LUXEMBURG
PATRICK WELTER

2016 war ein Weinjahr der Herausforderungen

Mitte des Sommer stellte man sich an der Mosel auf eine echte Katastrophe ein. Die Aussichten für einzelne Winzerbetriebe galten als „zappenduster“, wie es im Rheinland heißt. Wie übel die Lage war, merkte man bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Weinbauminister Fernand Etgen und Experten des nationalen Weinbauinstituts schon am Einklang zwischen den anwesenden Winzern. Schon zu diesem Zeitpunkt sagte Erny Schumacher, Präsident der Privatwinzer: „Wir erwarten einen halben Herbst.“

Peronospera oder „falscher Mehltau“

Egal ob Privat- oder Genossenschaftswinzer, der gemeinsame Feind hieß: Peronospera, „falscher Mehltau“. Diese Pilzerkrankung, in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus Amerika eingeschleppt, gehört sowieso schon zu den bedeutenden Reb-Krankheiten in Mitteleuropa. In diesem Frühjahr und Sommer hatte sie sich aber in einem bisher nicht bekannten Maß in den Weinanbaugebieten Luxemburgs und der Nachbarländer ausgebreitet.

Der Pilz, der alle grünen Rebteile befällt, hat die üble Eigenschaft, dass sich bei entsprechender Witterung bis zu neun Vegetationsperioden nach und nach überlagern können, erst dann ist der Pilz am Ende. Verantwortlich für die rasante Ausbreitung waren die Wetterkapriolen des Jahres 2016. Während 2015 ein trockenes Jahr war, zeichnete sich 2016 zunächst durch extrem hohe Niederschlagsmengen aus. Im Frühsommer fiel an der Mosel die dreifache Regenmenge gegenüber dem Vorjahr. Die hohe Feuchtigkeit und Wärme half den Pilzen bei der Ausbreitung, machte aber vielerorts die maschinelle Bearbeitung der Weinberge so gut wie unmöglich. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und eine Entblätterung der Reben besonders wichtig gewesen wäre. Der Grad des Befalls hing von Rebsorte, Standort und Mikroklima ab. Einige Parzellen waren überhaupt nicht betroffen, in anderen waren die Reben zur Hälfte, in manchen zu einhundert Prozent unbrauchbar. An einen derartigen Pilzbefall konnte sich keiner der luxemburgischen Winzer, auch keiner der Älteren, erinnern.

Geringe Menge - Prima Qualität

Zum Glück bekam das Wetter in den beiden Monaten August und September noch einmal die Kurve, die Sonne strahlte in unerwarteter Stärke vom Himmel. Die, wenn man so will, „positive“ Eigenschaft des falschen Mehltaus liegt darin, keine Auswirkung auf die Qualität der Trauben und damit des Weines zu haben - ein Phänomen, dass das Weinjahr 2016 gerettet hat. Das wurde schon zu Beginn der Lese klar. Die nicht von der Peronospora-Epidemie vernichteten Trauben waren von herausragender Qualität. „80° Oechsle für einen Rivaner am ersten Lesetag sind sehr außergewöhnlich“, sagte uns der technische Direktor der Vinsmoselle, Bernd Karl damals.

Zwar sei die Erntemenge eingebrochen, der 2016er werde aber dennoch ein qualitativ hochwertiger Weinjahrgang. Noch liegen beim Weinbauinstitut keine exakten Zahlen zu 2016 vor, aber die Erntemenge ist um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen, was einem Rückgang von durchschnittlich 130.000 Hektoliter auf 80.000 Hektoliter entspricht - aber dafür ist die Qualität hervorragend.