Der „Cercle de Coopération“ hat sich im Jahr 2011 Leitlinien für eine wirksame Entwicklungszusammenarbeit gegeben

Im Jahr 2011 hat sich der „Cercle de Coopération“, der Dachverband der Entwicklungs-Nichtregierungsorganisation in Luxemburg, der 75 von 95 Vereinigungen in Luxemburg vertritt, 20 Prinzipien in drei Bereichen festgelegt, um die Entwicklungshilfe zu verbessern. Drei Jahre später gibt sich Christine Dahm, Direktorin des „Cercle“, mit den Fortschritten zufrieden. „Wir haben einiges erreicht. Bei den Nichtregierungsorganisationen hat ein Bewusstseinswandel begonnen. Wir sind allerdings noch nicht am Ziel“. Als größte Herausforderung sieht sie heute die Evaluierung, also die Frage, was ein bestimmtes Projekt vor Ort bewirkt hat. Eine jährliche Bewertung ist insbesondere bei Entwicklungsprojekten, die sich über mehrere Jahre erstrecken, schwierig. Eine Ausrede sollte das allerdings nicht sein. Das Thema Evaluierung gehört deshalb auch zu den Prioritäten in der Agenda des „Cercle“ für 2015, das Europäische Jahr der Entwicklung. Bemerkenswert ist für Dahm, dass sich das Jahresthema eines „Europäischen Jahres“ zum ersten Mal nicht vorrangig um die EU selbst dreht.

Hintergrund der Leitlinien des „Cercle“ ist der Gipfel, der Ende 2011 in Busan in Südkorea stattfand. Die Partnerschaft von Busan ist eine internationale Rahmenvereinbarung für eine wirksame Entwicklungszusammenarbeit, die unter anderem eine stärkere Verbindung und den Austausch zwischen allen Akteuren, also auch etwa der Privatwirtschaft vorsieht.

Schwellenländer nicht vergessen

Auch der luxemburgische „Plan d’action pour l’efficacité du développement“ für den Zeitraum bis 2016 orientiert sich an den 2011 in Busan definierten und im April 2014 in Mexiko weiterentwickelten Prinzipien. Dahm war überrascht, als der seit ein paar Jahren geforderte Plan Mitte Oktober veröffentlicht wurde, begrüßt aber, dass es ihn gibt. „Obwohl der Aktionsplan sich hauptsächlich auf die Kooperationspolitik der Regierung bezieht, teilen wir viele der zurückbehaltenen Kriterien und Prinzipien“, sagt Dahm. Anderer Meinung ist der Dachverband allerdings, was die Pläne der Regierung betrifft, die Anstrengungen in der Kooperation auf die ärmsten Länder konzentrieren zu wollen. Das wäre an sich nicht problematisch, wenn nicht auch die finanzielle Unterstützung von Projekten, durch den so genannten „taux de cofinancement“, in Zukunft in Schwellenländern geringer ausfallen soll als in den am wenigsten entwickelten Ländern („least developed countries“). „Dieses Kriterium halten wir für die Projekte der ONGs nicht sinnvoll, weil Armutsprobleme in Schwellenländern oft am größten sind“, sagt Dahm. Projekte von Nichtregierungsorganisationen können aktuell, je nach Art und Dauer, mit bis zu zwischen 66 und 80 Prozent vom Ministerium mitfinanziert werden.

Auch insgesamt kann der „Cercle“ nur schwer nachvollziehen, wie die die Entwicklungszusammenarbeit betreffenden Maßnahmen im „Zukunftspak“ ihre Wirksamkeit erhöhen sollen. Anfang nächsten Jahres wird der „Cercle“ den zuständigen Minister Romain Schneider treffen, der sich zu Diskussionen bereit erklärt habe. Auch was die Maßnahme betrifft, die Beteiligung an den Verwaltungskosten von 15 auf 12 Prozent zurückzufahren. „Das ist in unseren Augen wirklich kontraproduktiv, wenn das Ziel lauten soll, die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit, und indirekt auch ihre Professionalisierung, zu fördern“, erklärt Dahm. Spielraum, um selbst Einsparungen bei den Verwaltungskosten vorzunehmen, bleibe den ONGs dann nur beim Personal. Die Maßnahme würde die Organisationen außerdem unterschiedlich hart treffen, da einige eher mit Freiwilligen arbeiten, andere wiederum mit fest eingestellten Mitarbeitern.

2015 im Zeichen der Entwicklungszusammenarbeit

Für das kommende Jahr setzt der „Cercle“ auf Information, Sensibilisierung und Mobilisierung. Die Bürger sollen einerseits mehr über die Entwicklungszusammenarbeit erfahren. Es geht aber auch darum, die Botschaft zu vermitteln, dass jeder einen Teil der Verantwortung trägt. Dahm wehrt sich gegen Anschuldigungen, die Entwicklungsarbeit habe nicht vollbracht, schließlich würden die Ungleichheiten in der Welt immer größer. „Die Entwicklungshilfe trägt dazu bei, dass es nicht noch schlimmer wird. Außerdem spielen noch andere Faktoren“. Damit spielt sie nicht zuletzt auch auf unser alltägliches Verhalten an: Was wir essen, welche Kleidung wir kaufen oder wie wir uns fortbewegen. „Es reicht nicht, hin und wieder zu spenden“, sagt Dahm.

Weil Entwicklungszusammenarbeit bei den Entscheidungen anfängt, die wir als Verbraucher oder die in der Politik getroffen werden, möchte der „Cercle“ mit Organisationen aus den Bereichen Menschenrechte oder Umweltschutz im nächsten Jahr näher zusammen arbeiten. Dies auch vor dem Hintergrund der UN-Vollversammlung im September. Denn dann werden neue Ziele für eine nachhaltige Entwicklung definiert, die nicht mehr nur für die Entwicklungsländer gelten, sondern universellen Charakter haben werden. Diese Ziele, die die Millenniumsziele ablösen, werden also auch für Luxemburg gelten. „Das stellt auch Luxemburg vor enorme Herausforderungen“, sagt Dahm. Genau die will der „Cercle“ ansprechen.