LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Minister Marc Hansen setzt auf verstärkte Zusammenarbeit zwischen privaten und öffentlichen Forschungsakteuren, aber auch innerhalb des öffentlichen Sektors

International anerkannte Forscher, die nach Luxemburg kommen, diverse Auszeichnungen oder wie zuletzt der renommierte „Consolidator Grant“ vom Europäischen Forschungsrat, den Prof. Dr. Alexandre Tkatchenko, Forscher an der Universität Luxemburg, einheimsen konnte: Würde die Qualität in der luxemburgischen Forschung nicht stimmen, dann würden auch die guten Nachrichten ausbleiben.

Zu den Prioritäten des delegierten Hochschul- und Forschungsministers Marc Hansen zählt derzeit, dass die Forschungsinvestitionen in der Privatwirtschaft Aufwind bekommen. Bis 2020, so lautet das nationale Ziel im Rahmen der Europa 2020-Wachstumsstrategie, sollen zwischen 2,3 bis 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung fließen.

Bei den öffentlichen Forschungsausgaben habe Luxemburg sein Soll mit knapp 0,7 Prozent des BIP bereits erfüllt, erklärt Hansen im Gespräch mit dem „Journal“. Um mehr Investitionen aus dem Unternehmenssektor zu bewirken, sollen öffentliche Forschungsinstitute nach den Plänen des Ministeriums deshalb verstärkt mit dem Privatsektor zusammenarbeiten.

Vorbereitung der neuen Leistungsverträge

Das wird auch bei der Vorbereitung der mehrjährigen Leistungsverträge mit dem „Luxembourg Institute of Science and Technology“ (LIST), dem „Fonds National de la Recherche“ (FNR) und der Universität Luxemburg für den Zeitraum 2018 bis 2021 eine Rolle spielen. In den derzeit laufenden Verträgen sollten die öffentlichen Forschungsakteure bereits mehr Drittmittel einwerben, beispielsweise über Projekte mit dem Privatsektor oder durch die Erlangung europäischer Fördermittel.

Hansen stellt in Aussicht, bei bestimmten Indikatoren wie der Anzahl von Patenten, Veröffentlichungen, Lizenzen oder Spin-Offs die Anforderungen in Zukunft noch etwas höher festzulegen. Seit Anfang des Jahres hat sich der Minister mit Vertretern der einzelnen öffentlichen Forschungsakteure getroffen. Bis Juli beziehungsweise September könnten die Arbeiten an den neuen Konventionen bereits weit fortgeschritten sein; bis Ende des Jahres bliebe dann Zeit für ihre Fertigstellung. Hansen sieht ebenfalls noch Potenzial bei der Zusammenarbeit zwischen den öffentlichen Forschungseinrichtungen wie die kooperative Nutzung von Laboren oder gemeinsame Professuren. „In der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Akteuren ist noch Luft nach oben“, sagt Hansen.

Reform des Uni-Gesetzes „in zwei drei Monaten“ auf dem Instanzenweg

Ein anderes politisches Dossier im Ressort Hochschulwesen und Forschung ist die Reform des Universitätsgesetzes aus dem Jahr 2003, mit dem die Universität auf die Zukunft vorbereitet werden soll. In den kommenden „zwei bis drei Monaten“ soll Hansen zufolge ein neuer Gesetzesentwurf auf den Instanzenweg geschickt werden können. Der 2011 eingereichte Reformvorschlag würde demnach - auch wenn er in Teilen übernommen werden könne - zurückgezogen werden.

Seit längerer Zeit wird die Entscheidung der Regierung erwartet, wie die medizinische Ausbildung in Luxemburg in Zukunft aufgestellt werden soll. Zwei kurz vor dem Abschluss stehende Berichte beschäftigen sich zum einen mit der Möglichkeit, im Anschluss an eine medizinische Grundausbildung eine Spezialisierung in der Onkologie und in der Neurologie in Luxemburg anzubieten sowie andererseits einen medizinischen Bachelor in Zusammenarbeit mit ausländischen Universitäten zu organisieren. Zuvor waren im März 2015 zwei andere Studien vorgestellt worden, die sich mit der Machbarkeit einer „Medical School“ in Luxemburg befassten.

Eine Entscheidung in diesem Dossier solle „demnächst“ fallen, erklärt Hansen. Der Minister weist allerdings auf mehrere Punkte hin. Zwar gebe es in dieser Frage viele Gestaltungsmöglichkeiten, berücksichtigen müsse man allerdings auch die damit verbundene Investition, die an anderer Stelle Einschränkungen bedeuten könne. Zweitens handele es sich um eine Frage, die nicht nur die Universität betrifft, sondern das ganze Land.

Würde Luxemburg eine vollständige medizinische Grundausbildung auf die Beine stellen, würde das Schwierigkeiten mit sich bringen, im Ausland einen Studienplatz zu bekommen. Aus diesem Grund habe man bislang die Quotenregelungen an ausländischen Universitäten aufrechterhalten können. Hansen formuliert es so: „An dem Tag, an dem wir eine komplette Ausbildung haben, schließen sich im Ausland verschiedene Türen“. Außerdem sei auch im Szenario einer „Medical School“ wichtig, dass die Studenten Auslandserfahrungen zu sammeln.