LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Erste Bilanz der Grundschulreform von 2009 - „Bilans intermédiaires“ werden sofort überarbeitet

Wenn alles optimal läuft, könnten die neuen Zwischenbilanzen für die Grundschule bereits zur „Rentrée“ im Herbst vorliegen. Unterrichtsministerin Mady Delvaux-Stehres (LSAP) hat eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Erziehungswissenschaftlers Dr. Daniel Tröhler von der Uni Luxemburg mit der Aufgabe der Vereinfachung des Dokuments betraut, das immer noch für viele Eltern und auch Lehrer ein schwer zu handhabendes und schwer verständliches Instrument ist.

Diese Entscheidung ist eine der fünf Prioritäten, die die Unterrichtsministerin nach der ersten Bilanz der Grundschulreform von 2009 festgelegt hat, die gestern vorgestellt wurde. Die weiteren vier sind die generelle Vereinfachung der administrativen Prozeduren, die Verbesserung der Funktionsweise der multidisziplinären Mannschaften in den Schulen, die Präzisierung des für die Kompetenzsockel erforderlichen Wissens, sowie die Stärkung der bisher nahezu inexistenten Verbindungen zwischen „Maisons relais“ und Schule unter anderem durch die Verwirklichung eines „Plan d‘encadrement périscolaire“ in sämtlichen Gemeinden ab der kommenden „Rentrée“.

Prinzipielle Zustimmung zur Reform

„Wir befinden uns auf dem richtigen Weg“, freute sich Bildungsministerin Delvaux-Stehres. Die erste Bilanz der Reform habe gezeigt, dass deren Notwendigkeit und deren große Prinzipien von allen Akteuren getragen werden. Nun gehe es darum, gemeinsam mit ihnen, die Instrumente zur Umsetzung der Ziele anzupassen. Womit sich das Bildungsministerium, das sich die vielen Kritiken an der Reform zu Herz genommen, bereits seit einiger Zeit beschäftige.

Die im Regierungsprogramm von 2009 vorgesehene, erste Zwischenbilanz der Reform, wurde von einem Forscherteam der Uni Luxemburg auf Basis von Fragebögen und Interviews mit Lehrern und Eltern im vergangenen Juni und Juli erstellt. Wobei es nicht, wie gestern mehrmals unterstrichen wurde, darum ging, den Impakt der Reform auf die Qualität und den Impakt des Unterrichts auf die Fähigkeiten der Schüler zu messen. Das könne nur über einen längeren Zeitraum erfasst werden. Die Mannschaft um Dr. Tröhler hatte die 4.845 Lehrer, Erzieher und Lehrbeauftragte in der Grundschule dazu eingeladen, einen Online-Fragebogen auszufüllen. Lediglich 16,6% machten mit. Zugleich verteilten die Forscher einen Fragebogen an die Eltern von 3.533 Schülern.

Hier betrug die Teilnehmerquote 29,5%. Zusätzlich dazu führten die Akademiker Gespräche mit 4 Präsidenten und 22 Mitglieder von Schulkomitees, mit 17 Schulinspektoren, 19 „Instituteurs ressources“ und 6 Elternvertretern. Während die Schulkomitees, die Lehrerteams und die Neuverteilung der Ressourcen in der Grundschulausbildung („Contingent“) gut ankommen, wurde vor allem die Schwerfälligkeit administrativer Prozeduren beanstandet sowie die ungenaue Definition der „Kompetenzen“.

Uni empfiehlt Schuldirektor

Dr. Tröhler zufolge hätte das Bildungsministerium besser über Ziele und Umsetzung der Reform informieren müssen. Seiner Meinung zufolge würden sich die meisten Probleme mit der Zeit lösen, es gebe allerdings strukturelle Probleme, die grundlegendere Anpassungen benötigen. Neben der administrativen Vereinfachung und der Präzisierung des Kompetenzkonzepts müsse vor allem die Autonomie der Schulen gestärkt und die Professionalisierung der Schulleitungen ins Auge gefasst werden. Die Forscher schlagen in diesem Sinne unter anderem vor, noch einmal über die Einsetzung eines Schuldirektors nachzudenken. Dass das getan werden soll, steht übrigens auch in der Regierungserklärung. Die Ministerin hat den Schuldirektor bislang nicht als sinnvoll erachtet.

Parallel zum Tröhler-Team hat auch Siggy Koenig, der seit 2009 pensionierte Generaladministrator des Bildungsministeriums einen Bericht über die Umsetzung der Reform geschrieben. Dies auf Basis der verschiedenen Gesetze zur Reform, der Mitteilungen der Schul-Akteure dazu und Gesprächen mit Lehrern, Eltern, Gewerkschaftern und Gemeindeverantwortlichen. Koenig kommt dabei zu ähnlichen Schlussfolgerungen wie die Uni-Mannschaft. Und rät den Beamten aus dem Unterrichtsministerium den Lehrern besser zuzuhören.