum, die „Deutungshoheit über sein Lebenswerk“ zu bewahren, sagt Juncker. Dass ihm seine Frau dabei behilflich ist, bestätigte Maike Kohl-Richter. „Mein Mann hat das im Kopf. Ich gehe dann in die Archive und such ihm raus, was er im Kopf hat“, beschreibt sie die Entstehung des Europa-Appells. „Dann lege ich ihm schrittchenweise die Dinge vor, dann redigiert er wie früher.“ Europa muss nach dem Wunsch des Altkanzlers wieder eine „Herzensangelegenheit“ der Menschen werden. „Wir brauchen wieder mehr europäischen Gemeinsinn», sagt der 84-Jährige bei der Vorstellung seines Buches. „Noch ist es nicht zu spät in Europa.“