LUXEMBURG/KOBLENZ/METZ
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Coronavirus: Hunderte Telefonanrufe bei „Inspection sanitaire“

Das neue Coronavirus breitet sich weiter aus und wird nun vermehrt auch in Deutschland nachgewiesen. Gestern Abend wurde auch ein Fall in Rheinland-Pfalz bekannt. Es handele sich um einen Soldaten, der im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz behandelt werde, teilte die Bundeswehr mit.

In Frankreich gibt es indes ein zweites Todesopfer: Ein 60 Jahre alter Franzose starb in der Nacht zum Mittwoch in Paris. Bereits Mitte Februar war ein 80 Jahre alter Tourist aus China in einem Pariser Krankenhaus den Folgen der Viruserkrankung erlegen. Bei ihm handelte es sich um den ersten Todesfall in Europa. Unter Quarantäne gestellt wurden unterdessen 35 Schüler und drei Lehrer eines Lyzeums in Montigny-lès-Metz, die nach einer Australien-Reise in Singapur zwischengelandet waren.

„Klaren Kopf bewahren“

In Luxemburg gibt es Gott sei Dank immer noch keinen Fall. „Wir versuchen, einen klaren Kopf zu behalten“, sagte Gesundheitsministerin Paulette Lenert gestern Nachmittag bei einer weiteren Pressekonferenz zum Coronavirus. Einen Fall gibt es in Luxemburg bislang noch nicht, aber „das Virus steht vor der Tür“, wie die LSAP-Politikerin mit Blick auf Italien betonte und: „Luxemburg ist keine Insel“. Auf ihr Gesuch hin hat heute die „Cellule de crise“ getagt und mit Vertretern aller betroffenen Akteure durchgespielt was im Falle einer Infektion mit dem COVID19-Virus zu tun ist. „Jeder muss wissen, was er zu tun hat“, sagte Lenert, die auf „ein eingespieltes Team“ vertraut.

Auch und vor allem in ihrem Ministerium. Dort gehen laut „Santé“-Direktor Dr. Jean-Claude Schmit täglich hunderte Telefonanrufe ein mit diversen Fragen zum Coronavirus. Drei bis vier Personen würden sie „nonstop“ beantworten. Menschen, die glauben, selbst betroffen zu sein, sollen sich unter der Nummer 247-85650 oder außerhalb der Bürostunden bei der Nummer 112 melden und nicht den Weg in eine Notaufnahme oder zum Hausarzt antreten.

Quarantäne gleichzusetzen mitKrankenschein

Die „Inspection Sanitaire“ wird sie dann zu Hause besuchen und in Quarantäne setzen, sich aber auch auf die Suche nach Menschen begeben, die in Kontakt mit den potenziellen Coronavirus-Infizierten waren. Die Mannschaften seien derzeit quasi „24 Stunden auf 24 im Standby“, meinte Schmit. Momentan sind insgesamt 18 Bürger in Luxemburg in Quarantäne. Im CHL, das über spezielle Isolierräume verfügt, in die Rückkehrer aus China ausharren mussten, ist keiner mehr. Alle werden zuhause beaufsichtigt. Es handelt sich um zwei Rückkehrer, die aus Wuhan ausgeflogen wurden und ihre Quarantäne noch nicht beendet haben und um 16 Bürger, die vergangene Woche in dem Hotel auf Teneriffa weilten, wo diese Woche ein Coronavirus-Fall festgestellt wurde. Den 14 Angehörigen der LuxairTours-Reisegruppe, die in dem Hotel festsitzen, gehe es gut, sagte Dr. Schmit.

Die „Inspection Sanitaire“ stelle übrigens für die Leute, die in Quarantäne ausharren müssen ein spezielles Zertifikat aus, das gleichzusetzen ist mit einem Krankenschein, sagte Paulette Lenert. Unternehmen können zwar Maßnahmen ergreifen, um Mitarbeiter, die aus betroffenen Regionen zurück gekehrt sind, zur Risikominderung nach Hause zu schicken, aber dann zu Betriebskosten. Die Mitarbeiter könnten nicht gezwungen werden, deshalb Urlaubstage zu nehmen.

Wie kann man dem Virus vorbeugen, der ähnliche Symptome verursacht wie die normale Grippe - Beschwerden wie Husten und Schnupfen, Halskratzen und Fieber, manchmal auch Durchfall? Die Vertreter des Gesundheitsministeriums riefen gestern die elementaren Hygienevorschriften in Erinnerung, die besonders während der Grippezeit gelten: Abstand halten zu Personen, die die vorgenannten Symptome aufweisen, Hände gründlich waschen, Mund bedecken bei Husten und Niesen, gebrauchte Taschentücher am besten in geschlossenen Mülleimern entsorgen... Das Ministerium will nun schnell die Infokampagne wieder anlaufen lassen, die sie zu Grippezeiten durchführt. Außerdem sollen auch die Arztpraxen mit Plakaten versorgt werden mit Verhaltensinstruktionen für Personen, die Coronavirus-Symptome aufweisen.

Nun ist das medizinische und Pflegepersonal an vorderster Front bei der Betreuung der Patienten. Man habe sich vergewissert, dass genügend Atemschutzmasken vorhanden sind, sagte Ministerin Lenert auf Nachfrage, die bestätigte, dass „verschiedene Apotheken regelrecht gestürmt wurden“, um solche Masken zu bekommen. Auch geben die EU-Länder derzeit Sammelbestellungen für Masken und anderes medizinisches Material auf.


Alles zum Virus auf der Webseite der „Santé“:

tinyurl.com/santecoronavirus